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Affäre in Freiburger Sportmedizin:Doktorandin nicht erwähnt

Offenbar suchten die Experten hier doping-relevante Ansätze. Anfang der Achtziger blühte die Anabolika-Ära weltweit, und der langjährige Doyen der Freiburger Sportmedizin - der im Jahr 2000 verstorbene Vorgänger Joseph Keul - galt als stiller Befürworter der Einnahme von Anabolika und Epo. Die damalige Doktorandin hingegen hatte keine Ahnung von Doping oder den heutigen Schlussfolgerungen. Zumal ja Forschungen wie ihre für sich genommen meist völlig unverfänglich sind; Rückschlüsse auf mögliche Dopingforschung rechtfertigen sie allenfalls als Mosaikstein in einem großangelegten Schema.

Die aus Polen stammende Ärztin erinnert sich mit überwiegend guten Gefühlen an den damaligen Doktorvater Dickhuth. Er habe sie "sehr gut betreut, das Thema der Doktorarbeit kam zum 100 Prozent von ihm", sagt sie, weshalb sie es unbedingt als "Zusammenarbeit" betrachte. Sie habe die wissenschaftlichen Untersuchungen durchgeführt, eigene Ideen eingebracht und die Arbeit geschrieben, "mit ihm besprochen und immer wieder gemeinsam ergänzt".

Über die Freude an der erfolgreichen Disseration legte sich jedoch ein kleiner Schatten: Ihr Namen wurde in den folgenden Publikationen nicht erwähnt. Die Pathologin sagt, sie sei "traurig gewesen, dass ich nicht erwähnt wurde in seiner Publikation ober bei seiner Antrittsvorlesung als Privatdozent". Sie sei damals aber zu schüchtern gewesen und wollte "als junges Mädchen aus Polen, das froh war, in Deutschland studieren zu dürfen, keine Ansprüche stellen". Sie sei "auch menschlich gut behandelt worden". Dickhuth habe sich nun gemeldet und von einem Versäumnis gesprochen, sie sagt: "Ich bin nicht nachtragend."

Das ist eine Sichtweise. Mit den anderen wird sich nun die Prüfkommission der Uni befassen. Pikant ist ja, dass auch noch die Sportlerherz-Dissertation einer weiteren Doktorandin vorliegt, die erhebliche Übereinstimmungen aufweist. Mit den Worten von Uni-Sprecher Dreier: "Es gibt zwischen diesen drei Arbeiten verschiedene Ähnlichkeiten in unterschiedlicher Länge." Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung; wer sich womöglich bei wem bedient haben mag, müssen nun die Fachleute herausfiltern. Zum Beispiel, indem sie "die Entstehungsgeschichte rekonstruieren", sagt Letizia Paoli.

Problematisch bleibt für sie "auf jeden Fall, dass die Doktorandin in der Habilitation gar nicht zitiert worden ist". Druck lastete auf Dickhuth schon bei der Aufarbeitung der Dopingaffäre um den Telekom-Rennstall. Damals empörte sich der Heidelberger Zellforscher Werner Franke: "Im Hochschulforschungsbereich liegt die volle Verantwortung bei der Leitung."

© SZ vom 4.3.2011/jbe

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