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Afrika-Cup:Plötzlich Nationalspieler

Für Marokko beim Afrika Cup: Aziz Bouhaddouz (l.) gegen Finnlands Juha Pirinen.

(Foto: Karim Sahib/AFP)

Aziz Bouhaddouz vom FC St.Pauli kennen viele für seine Liegestütze nach Toren, nun stürmt er beim Afrika-Cup für Marokko. Die Geschichte eines Aufstiegs von der Regionalliga auf die große Bühne.

Das Foto wäre nicht der Rede wert, würde in der vorletzten Reihe nicht dieser Mann stehen und selig lächeln. Das Foto bei Facebook vom 12. Januar zeigt das marokkanische Fußballnationalteam im Flugzeug nach Gabun. Vorne grinst der frühere Verteidiger des FC Bayern, Medhi Benatia, unter einer Basecap in die Kamera, dahinter drängen sich seine Mitspieler, die Finger zu Peace-Zeichen geformt, ein Fußballer-Foto eben. Hinten, da steht der Stürmer Aziz Bouhaddouz vom FC St. Pauli und fliegt zum Afrika-Cup. Obwohl er eigentlich gar nicht dort sein sollte.

Am Samstag hat in Gabuns Hauptstadt Libreville die 31. Auflage des Afrika-Cups begonnen. Und natürlich geht es dort mal wieder nicht nur um Fußball. Wie schon 2015, als der Kontinentalwettbewerb in Äquatorialguinea stattfand, ist der Austragungsort umstritten. Gabuns Präsident Ali-Ben Bongo Ondimba will mit dem Turnier von innenpolitischen Unruhen ablenken, die Arbeitslosigkeit im Land ist hoch, Demonstrationen werden niedergeschlagen, für die Zeit der Spiele haben Aktivisten Proteste angekündigt.

Andererseits ist der Afrika-Cup auch 2017 eine Bühne für schöne Geschichten. Erstmals ist zum Beispiel Guinea-Bissau dabei, ein von zwei Militärputschen geschwächtes Land mit 1,7 Millionen Einwohnern. Nach Meinung des Guardian war nie zuvor die Mannschaft einer wirtschaftlich derart unterentwickelten Nation bei einem großen Fußballturnier dabei.

"Ich genieße momentan jeden Tag"

Und dann ist da die Geschichte von Aziz Bouhaddouz, Stürmer, 29 Jahre alt. Vor gut zweieinhalb Jahren war er ein Regionalligaspieler in Leverkusen - nun ist er Stürmer für sein Geburtsland beim wichtigsten Turnier in Afrika und sagt: "Ich genieße momentan jeden Tag."

Wer Bouhaddouz 2014 für die zweite Mannschaft von Leverkusen in der Regionalliga West spielen sah, der erkannte einen Fußballer, der zu Höherem berufen war. 24 Tore schoss Bouhaddouz dort in 27 Spielen, seine Gegenspieler verzweifelten daran, sich der Wucht des 1,88 Meter großen Angreifers in den Weg zu stellen. Bouhaddouz war unterfordert, aber glücklich; seine Karriere schien damals erstmals in geordneten Bahnen zu verlaufen. Er wäre auch gerne in Leverkusen geblieben, sagte er damals, doch Bayer 04 schaffte als erster Verein in Deutschland seine zweite Mannschaft ab. Und die Karriere von Aziz Bouhaddouz begann noch mal neu.