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Affäre um ein Sexvideo:Benzema und sein Gangster-Freund

Karim Benzema

Karim Benzema, hier bei der WM 2014. Ob er je wieder für Frankreich spielt?

(Foto: dpa)

Der Kontakt zu einem Jugendfreund kann dem französischen Nationalspieler Karim Benzema zum Verhängnis werden. Es geht um Erpressung - und einen für den Kicker lächerlichen Geldbetrag.

Kommentar von Claudio Catuogno

Wo einer herkommt, ist nicht ganz unwichtig, um zu verstehen, was einer wird. Kevin-Prince Boateng, der (anders als sein Halbbruder Jérôme) in einer nicht ganz so feinen Ecke Berlins aufgewachsen ist, Schwedenstraße, Ecke Koloniestraße, hat das mal so auf den Punkt gebracht: "Ich komme aus dem Wedding. Da wird man Drogendealer, Gangster oder Fußballer." Boateng wurde Fußballer. Aber nicht jeder von den alten Kumpels, mit denen Boateng sich einst immer nachmittags in einem Käfig, den sie "Panke" nannten, zum Kicken traf, ist ebenfalls Fußballer geworden.

Karim Benzema kommt aus Bron-Terraillon, einer eher rauen Gegend vor den Toren Lyons. Klassische Banlieue, leicht wird es einem hier nicht gemacht. Benzema wurde mit 17 Fußballprofi, mit 19 Nationalspieler, mit 21 wechselte er für 35 Millionen Euro Ablöse von Olympique Lyon zu Real Madrid. Es ist ein weiter Weg von Bron-Terraillon bis zu den Königlichen - aber das ist ja noch kein Grund, seine Herkunft zu verleugnen. Irgendwo verwurzelt zu sein, ist keine Schande. Und sich seiner alten Freunde zu erinnern, die einen schon kannten, als man noch keinen Sportwagen in der Garage der Villa stehen hatte, kann einen ja auch erden. Wenn es gut läuft.

Karim Benzema, 27, und Karim Zenati, 32, sind solche Jugendfreunde. Gleicher Vorname, vergleichbare Kindheit. Der Kontakt ist nie abgerissen. Zenati hat sich im vergangenen Jahr bei der WM in Brasilien sogar im Provinznest Ribeirão Preto ein Zimmer in der Nähe des französischen Teamquartiers genommen; man weiß das, weil er dort mal einem französischen Journalisten eins auf die Nase gab, dessen Benzema-Berichterstattung ihm nicht gepasst hat. Benzema wiederum hat Zenati im Knast besucht, nachdem der mit 210 Kilo Cannabis im Kofferraum erwischt worden war. Jugendfreunde.

Der eine Drogendealer, der andere Profifußballer, 27 Tore in 81 Länderspielen, der erfolgreichste Stürmer der Équipe Tricolore. Wie lange geht so was gut?

Was wusste Frankreichs Stürmer von der Erpressung?

Karim Zenati sitzt jetzt wieder in Haft. Er soll Benzemas Nationalelf-Kollegen Mathieu Valbuena von Olympique Lyon mit einem Sexvideo erpresst haben. Irgendwie muss das Filmchen, das Valbuena mit Freundin zeigen soll, von dessen altem Handy bei Zenati gelandet sein, der wiederum soll 150 000 Euro dafür gefordert haben, dass es dort auch bleibt. Und nun hat wegen dieser Erpressung auch Benzema eine Nacht in Untersuchungshaft verbracht. Die Staatsanwaltschaft von Versailles ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der "Komplizenschaft".

Zugegeben hat Benzema bereits, dass er von dem Video wusste. Und dass er Valbuena Anfang Oktober darauf angesprochen hat. Die Frage, an der sich nun seine Karriere entscheiden dürfte: Was genau hat Benzema da zu Valbuena gesagt? Dass dieser nicht auf den Erpressungsversuch eingehen solle, wie es Benzemas Anwalt behauptet?

Valbuena hat das Gespräch offenbar anders verstanden. Und in einem von den Behörden abgehörten Telefonat soll Benzema zu einem der mutmaßlichen Erpresser gesagt haben: "Keine Sorge, er hat keine Wahl. Ich werde ihm klarmachen, dass er zahlen muss." Das zu erklären, fällt nun auch dem Anwalt schwer, er sagt: Benzema sei selbst unter Druck gesetzt worden.

Es geht um einen Wochenlohn

Wenn kommenden Freitag die deutsche Nationalmannschaft in Paris gegen Frankreich zum Freundschaftsspiel antritt, wird Benzema nicht dabei sein - und doch das große Thema. Die Banlieue-Geschichte über das, was man so Freunde nennt, überlagert gerade alles. Und das Absurdeste ist: 150 000 Euro verdient Karim Benzema in der Woche.

© SZ vom 07.11.2015/hum
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