Süddeutsche Zeitung

Ärger um Vertragsverlängerung von Jan Pommer:Es donnert hinter den Kulissen

Die überraschende Vertragsverlängerung von Geschäftsführer Pommer sorgt für Ärger und wirft die Frage in der Basketball-Bundesliga auf: Wie eng arbeiten die Gremien der BBL noch mit den Klubs? Manch einer wirft der Ligaspitze undemokratisches Handeln vor.

Das letzte März-Wochenende ist bei der Basketball-Bundesliga (BBL) als Leistungsschau vorgesehen, bei der Pokalendrunde in Ulm kämpfen neben dem Gastgeber der Meister Bamberg, Tabellenführer FC Bayern München und Pokalverteidiger Berlin um die erste Trophäe der Saison. Favoriten sind da unter sich, die Halle ist ausverkauft, das Fernsehen überträgt. Ein Termin, bei dem die Chefs der BBL strahlend repräsentieren könnten.

Doch daraus wird eher nichts werden. Das Präsidium um Thomas Braumann sowie Geschäftsführer Jan Pommer stehen massiv in der Kritik. Die Vorwürfe haben es in sich: Alleingänge, Unwahrheiten und Klüngelei bei der soeben kommunizierten vorzeitigen Vertragsverlängerung mit Pommer bis 2018, bei der rechtliche Vorgaben ignoriert worden seien; generell eine Intransparenz des Ligaverbandes gegenüber den 18 Klubs, deren Interessenvertretung die BBL sein müsste. Oder auch: ein unkoordiniertes Vorgehen bei den anstehenden Verhandlungen für einen neuen TV-Vertrag. Es donnert hinter den Kulissen.

Eine Pressemeldung vom 10. März löste die offen ausgebrochenen Dissonanzen aus. Da verkündete die BBL, die Gesellschafterversammlung der Liga habe "in Abstimmung mit dem Präsidium der Arbeitsgemeinschaft Basketball Bundesliga einstimmig beschlossen", Pommers noch eineinhalb Jahre gültigen Vertrag zu verlängern. Die Klubs wussten nichts. Sie erfuhren das zeitgleich mit den Medien. Vor allem: Den notwendigen Beschluss für die Verlängerung gab es offenbar nie. Herrschen bei der BBL undemokratische Zustände? Ein schwerer Vorwurf.

Ulms Manager Stoll: "Für mich ist die Vertragsverlängerung nichtig"

Dass die Regularien nicht eingehalten wurden, scheint unstrittig zu sein: Von den zwei Gesellschaftern hat einer nicht zugestimmt: der Deutsche Basketball-Bund (DBB), zu 26 Prozent an der BBL beteiligt. Einen Beschluss zu der wichtigen Personalentscheidung Pommer gebe es in der Tat nicht, dies hat der DBB nach SZ-Informationen auf Anfragen bestätigt. Den 18 Klubs gehören die weiteren 74 Prozent, die - so die komplizierte Struktur - von einem Präsidium vertreten werden, dem der Unternehmensberater Braumann vorsitzt. Der Eindruck ist: Es handelte sich um einen Alleingang Braumanns.

Der Unmut bei den Klubs ist groß. Öffentlich äußern wollen sich dazu wenige. Einer, der seine Meinung vertritt, ist Ulms Geschäftsführer Thomas Stoll: "Für mich ist die Vertragsverlängerung des Geschäftsführers nichtig. Ein formal gültiger Beschluss beider Gesellschafter hat nicht stattgefunden." Wolfgang Heyder, sein Kollege von den Brose Baskets Bamberg, erwartet, "dass dringend die Zustimmung des DBB eingeholt wird". Und: "Wenn es Regeln gibt, muss man sie einhalten."

Braumann ist seit 2006 im Präsidium. Er kennt Pommer gut. Die Vertragsverlängerung hält er für gültig, zu den Vorwürfen sagt er: "Das Präsidium und die Gesellschafter waren eingebunden und hatten keine Probleme damit." Eine Dokument, das diesen Beschluss bestätigt, könne er nicht vorweisen, räumt Braumann aber nun ein. Dieser Beleg soll nachgereicht werden, was zulässig sei. Das anzufertigende Dokument soll "in Form eines Nachprotokolls bestehen".

Braumann widerspricht auch dem Umstand, dass der DBB nicht zugestimmt habe. "Ich habe mit einem Gesellschaftervertreter des DBB gesprochen, er hat zugestimmt", sagt der BBL-Präsident. Um wen es sich handelte, will er indes nicht verraten. Insgesamt bedauert Braumann einzig einen "Kommunikationsfehler", nämlich dass die Klubs nicht informiert worden seien, ehe die Pressemitteilung erschien. Und warum schon jetzt der Vertrag verlängert wurde? "Warum nicht? So etwas passiert doch jeden Tag." Als Alleingänger sieht er sich keinesfalls.

Die Rivalen München und Bamberg verbünden sich gegen die BBL

Der Jurist Pommer wiederum sagt, er habe nur seinen Vertrag mit Braumann ausgehandelt und schon unterzeichnet, zu Beschlussvorgängen könne er "nichts Erhellendes" beisteuern, er sei in diesem Fall nur "das Objekt". Er versichert zugleich, dass er "allergrößten Respekt" vor den Klubs habe und versprach bezüglich der Sitzung der BBL-AG nächste Woche in Ulm: "Wir müssen alles intensiv ansprechen."

Wenigstens damit ist der BBL-Geschäftsführer einer Ansicht mit manchem Kritiker. "Einiges muss ernsthaft besprochen werden", betont etwa FCB-Geschäftsführer Marko Pesic, der "sehr überrascht" von Pommers Vertragsverlängerung gewesen war. Für Braumann sowie die Präsidiumsmitglieder Robert Wintermantel (Tübingen), Marco Baldi (Berlin) und Alexander Reil (Ludwigsburg) dürften dann unangenehme Fragen warten.

Dass das undurchsichtige Prozedere um die Personalie Pommer einen solchen Diskurs auslöst, ist in einem größeren Kontext zu sehen. "Es gibt so viel, was auf den Weg gebracht werden muss", sagt Stoll, "dazu gehört zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht die Vertragsverlängerung des Geschäftsführers." In der Tat erscheint das von Pommer genannte Ziel, "2020 die beste nationale Liga in Europa" zu werden, derzeit schwer erreichbar zu sein: Die Liga hat sich entwickelt, die Zuschauerzahlen steigen, das wird anerkannt.

Der neue Fernsehvertrag steht in den Sternen

Doch der neue Fernsehvertrag, der jetzt auszuhandeln ist, steht in den Sternen und ist ein weiteres Reizthema der Klubs; bei diesem Punkt haben sich intern sogar die sportlichen Rivalen Bamberg und Bayern gegen die ihrer Meinung nach unprofessionell agierende BBL-Spitze Braumann/Pommer verbündet. Sie fordern eine inhaltliche Einbindung der Klubs. Der nun endende Vertrag mit Sport1, dessen Präsentation des Produkts kritisiert wird, wurde fast zum Nulltarif abgeschlossen. Ein Desaster, sagt ein Klub-Manager zu Zahlen und Modalitäten.

Die Gemengelage an Problemen führt soweit, dass Macher wie Stoll anregen, die Struktur der BBL zu hinterfragen. "Herr Braumann macht das ehrenamtlich, es fragt sich, ob diese Position nicht hauptberuflich sein sollte", sagt er. Zudem sei Braumann im Lizenz-Ligaausschuss, was Stoll Magenschmerzen bereitet, Stichwort Gewaltenteilung. Ein Einsichtsrecht in Unterlagen gebe es für die Klubs zudem nicht. "Es geht nicht um die Personalie Pommer" sagt Heyder, "aber ich erwarte, dass Vereine endlich mitgenommen werden. Es passiert zu viel im stillen Kämmerlein."

Auch Pommer wird in Ulm sein, für den Freitag sind vier Stunden Sitzung angesetzt, für Samstag acht. Fraglich nur, dass er sein Statement vom 10. März dann wiederholt: "Ich betrachte diesen Vertrauensbeweis als Ansporn und Verpflichtung zugleich."

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1919355
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 22.03.2014/schma
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.