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Affäre um WM 2006:Mehr als nur ein Fehler

Franz Beckenbauer

Franz Beckenbauer: Korruption klingt in seiner Version recht harmlos

(Foto: Peter Endig/dpa)

Franz Beckenbauer gesteht im Zuge der WM-Vergabe 2006 "Fehler" ein - das ist eine arge Verniedlichung. Korrekt wäre: Beihilfe zur Korruption der Fifa.

Kommentar von Hans Leyendecker

Das Wort "Fehler" hatte ganz früher die Bedeutung "Fehlschuss". Später wurde das Wort meist im Zusammenhang mit Schreib- und Rechenfehlern verwendet. Man sprach auch gern von einem Versehen. Franz Beckenbauer hat jetzt in einer Erklärung eingeräumt, einen "Fehler" begangen zu haben, für den er die "Verantwortung" übernehme.

Der Begriff "Fehler" ist in diesem Zusammenhang eine arge Verniedlichung. Oder meinte er gar "Versehen"?

Kurz und knapp stellt sich der Sachverhalt laut Beckenbauer so dar: Um frühzeitig an einen ansehnlichen Finanzzuschuss des Fußball-Weltverbandes Fifa zu gelangen - der dem Organisationskomitee (OK) für die WM 2006 ohnehin zugestanden hätte -, wurden im Jahr 2002 auf krummen Wegen 6,7 Millionen Euro an die Fifa gezahlt. Das Geld floss dann auf ebenso krummen Wegen wieder zurück.

Einer korrupten Organisation wurden Millionen zur Verfügung gestellt, mit denen Dunkelmänner nach Belieben hantieren konnten. Zur Tarnung dieser Transaktion mussten Bilanzen gefälscht, Aufsichtsgremien belogen werden, und vermutlich wurde auch der deutsche Fiskus betrogen.

Das war kein Fehler, das war eine Art Beihilfe zur systemischen Korruption der Fifa. Es musste jemand geschmiert werden, damit ein Geschäft zügig abgewickelt werden konnte. Im Reich der Fifa gab es keinen Fußbreit Boden, den man sorglos betreten konnten. Das wussten die Beteiligten und sie machten dennoch mit.

In seiner Erklärung hat Beckenbauer darauf hingewiesen, mit dem Geld seien keine Stimmen gekauft worden, um den Zuschlag für die WM 2006 zu bekommen. Macht das den Vorgang weniger skandalös?

Niersbach wird wohl sein Amt verlieren

Man könnte ja eine Skala der größten Verwerflichkeiten in diesem Metier aufstellen. Was ist schlimmer: Wenn ein Fußballspiel gekauft wird? Wenn der Schiedsrichter bestochen wird? Oder wenn man Corruptis ihre schwarze Kasse füllt?

Es gibt viele Definitionen des Begriffs Korruption. Gemeint ist damit unter anderem der Missbrauch eines öffentlichen Amtes zu privaten Zwecken. Der Corrupti nimmt den Eintritt eines Schadens oder Nachteils für die Allgemeinheit wegen des eigenen Vorteils in Kauf.

Den Vorteil hatten damals das OK und deren Präsident Beckenbauer. Man darf gespannt sein, was Beckenbauer meint, wenn er jetzt erklärt, er übernehme die Verantwortung. Die kann sich nicht in der kargen Erklärung vom Montag oder der Aussage Beckenbauers vor Anwälten einer Wirtschaftskanzlei zum Sachverhalt erschöpfen.

Wahrscheinlich wird im Zuge dieser Affäre DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sein Amt verlieren. Er war eigentlich eine Randfigur der Geld-Geschichte, nicht wirklich zuständig und hatte auch in solchen Angelegenheiten keinen Durchblick. Dennoch wird er schon wegen erwiesener Unfähigkeit, Krisen zu bewältigen, gehen müssen. Und der Privatmann Beckenbauer? Generäle sagen nach verlorenen Schlachten gern, die Geschichte werde sie richten. So lange müsse sich die Welt mit ihrem Urteil gedulden. So lange sollte sich, offen gestanden, im Fall Beckenbauer, die Öffentlichkeit nicht gedulden müssen.

Er muss bald öffentlich darlegen, was damals war. Schlechter als der Auftritt von Niersbach würde sein Auftritt sicherlich nicht sein.

© SZ.de/dayk, ska
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