Transfers von Jugendfußballern Halb Europa ist hinter ihm her

Der Klub hätte sein größtes Talent gern gehalten, auch Adeyemi wäre gern geblieben. "Wir waren bei Unterhaching wie eine große Familie", schreibt der 16-Jährige. Doch wenn halb Europa hinter einem her ist, dazu mit Geld lockt, ist es schwer zu widerstehen. Für den Verein war es der mit Abstand größte Transfer der Geschichte, auf etwa drei Millionen Euro beläuft sich der Jahresetat der Drittliga-Mannschaft. Die Ablöse konnte der Klub frei verhandeln, weil die Adeyemis zuvor einen Fördervertrag unterschrieben hatten.

Sonst wäre nur eine im Vergleich mickrige Ausbildungsentschädigung fällig gewesen. Über das Gehalt Adeyemis in Salzburg verliert niemand ein Wort. Englische Klubs bezahlen 16-Jährigen bisweilen ein Millionensalär, und wenngleich die Österreicher da bei weitem nicht mitgehen, dürfte sich Adeyemi finanziell verbessert haben.

Die Salzburger betreiben seit einiger Zeit den Kauf und die Entwicklung von Talenten als Geschäftsmodell. Wie Adeyemi beginnen die meisten beim Kooperationsklub in Liefering in der zweiten Liga. Im Nachbarland dürfen 16-Jährige bereits im Männerfußball spielen, in Deutschland ist das selbst mit 17 nur per Sondergenehmigung möglich. Wer sich durchsetzt, steigt in die Erstliga-Mannschaft in Salzburg auf. Von dort aus kann es in die großen Ligen Europas gehen. Sportchef Christoph Freund macht sich keine Illusionen, die Besten dauerhaft in Österreich halten zu können.

Deshalb "ist der Verkauf von Spielern ein wesentlicher Teil unserer Herangehensweise", sagt er. Verweisen kann er auf Sadio Mané und Naby Keita (heute beide Liverpool) oder Dayot Upamecano (Leipzig), die zu Beginn der Laufbahn in Salzburg spielten. Da immer mehr Klubs diese Strategie entdecken, steigen allerdings die Preise stark. "Es ist richtig, dass junge Spieler immer mehr Geld kosten", sagt Freund. Doch etwa bei Adeyemi sei der Klub der Meinung, dass "dessen Leistungen und somit, wenn alles normal verläuft, auch sein Marktwert in den nächsten Jahren steigen werden".

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Für DFB-Trainer Feichtenbeiner birgt der neue Reichtum im Jugendfußball Risiken. "Wenn die Jugendlichen Summen Geboten bekommen, mit denen sie plötzlich mehr verdienen können als ihr Papa, dann hat das auch moralische Konsequenzen", sagt er. Viele Familien könnten damit gut umgehen, einige seien aber überfordert. Es besteht die Gefahr, dass die jungen Spieler den Boden unter den Füßen verlieren.

In Unterhaching verhärtet sich bei dem Thema die Miene von Manfred Schwabl: So etwas würde er nicht zulassen. Die Eltern Adeyemi arbeiten im Verein, der Kontakt sei sehr eng. "Karim repräsentiert uns weiterhin", mahnt der Präsident und erklärt die Regeln: "Da gibt's kein Gucci-Tascherl oder eine farbige Frisur oder demnächst ein teures Auto", erklärt er.

In Liefering stellt der Klub ihm eine Wohnung, die Eltern wechseln sich mit der Betreuung ab. Karim Adeyemi erzielte in den ersten sieben Spielen ein Tor. An sein neues Leben muss er sich gewöhnen. "Die ersten Wochen waren für mich sehr schwer", gesteht er. Das neue Umfeld, die hohe Intensität im Training. Es gebe Phasen, in denen die Kombination aus Profifußball und Schule "richtig anstrengend" sei. Da tut es gut, zwischendurch nach Hause zu fahren zu den alten Kumpels. Nach Unterhaching dauert die Fahrt nur eineinhalb Stunden.

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