bedeckt München 30°

Ältere Spieler in der Bundesliga:Fixsterne für die wilden Wusler

Die Bundesliga berauscht sich an ihrem Jugendwahn - je wilder desto besser, so die verbreitete Meinung. Doch so mancher Trainer erkennt nun den Wert eines älteren Kickers auf dem Feld, wie die Fälle von David Jarolim in Hamburg und Sebastian Kehl in Dortmund beweisen.

Carsten Eberts, Hamburg

Beim Pokalspiel in Kiel hatte die Dortmunder Startelf ein Durchschnittsalter von 23,9 Jahre. Ja, wirklich: So jung waren die. Das lag freilich daran, dass Torhüter Roman Weidenfeller, 31, diesmal eine Pause bekam und der acht Jahre jüngere Mitchell Langerak spielen durfte. Trotzdem so alt? Das lag wiederum an Sebastian Kehl, dem Kapitän, an diesem Tag mit Abstand ältester Feldspieler der Dortmunder. Am Montag hat Kehl Geburtstag. Er wird 32 Jahre alt.

Hamburger SV - Bayern München

Stark gegen die Bayern: David Jarolim (re.), im Mai wird er 33.

(Foto: dpa)

Landesweit gilt als anerkannt, dass Erfolg hat, wer auf junge Spieler setzt. Je wuseliger, je überfallartiger die Offensivaktionen, desto besser. Je unerschrockener die Spieler, desto unberechenbarer. Als beste Beispiele gelten der furiose Jugendfußball der beiden Borussias aus Mönchengladbach (mit den Protagonisten Reus, Herrmann) und Dortmund (Götze, Kagawa, Bender), der auch Mainz im vergangenen Jahr (Holtby, Allagui, Schürrle) so stark machte.

Manche Trainer kommen ohne ihre älteren Spieler trotzdem nicht aus. Wie im Fall von Sebastian Kehl in Dortmund. "Alles, was um ihn herum passiert, tut ihm gut. Und er tut uns gut", sagte sein Trainer Jürgen Klopp kürzlich. Klopp nennt Kehl seinen "absoluten Leader" - als Oldie zwischen all den Jungspunden. Kehl ist der Fixstern im Mittelfeld, um den die jungen Planeten wild kreisen. Manche Leute sagen sogar, sie hätten Kehl nie besser spielen sehen. In Kürze steht für ihn wohl eine Vertragsverlängerung an.

Jarolims kurioser Fall

Früher wurden in erfolgreiche Teams nur punktuell jüngere Profis eingebaut. Neben den Älteren sollten die Jungen lernen, sich langsam an das Niveau herantasten. Auf die Mischung komme es an, hieß es da. Heute besteht eine erfolgreiche Mannschaft aus vielen jungen, dauerrennenden Profis - in die vereinzelt ältere Semester integriert werden. Ob nun Kehl in Dortmund. Oder der Spanier Raúl auf Schalke.

Auch beim Hamburger SV gibt es einen betagten Mann: David Jarolim, 32, früherer tschechischer Nationalspieler. Sein Fall ist reichlich kurios: Im vergangenen Herbst, als der HSV unter dem damaligen Trainer Michael Oenning die erfolgreichen Jugendprogramme zu imitieren versuchte, wurde der Tscheche zunächst zum Ersatzspieler degradiert - und schließlich ausgemustert.

Sportdirektor Frank Arnesen teilte Jarolim im November mit, dass er gehen könne. Weil Jarolims Spielstil, mit den vortrefflichen Merkmalen Grätschen, Kämpfen und Gelbe-Karten-Sammeln (mehr als 70 in acht Jahren), nicht mehr zeitgemäß wirkte. Die Hinrunden-Vorzeigeteams aus München, Gladbach und Dortmund (Kehl fehlte damals verletzt) kamen schließlich auch ohne solche ausgemachten Kampfspieler aus.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite