Süddeutsche Zeitung

Deutsche U21-Nationalmannschaft:Drei Tore gegen die Adeyemi-Debatte

Der BVB-Stürmer bleibt auf eigenen Wunsch vom Junioren-Nationalteam fern. Dann liegt Deutschland gegen Polen plötzlich zurück - doch ein 3:1 in der EM-Qualifikation zeigt letztlich, dass in der Elf auch andere Qualitäten schlummern.

Von Ulrich Hartmann

Bis zur 56. Minute am Dienstagabend im Stadion an der Hafenstraße in Essen war die Aufregung über den absenten Dortmunder Flügelstürmer Karim Adeyemi noch nicht endgültig abgehakt. Bis zur 56. Minute nämlich lag die deutsche U21-Mannschaft gegen Polen 0:1 zurück. Und drohte mit der ersten Niederlage in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2025 in der Slowakei einen fiesen Kratzer im Kampf um den entscheidenden ersten Gruppenplatz zu erleiden.

Dann wäre die Debatte um Adeyemis eigenmächtigen Verzicht auf die Teilnahme an den aktuellen U21-Spielen womöglich eskaliert. Doch binnen 26 Minuten drehte das deutsche Nachwuchsteam den 0:1-Rückstand in einen 3:1-Sieg um und ersparte Adeyemi, der U21 und ihrem Trainer Antonio Di Salvo eine elende Verlängerung. Und zwar in der Frage, ob ein Spieler auch von sich aus, mit Begründung, ausnahmsweise mal eine Nominierung zurückweisen darf.

Adeyemi wollte sich in diesen Tagen bei Borussia Dortmund lieber auf seinen Kampf um einen Stammplatz fokussieren. Und glücklicherweise ist die U21 im Mittelfeld und in der Offensive derzeit so stark besetzt, dass sie die Aufgabe gegen den stärksten Gruppengegner trotz anfänglicher Schwierigkeiten auch ohne ihn bewältigen konnte.

Der Kölner Eric Martel (56.), der Bremer Nick Woltemade (79.) und der Freiburger Merlin Röhl (82.) drehten mit ihrem jeweils ersten U21-Tor den 0:1-Rückstand aus der 24. Minute und ließen einen lange angezweifelten Sieg am Ende sogar relativ deutlich aussehen. Es war im vierten EM-Qualifikationsspiel der vierte Sieg. Obwohl sie ein Spiel weniger haben als die punktgleichen Polen, führen die Deutschen ihre Sechser-Gruppe nun an, bevor im März die nächsten Partien anstehen.

Youssoufa Moukoko wurde nach starken 68 Minuten ohne Torerfolg ausgewechselt

Nach dem Spiel sagte Di Salvo: "Es ist wichtig für die Mannschaft zu sehen, dass man nicht auf einzelne Personen angewiesen ist." Doch der Trainer meinte damit keineswegs Adeyemi, sondern dessen BVB-Kollegen Youssoufa Moukoko, der nach starken 68 Minuten diesmal ausnahmsweise ohne Torerfolg ausgewechselt worden war.

Tags zuvor war Moukoko 19 Jahre alt geworden, und so stießen die Spieler in der Kabine auch auf ihn an. Für seinen Klubkameraden Adeyemi warb Moukoko derweil um Verständnis: "Man muss einfach akzeptieren, dass er nicht gekommen ist, weil er in Dortmund hart arbeiten möchte."

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