Fall Adeyemi beim DFB„Das ist naiv oder dumm“

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Karim Adeyemi saß im Spiel gegen die Slowakei auf der Bank.
Karim Adeyemi saß im Spiel gegen die Slowakei auf der Bank. (Foto: Maximilian Koch/Imago)
  • Nationalspieler Karim Adeyemi erhielt Ende Oktober einen Strafbefehl wegen illegalen Waffenbesitzes und wurde zu 450 000 Euro Geldstrafe verurteilt.
  • Laut seinem Anwalt erwarb Adeyemi Schlagring und Taser unwissend durch eine Mystery Box bei Tiktok, was DFB-Sportdirektor Völler als "naiv und dumm" bezeichnet.
  • Der DFB will "hinter dem Jungen stehen" und ihn nicht verdammen, eine mögliche Verbandsstrafe lässt Völler aber offen.
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Nationalspieler Karim Adeyemi hat Ärger wegen eines Strafbefehls wegen illegalen Waffenbesitzes. DFB-Sportdirektor Rudi Völler will „hinter dem Jungen stehen“, wird in seiner Wortwahl trotzdem deutlich.

Von Sebastian Fischer

Rudi Völler musste seinen Ton innerhalb von ein paar Sekunden ändern. Gerade hatte er noch das Spiel der deutschen Nationalmannschaft in den höchsten Tönen gelobt, von einer „außergewöhnlichen ersten Halbzeit“ geschwärmt, da wurde er im ZDF-Interview nach dem 6:0 gegen die Slowakei mit dem Thema konfrontiert, das in der Fußballsprache gerne Nebenschauplatz genannt wird, weil es sich abseits des Rasens abspielt, den Sport aber natürlich trotzdem beeinflusst: Völler erklärte jetzt den Ablauf im Fall Adeyemi aus Sicht des Deutschen Fußball-Bunds (DFB).

Karim Adeyemi, der Angreifer von Borussia Dortmund, saß gegen die Slowakei 90 Minuten lang auf der Bank, im Visier der TV-Kameras und Fotografen war er trotzdem oft. In der vergangenen Woche war nach einem Bericht der Bild-Zeitung bekannt geworden, dass der Profi Ende Oktober einen Strafbefehl wegen illegalen Waffenbesitzes erhalten hatte und zu einer Geldstrafe von insgesamt 450 000 Euro verurteilt worden war. Das entspricht 60 Tagessätzen zu je 7500 Euro.

Ob den Verband die Sache „kalt erwischt“ habe, wurde Völler am Montagabend in Leipzig gefragt. „Ja“, sagte der Sportdirektor, „wir wussten das natürlich nicht.“ Am vergangenen Sonntag, zwei Tage nach dem 2:0 in Luxemburg (bei dem Adeyemi gelbgesperrt fehlte), habe ihn Lars Ricken angerufen, der Sport-Geschäftsführer des BVB, und von der Sache berichtet. Er, Völler, und Bundestrainer Julian Nagelsmann hätten sich Adeyemi daraufhin „geschnappt. Wir wollten seine Version hören. Er hat versucht, es einigermaßen zu erklären“.

Was Adeyemi dann sagte, wollte Völler nicht wiedergeben, er wand sich ein wenig, bevor er doch recht deutlich wurde. „Das ist naiv oder dumm, irgendwas im Internet zu bestellen, und man weiß nicht hundertprozentig, was drin ist“, sagte er. So lautet offenbar die Erklärung des Fußballers: Laut Bild habe Adeyemis Anwalt den Besitz eines Schlagrings und eines Tasers mit dem Erwerb einer sogenannten Mystery Box bei Tiktok erklärt – also mit einem Überraschungspaket, bei dem der Käufer nicht weiß, was drin ist.

Welche Strafe Adeyemi beim DFB erwarten könnte, lässt Völler offen

Die zuständige Staatsanwaltschaft Hagen bestätigt auf SZ-Anfrage lediglich, dass gegen einen 23-jährigen Profisportler aus Herdecke in Nordrhein-Westfalen ein Strafbefehl wegen des Vorwurfs des Besitzes von verbotenen Gegenständen nach dem Waffengesetz beantragt wurde. Das zuständige Amtsgericht in Wetter habe eine Geldstrafe in Höhe von 450 000 Euro festgesetzt. Der Strafbefehl ist rechtskräftig, die Summe ist auch deshalb so hoch, weil der Tagessatz bei einem Profifußballer deutlich höher ausfällt als bei einem normalen Bürger. Dass es sich dabei um Adeyemi handelt, ist spätestens seit den Aussagen in Leipzig am Dienstag unstrittig. „Er hat wahrscheinlich gehofft, dass es nicht rauskommt“, sagte Völler.

Wie der DFB mit der Sache nun umgeht? „Erst mal wollten wir hinter dem Jungen stehen“, „kritisch“ mit ihm umgehen, „aber wir wollen ihn natürlich auch nicht verdammen“. Völler legte seine Hand auf den Arm des ZDF-Experten Christoph Kramer neben ihm: „In dem Alter haben wir auch viele Fehler gemacht“, wenn auch „natürlich nicht solche“. Man müsse „hin und wieder bestrafen, aber wichtig ist bei solchen Spielern auch: in den Arm nehmen“. Welche Strafe Adeyemi erwarten könnte, ließ er offen: „Ich will gar nicht vorgreifen, das wird noch kommen.“

Bevor im März die nächsten Länderspiele anstehen, müsste sich ohnehin erst mal der BVB mit der Sache beschäftigen. In Dortmund ist Adeyemi nicht zum ersten Mal Boulevardthema. Er ist mit der Rapperin Loredana verheiratet, Inszenierung in den sozialen Medien inklusive. Sportlich haben sich seine Leistungen stabilisiert, wenngleich Adeyemi auch nicht immer die Sterne vom Himmel spielt, drei Tore und drei Vorlagen gelangen ihm in 14 Pflichtspielen. Wenn es nach Völler geht, steht den nächsten Toren jedenfalls nichts im Weg. „Die Dortmunder haben es mit ihm im Griff“, sagte er.

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