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Afrika-Cup in Angola:Togos Premier spricht Machtwort

Verwirrung um Togos Teilnahme am Afrika-Cup: Trotz des Terrorangriffs auf den Mannschaftsbus wollte die Nationalelf zunächst spielen - nun sagt ihre Regierung das Turnier doch ab.

Zwei Tage nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus Togos war am Wochenende unklar, ob die Nationalelf am Afrika-Cup in Angola teilnimmt. Vor Beginn des Turniers am Sonntag gab es widersprüchliche Meldungen über die Auftaktbegegnung am Montag gegen Ghana. Offenbar hat Togos Premierminister die Mannschaft nun aber mit einem Machtwort nach Hause beordert. "Das Team muss abreisen und nach Togo zurückkehren. Wenn Spieler oder andere Personen bei der Eröffnungsfeier unter unserer Flagge stehen, dann repräsentieren sie nicht unser Land", sagte Premier Gilbert Houngbo.

Geschockte Spieler der togoischen Nationalelf auf Fernsehbildern unmittelbar nach dem Angriff auf ihren Mannschaftsbus, bei dem drei Menschen ums Leben kamen.

(Foto: Foto: Reuters)

Am Sonntag schickte die togoische Regierung ein Flugzeug nach Angola, um die Spieler der Fußball-Nationalmannschaft und die übrigen Delegationsmitglieder noch am Abend nach Hause zu fliegen. Houngbo teilte mit, angolanische Sicherheitskräfte würden die Spieler von ihrem Mannschaftsquartier zum Flughafen eskortieren.

Zuvor hatte das Team sich entschieden, trotz des tragischen Ereignisses bei dem Turnier anzutreten. Neben dem Busfahrer waren bei dem Anschlag auch der Assistenz-Arzt und der Pressesprecher des Teams ihren Verletzungen erlegen. Der Bus war am Freitag in der Unruhe-Region Cabinda unter Beschuss geraten.

Regierung ruft Mannschaft zurück

"Die Regierung bleibt bei ihrer Entscheidung, die Mannschaft zurückzurufen. Es ist das Beste, nicht in Angola zu bleiben. Es sind Menschen getötet worden, unser Torhüter Kodjovi Obilale liegt auf der Intensivstation", sagte auch Regierungssprecher und Minister Pascal Bodjona.

Die Regierung widersprach damit den Spielern, denen zunächst die Entscheidung über eine Teilnahme am Kontinentalturnier überlassen werden sollte. "In Gedenken an die Toten hat das Nationalteam beschlossen, am Afrika-Cup teilzunehmen", hatte der Mittelfeldspieler Thomas Dossevi vom französischen Klub FC Nantes erklärt: "Die Mannschaft ist in der Nacht zusammengekommen und hat diese Entscheidung fast einstimmig getroffen."

Auch Alaixys Romao, Spieler von Grenoble Foot, hatte die Kehrtwende bestätigt: "Menschen sind für den Afrika-Cup gestorben, andere wurden verletzt. Wir werden sie nicht im Stich lassen und uns wie Feiglinge zurückziehen. Wir müssen uns verhalten wie Männer." Und auch nach Angaben des Pressesprechers des Afrikanischen Fußballverbandes (CAF), Kodzo Samlan, wollte Togo bei der Meisterschaft dabei sein. "Ich habe mit der Mannschaft telefoniert und sie will spielen." Er erwarte nun eine offizielle Bestätigung der togoischen Regierung.

Verwirrung um Adebayor

Verwirrung herrschte zudem um Kapitän Emmanuel Adebayor. Dessen englischer Verein Manchester City hatte am Samstag erklärt, der umgerechnet rund 28 Millionen Euro teure Stürmer sei bereits abgereist. Samlan sagte dagegen am Sonntag, Adebayor werde bei dem Turnier spielen. Mittelfeldspieler Assimiou Touré von Bayer 04 Leverkusen kam seinem Verein zufolge offenbar mit dem Schrecken davon. Doch dann bestätigten die Spieler den Entschluss zur Rückreise.

"Wir haben uns entschieden, etwas Gutes zu tun für das Land und zu Ehren derer zu spielen, die gestorben sind. Leider haben sich der Staatschef und die Regierung anders entschieden", sagte Kapitän Emmanuel Adebayor bei Radio RMC. "Die Maschine des Staatspräsidenten holt uns ab. In Togo werden wir alle bei der Beisetzung der Toten dabei sein", erklärte Assimiou Touré der Bild-Zeitung.

Der Angriff ereignete sich fünf Monate vor der Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Der Zwischenfall werde aber keine Auswirkungen auf das Turnier haben, sagte der Chef des Organisationskomitees, Danny Jordaan. Die Weltmeisterschaft beginnt am 11. Juni in Johannesburg.

Anreise mit dem Bus

Wegen des Angriffs geriet Togos Nationalmannschaft am Wochenende selbst in die Kritik. Das Team hätte nicht mit dem Bus durch Cabinda reisen dürfen, sagte Virgilio Santos vom angolanischen Organisationskomitee Cocan der Sportzeitung A Bola. Er wisse nicht, warum die Mannschaft trotz Warnungen auf diesem Weg nach Angola gekommen sei.

Zu dem Anschlag bekannte sich die "Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda (FLEC)". In der Öl-reichen Exklave zwischen der Demokratischen Republik Kongo und der Republik Kongo kämpfen Rebellen auch nach dem Ende des Bürgerkriegs in Angola 2002 um Unabhängigkeit. Im Dezember hatte der angolanische Minister Antonio Bento Bembe, der selbst Mitglied der FLEC gewesen ist, die Gruppe als nicht länger existent bezeichnet. In Cabinda sollen sieben Spiele des Afrika-Cups ausgetragen werden.

© sueddeutsche.de/Reuters/aho/cmat
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