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Alan Gasperoni im Interview:"Ich hab doch nichts gegen Müller"

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Bald San Marinos neuer Ehrenbürger? Thomas Müller.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Sein offener Brief an Thomas Müller hat Alan Gasperoni über Nacht berühmt gemacht. Im SZ-Interview lädt er den Bayern-Profi nun zum Versöhnungstraining nach San Marino ein.

SZ: Danke für den Rückruf, Herr Gasperoni. Ich dachte schon, Sie verstecken sich.

Gasperoni: Nein, wieso?

Ihre Verbalgrätsche gegen Thomas Müller hat Sie über Nacht berühmt gemacht. Aber vielleicht waren nicht alle Reaktionen darauf positiv. . .

Doch! Eigentlich durchweg positiv. San Marino hat zwar 0:8 gegen Deutschland verloren, hat aber Fans in aller Welt. Es gab Komplimente sogar aus Brasilien, Russland und Spanien. Offensichtlich habe ich da bei vielen einen Nerv getroffen.

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In einem offenen Brief an Thomas Müller haben Sie, Sprecher des Fußballverbandes von San Marino und Vereinsvorsitzender von La Fiorita, auf Ihrer Facebook-Seite zehn Gründe genannt, warum das WM-Qualifikationsspiel San Marino-Deutschland am Freitag nötig gewesen sei . . .

Genau das hatte Müller nämlich bezweifelt. Er hat moniert, dass die Weltmeister sich auf unserem schmierigen Platz unnötig in Gefahr bringen mussten. Ganz so, als hätte sich Deutschland den Ausflug nach San Marino lieber schenken sollen. Und das brachte mich schon auf die Palme.

Sie haben geschrieben: "Das Spiel war war nötig, um zu beweisen, dass du noch nicht mal mehr gegen solche Flaschen wie uns ins Tor triffst." Das war jetzt aber auch nicht nett, Herr Gasperoni. Hat Müller sie schon angerufen?

Nein, hat er nicht. Aber das war wirklich nicht ganz ernst gemeint. Ich habe doch nichts gegen Müller. Ich bin sein Fan, ich verehre ihn! Er ist ein ganz Großer, und ich bin ein kleines Licht. Bitte richten Sie ihm aus, dass es nicht persönlich gemeint war.

Ist hiermit geschehen. Meinen Sie, er kommt noch mal nach San Marino? Vielleicht sogar freiwillig?

Ich hoffe es! Dann lade ich ihn zum Training mit meinem Klub La Fiorita ein.Wir sind Amateure und haben drei Nationalspieler im Team. Darunter Andy Selva, unseren Rekordnationalspieler. 73 Spiele und acht Tore für San Marino.

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Gegen Deutschland hat Selva leider noch nie getroffen. Stattdessen hat San Marino von den Deutschen in drei Partien insgesamt 27 Gegentreffer kassiert. Beim vorletzten Mal 2006 waren es 13, jetzt noch mal acht. Ganz ehrlich: Sind Sie darüber nicht auch ein bisschen sauer?

Ach, woher denn, wir wissen doch genau, wo wir stehen! In 26 Jahren hat San Marino 594 Gegentore bekommen und selbst nur 22 Treffer erzielt, dieses Torverhältnis ist vielleicht sogar Negativ-Weltrekord. Aber damit können wir leben. Mir ging es mit meinem offenen Brief ja um etwas ganz anderes.

Worum denn?

Nämlich darzustellen, dass der Fußball allen gehört. Auch uns Kleinen. Es ist einfach nicht richtig, sich wie Müller darüber zu beklagen, dass Spiele bei ewigen Verlierern sinnlos sind. Hier geht es doch um die Seele des Fußballs. Um das Spiel an sich. Jedes Mal, wenn die Großen zu uns kommen, gibt es diese Diskussion. Die Engländer hatten sich vor Jahren auch beschwert. Und dann sind sie bei der Europameisterschaft gegen Island herausgeflogen. Island war die große Überraschung. Der Beweis, dass man die Kleinen nicht unterschätzen darf. Und schon gar nicht ausklammern!

Von großer Fußballbegeisterung war am Freitag in San Marino allerdings gar nicht so viel zu spüren. Im Stadion von Serravalle gab es jede Menge freie Plätze.

Vier Grad und Dauerregen! Das war der kälteste Abend des Jahres. Ich selbst habe mir ein Bein abgefroren.

Sie haben an Thomas Müller auch geschrieben: "Auch wenn ihr die schönsten Adidas-Trikots tragt, bleibt ihr immer noch die mit weißen Socken in Sandalen." Laufen die Deutschen in San Marino wirklich noch so herum?

Ich habe gehört, sie tragen neuerdings Trekking-Schuhe, wenn sie in Rimini an den Strand gehen. Scherz beiseite, ich habe diesen Facebook-Eintrag doch mehr oder weniger für meine Freunde geschrieben. Wer hätte geahnt, dass das solche Kreise zieht! Wir haben hier halt das alte Deutschen-Klischee von den weißen Socken in Sandalen. Das gilt aber nur für die deutschen Männer! Über die deutschen Frauen würden wir nie so etwas sagen.

Das möchten wir auch meinen. Fahren Sie zum Rückspiel nach Deutschland?

Das ist im Juni 2017. Ich fürchte, da habe ich schon etwas vor.

Wichtiger als die Versöhnung mit Thomas Müller?

Das würde ich so nicht sagen. Aber in San Marino finden die Spiele der neun kleinsten Länder Europas statt, eine Art Mini-Olympia, und ich sitze da im Organisationskomitee. Thomas Müller wäre natürlich unser Ehrengast!

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