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Senegal beim Afrika-Cup:Sie wohnen in einem Quartier mit Schullandheim-Atmosphäre

Gilt als Schleifer: Aliou Cisse

(Foto: AFP)

Ganz so erfolgreich wie Cissé war Belmadi als Nationalspieler nicht, 2004 nahm er immerhin an einem Afrika-Cup teil. Aber: Dass der Afrika-Cup in Kairo nun die beiden "Nachbarn" zusammenführt, bewirkt eine seltene Konstellation. Erstmals seit dem Finale 1998 (Ägypten-Südafrika, 2:0) sitzen zwei afrikanische Cheftrainer bei den Finalisten auf der Bank. In 31 Afrika-Cup-Endspielen gewannen 16 Mannschaften mit nichtafrikanischen Trainern.

Cissé hatte das Traineramt 2015 vom Franzosen Alain Giresse übernommen, den er nun im Halbfinale ausschaltete, Senegal gewann gegen Tunesien. Wenn man Cissé nach dieser Partie etwas attestieren konnte, dann vor allem dies: Er hat für überragende Disziplin gesorgt. Senegal hat im ganzen Turnier nur einen Gegentreffer hinnehmen musste, im Gruppenspiel-Duell gegen Algerien (0:1). Cissé hat darüber hinaus auch ein Klima des Zusammenhalts geschaffen, das über das Normale hinauszugehen scheint.

Das Image von Cissé als Schleifer

Das beste Indiz dafür ist die Unterbringung. Während die Algerier in einem Fünfsterne-Hotel Kairos logieren, halten sich die Senegalesen seit vier Wochen in einem Quartier mit Schullandheim-Atmosphäre auf. Die spartanische Logis, die ganz dem Image von Cissé als Schleifer entspricht, tat dem Erfolg keinen Abbruch - obwohl auch die Senegalesen Profis sind, die mit den Annehmlichkeiten des europäischen Vereinsfußballs vertraut sind. Auch wenn nicht alle so große Namen haben wie Sadio Mané, der im Sommer mit dem FC Liverpool Champions-League-Sieger wurde.

Im Finale gegen Algerien ist Mané besonders gefordert, auch weil Cissé auf einen seiner wichtigsten Spieler verzichten muss. Abwehrchef Kalidou Koulibaly (SSC Neapel) ist gelbgesperrt. Mané, 27, hat drei Tore erzielt und seinem in England geläufigen Spitznamen "the Main man Mané" alle Ehre gemacht, er war die überragende Figur in einer ansonsten fußballerisch nur bedingt brillierenden Mannschaft. Mané vergab zwar zwei von drei Elfmetern, die Senegal im Laufe des Turniers zugesprochen wurden. Seinem Traum, den Ballon D'Or Afrikas für 2019 zu gewinnen, die Auszeichnung zum besten Spieler des Kontinents, ist er beim Afrika-Cup aber näher gekommen - mehr noch als der Algerier Riyad Mahrez (Manchester City) oder der Ägypter Mo Salah (Liverpool).

Noch größer aber ist Manés Traum, mit dem Afrika-Cup nach Dakar zurückzukehren. Er würde alles dafür geben, sogar den Champions-Leauge-Pokal eintauschen, vertraute er der Zeitschrift France Football vor dem Turnier an. Denn er weiß, dass er damit die Erinnerung an Mali 2002 wohl vergessen machen würde.

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