Aktuelles Lexikon:Bergamo

Italienischer Ort des Feierns und des Leids mit langer Geschichte.

Von Andrea Bachstein

Sie haben die ganze Nacht gefeiert in Bergamo, 15 000 Fans sahen auf Großbildschirmen den Triumph ihres Klubs Atalanta gegen Leverkusen. Es ging hoch her auf dem Sentierone, der Einkaufs- und Ausgehmeile in Bergamos Unterstadt, wo das Teatro Gaetano Donizetti liegt - der Opernkomponist war Sohn der lombardischen Stadt. Diese war schon sehr alt, als der Sentierone im 16. Jahrhundert entstand. Weil zwischen Alpenrand und beginnender Po-Ebene die prähistorischen Orobi gesiedelt haben sollen, nennt man Bergamasker, speziell Atalanta-Spieler und -Anhänger, "Orobico". Die Römer prägten den Namen Bergomum. Die Città Alta, die Oberstadt, auf 360 Metern ist ein Juwel des Mittelalters, die Tore ihrer Festungsmauer unterzieht man jeden 18. Juni unter Glockengeläut einem rituellen Funktionstest. Oben wie unten ist der Wohlstand der 120 000-Einwohner-Stadt sichtbar, er verdankt sich der Industrie der Provinz Bergamo. Dort begann in Italien auch die Pandemie und wütete furchtbar, Fotos von Militär-Lkws, die Tote abfuhren, gingen 2020 um die Welt. Nun feiert man wieder, und wer dabei hungrig wird, den erwarten typische Polenta-Gerichte oder die Ravioli-Variante "Casoncelli alla Bergamasca".

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