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Wechselgerüchte um Alaba:Alles nur ein Märchen?

Seit 2011 spielen Manuel Neuer (l.) und David Alaba gemeinsam in München - doch wie lange bleibt das noch so?

(Foto: Günter Schiffmann/AFP)
  • Um David Alaba ist zuletzt große Unruhe entstanden - auch weil sein Vertrag beim FC Bayern, der 2021 ausläuft, noch nicht verlängert wurde.
  • Alaba steht dabei auch steht stellvertretend für einen Transfermarkt, der in der Corona-Krise deutlich komplizierter geworden ist.
  • Trotz mehrerer Gerüchte spricht derzeit viel für einen Verbleib beim FC Bayern: Dort fühlt Alaba sich als Spieler so gut verstanden wie seit Jahren nicht mehr.

David Alaba spielt seit bald zwölf Jahren für den FC Bayern München, er ist eines der Gesichter dieser Mannschaft geworden, und nun, da es auch darum geht, wie verbunden der Wiener diesem Verein ist, wäre das eine Frage, an der sich seine Vereinstreue gut erkennen ließe: Würde David Alaba Spiele der Münchner auch in einer Fankneipe anschauen?

Zu seiner Verteidigung muss vorab angeführt werden, dass das selbst einen Multitasking-Experten wie Alaba vor eine gewaltige Aufgabe stellen würde; zwar kann er als Innenverteidiger wie ein zentraler Mittelfeldspieler denken, aber auf dem Rasen verteidigen und gleichzeitig in einer Kneipe Fußball schauen, das wäre selbst von ihm zu viel verlangt. In Fankreisen hat Alaba bisher bevorzugt Spiele von Galatasary Istanbul angeschaut, ihn fasziniert die heißblütig gelebte Bindung der dortigen Fans zu ihrem Verein; auch im Galatasaray-Trikot hat sich Alaba schon fotografieren lassen, anderen Spielern wäre in so einem Fall umgehend ein Wechselwunsch unterstellt worden. Doch in diesen Wochen, in denen auch für weltweit geschätzte Spieler unsicher ist, wie ihre Zukunft aussehen wird, ist zumindest eines sicher: Zu Galatasaray Istanbul wird Alaba nicht wechseln, zumindest nicht in diesem Sommer, und auch im nächsten nicht.

Andererseits: Ganz sicher nicht? Ja, ganz sicher nicht. Das kann man wohl ausnahmsweise behaupten.

Allerdings steht der gesamte Profifußball in der Corona-Krise vor unsicheren Zeiten; was am Wochenende gesagt wird, kann am Mittwoch schon nicht mehr gültig sein. Und ein Spieler, der im Moment noch mittelfristig an seinen Klub gebunden ist, muss sich unter diesen erschwerten Bedingungen verschärft Gedanken machen: ob eine frühzeitige Vertragsverlängerung schlau wäre, oder ein frühzeitiger Wechsel - oder ob es vielleicht oberschlau wäre, die Mechanismen der Krise noch ein paar Monate zu beobachten. Weil in der Krise allgemein die Preise sinken, könnte ja auch der eigene Marktwert sinken, man wäre nicht mehr so teuer und könnte womöglich günstiger wechseln. Oder wäre dieser Gedanke eher oberdoof, weil ja auch das eigene Gehalt sinken könnte?

Zuletzt ist eine gehörige Unruhe um Alaba entstanden

Solche Gedanken machen sich gerade viele Spieler auf dem Markt, stellvertretend für sie steht David Alaba. Ja, er ist ein Gesicht seines Vereins, aber mit dem Reiz anderer Länder hat der Österreicher immer wieder kokettiert. Nun wird er sich entscheiden müssen, ob das eine Koketterie bleibt - oder ob es ihm ernst ist damit.

Der Vertrag des 27-Jährigen in München läuft noch bis Sommer 2021, in diesen Tagen hätten erste Gespräche zwischen Verein und Spieler stattfinden sollen. In normalen Zeiten wäre die Logik branchenüblich einfach gewesen: Alaba verlängert langfristig und erhält jährlich ein paar obszöne Milliönchen mehr Gehalt - oder er wechselt schon in diesem Sommer, bekommt woanders noch ein paar obszöne Millönchen mehr Gehalt, und der FC Bayern streicht obendrein eine angemessen groteske Ablösesumme ein.

In der vergangenen Woche aber ist um Alaba eine gehörige Unruhe entstanden. So kam ein Gerücht auf, wonach zwischen dem FC Bayern und Manchester City ein Tauschgeschäft angedacht worden sei: City bekomme Alaba, die Münchner dafür den schon im Sommer heftig umworbenen Flügelstürmer Leroy Sané. Es war ein abenteuerliches Konstrukt, aber wann sollte es denkbar sein, wenn nicht in diesen Zeiten? Am Wochenende sagte der Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dann "klar und deutlich" der TZ: "Das ist Grimms Märchen und hat nichts mit der Realität zu tun." Ein Satz, der womöglich auch am Mittwoch noch gültig sein wird.

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