Afghanistan-Trainer Slaven Skeledzic "Ich werde maximal geschützt und abgeschirmt"

Slaven Skeledzic - als er noch Jugendtrainer in Frankfurt war

(Foto: imago/Zink)

Sein Vorgänger wurde niedergestochen, jetzt trainiert der Deutsche Slaven Skeledzic Afghanistans Fußball-Nationalmannschaft. Im Interview erklärt der ehemalige Jugendtrainer, was ihn an der Aufgabe reizt und warum er keine Angst hat.

Von Florence Niemann

Bis vor kurzem war Slaven Skeledzic noch Nachwuchskoordinator und U19-Trainer des FSV Frankfurt, nun trainiert er eine Nationalmannschaft. Der afghanische Fußballverband warb den 43-Jährigen ab. Auch wenn die Fifa-Rangliste Afghanistan nur auf Platz 144 führt: In dem Land herrscht Fußball-Aufbruchsstimmung.

SZ.de: Ihr Vorgänger Yousuf Kagar wurde im Januar in Kabul niedergestochen, als er auf dem Heimweg von einer Hochzeit war. Er erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Hat Sie das in Ihrer Entscheidung beeinträchtigt?

Slaven Skeledzic: Nein. Ich kenne auch bis heute nicht die Hintergründe dieser Tat. Sie müssen ja nicht zwangsläufig in Verbindung mit dem Job des Nationaltrainers sein. Ich war selbst drei Tage in Kabul und habe mich sehr wohl und sicher gefühlt. Die Menschen waren sehr gastfreundlich, warmherzig und haben sich sehr respektvoll verhalten. Dennoch werde ich maximal geschützt und abgeschirmt.

Im dem Land herrscht Fußball-Aufbruchsstimmung.

Der afghanische Fußball-Verband hat über Jahre hinweg meinen Werdegang verfolgt, ihnen gefällt meine Spielphilosophie: Ich versuche, immer Powerfußball spielen zu lassen. Die Erfolgsquote meiner Mannschaften hat die Entscheidungsträger inspiriert. Viele Fußballer, die ich ausgebildet habe, sind jetzt in der Bundesliga unter Vertrag. Das sind zum Beispiel Sebastian Jung vom VfL Wolfsburg und Jan Kirchhoff von Schalke. Daraufhin hat der Verband gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die afghanische Nationalmannschaft zu trainieren.

Haben Sie gezögert?

Nein. Es war immer mein Ziel, eines Tages vom Jugend- in den Profi-Bereich zu wechseln. Ich freue mich auf die Herausforderung, endlich mehr Verantwortung zu übernehmen. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass sich mir so schnell eine Möglichkeit bietet. Und jetzt ist es eine Nationalmannschaft in einem Land mit 35 Millionen Einwohnern statt eines Bundesliga-Teams.

Wie wichtig ist der Fußball in Afghanistan?

Die Mannschaft ist 2013 Südasien-Meister geworden. Als sie nach Kabul zurückkam, jubelten ihr sechs Millionen Menschen zu. Die Bevölkerung liebt Fußball und ist sehr emotional. Es gibt Spiele vor 40 000 Zuschauern im Stadion. Gewinnt die Nationalelf, ist es wie eine Art Volksfeiertag. Ich hoffe, dass wir mit unserem Team den Menschen guten Fußball bieten können um sie damit ein Stück weit glücklich zu machen.

Gibt es einen Spieler, der hervorsticht?

Wir haben nicht die Stars wie Deutschland. Die afghanischen Spieler sind weltweit in den Ligen verteilt, deswegen muss ich mir jetzt erst mal einen Überblick verschaffen. Um die Spieler zu beobachten, werde ich ab und an in den Flieger steigen. Wir versuchen eine Mannschaft zu formen, die erfolgreich sein kann. Und dazu gehört es, jeden afghanischen Spieler mit Qualität zu finden und in unserer Team zu integrieren.

Wie sind die Trainingsbedingungen in Kabul?

Es gibt ein modernes Trainingszentrum für die Nationalmannschaft. Es liegt versteckt hinter Mauern, ähnelt aber Trainingszentren von großen englischen Klubs. Es gibt ein großes und ein kleines Stadion, Funktionsräume der medizinischen Abteilung, eine Futsal-Halle, VIP-Räume. Alles sehr beeindruckend. Ich komme also genau zur richtigen Zeit.

Dann geht es nun sicherlich so schnell wie möglich mit dem Training los.

Ich reise Anfang März nach Kabul, um einen Teil des bestehenden Teams kennenzulernen. Ende März reisen wir dann ins Trainingslager nach Dubai, wo ein Testspiel gegen Kirgisistan ansteht. Wenn man eine Nationalmannschaft zusammen hat, ist kaum Zeit vorhanden. Die wenige Zeit müssen wir nutzen, um uns einzuspielen. Im Juni steht das erste WM-Qualifikationsspiel an.