Transfers von Jugendfußballern Wie ein Talent aus Unterhaching zum Millionengeschäft wurde

Karim Adeyemi im Trikot der Nationalmannschaft.

(Foto: imago/Pressefoto Baumann)

Karim Adeyemi gilt seit seinem Wechsel nach Salzburg als teuerster Teenager Deutschlands. Seine Geschichte erzählt viel darüber, wohin sich der Jugendfußball entwickelt hat.

Von Thomas Hummel

In Unterhaching wundern sie sich manchmal. Hat Karim Adeyemi, 16, ihre Spielvereinigung nicht verlassen? Warum steht er schon wieder auf dem Klubgelände? "Ich bin oft zu Hause und schaue mir regelmäßig Spiele an", teilt Adeyemi mit. Er braucht das noch, die Verbindung zur alten Heimat im Münchner Vorort. Dabei hat er gerade den ersten Schritt gemacht hinaus in die große Fußballwelt.

Mit 16 Jahren ist Adeyemi daheim ausgezogen, er wohnt und spielt jetzt in Österreich. In der Branche heißt es, der FC Red Bull Salzburg zahlte für ihn eine Ablösesumme von drei Millionen Euro plus Zuschläge, die Klubs dementieren das nicht. Wenn die Summe stimmt, wäre er der bislang teuerste deutsche Jugendfußballer.

Die Ereignisse rund um Adeyemi erzählen einiges darüber, wie viel Geld im Jugendfußball bewegt wird. Wie intensiv europäische Topklubs die Talente jagen - in der Hoffnung, den Star von morgen zu finden, und mit der Aussicht auf Rendite. Zudem ist es die Geschichte von einem Jungen, der in einem eher familiär geführten Klub lernen musste, wie ein zielführender Lebensweg aussieht. Falls der in München geborene Sohn eines nigerianischen Vaters und einer rumänischen Mutter irgendwann das deutsche Stürmerproblem lösen sollte, dann könnte der Deutsche Fußball-Bund auch einen Dankesbrief an Manfred Schwabl schicken.

Schwabl, der frühere Profi und seit 2012 nunmehr Präsident der SpVgg Unterhaching, hat in dem Jungen früh etwas erkannt, was andere nicht sahen. Erstens, dass Adeyemi ein toller Kicker ist. Und zweitens kein schlechter Kerl. Bis zum Alter von zehn Jahren spielte er beim FC Bayern, wegen einer Disziplinlosigkeit kam es zum Streit. Er musste gehen und wechselte nach Unterhaching, wo sich Schwabl an einen "Hallodri" erinnert.

"Die Maßnahmen haben beim Karim voll eingeschlagen", sagt Mentor Manfred Schwabl

Das soziale Miteinander sei schwierig gewesen, Schule habe ihn kaum interessiert. "Deshalb hab ich mich dem Karim ein bisserl angenommen", berichtet er. Er habe ihm erklärt, dass ohne Einsatz im Unterricht für ihn kein Platz bei der SpVgg sei. Schwabl rief den Schuldirektor an, es folgten Sitzungen mit Lehrern. Die Abmachung: Macht Karim keine Hausaufgaben oder lernt nicht, darf er nicht trainieren. Schwabl ordnete sogar Spielverbote an, obwohl sein Jugendtrainer nicht begeistert war, ohne seinen Besten antreten zu müssen.

"Die Maßnahmen haben beim Karim voll eingeschlagen", sagt Schwabl. Noten und soziale Bewertungen verbesserten sich. In Unterhaching berichten sie stolz, dass Salzburg nicht nur einen guten Fußballer, sondern auch eine stabile Persönlichkeit angeworben habe. Auf Vermittlung des Salzburger Klubs beantwortet Adeyemi der SZ schriftlich einige Fragen. Er erklärt, dass er einen Realschulabschluss anstrebt und dann auf eine weiterführende Fachschule wechseln wolle.

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Ob er das noch im Terminkalender unterbringt, ist eine andere Frage. Seine Karriere als Fußballer hat Fahrt aufgenommen. Die ersten Einsätze in der Junioren-Nationalelf hinterließen Eindruck. U17-DFB-Trainer Michael Feichtenbeiner sagt, Adeyemi müsse noch viel lernen. Aber: "Er hat eine außergewöhnliche Schnelligkeit und Dynamik, richtig Speed und Zug zum Tor. Er ist mutig und sucht das Eins-gegen-Eins." Feichtenbeiner lobt Adeyemis Torabschluss und seine Sprungkraft. Qualitäten, die selten zu finden sind.

Im vergangenen Winter klingelte in Unterhaching erstmals wegen Adeyemi das Telefon, am Apparat der FC Chelsea. Schwabl flog mit dem Jungen nach London, um sich alles anzusehen. Bald darauf standen die Topklubs Schlange: Atlético Madrid, der FC Liverpool, RB Leipzig, der FC Bayern wollte ihn zurückholen. Nach Leipzig fuhr Adeyemi alleine mit dem Zug, andere Orte besuchten Schwabl und Karims Vater. Was ist das Beste für ihn und die Familie? Unterdessen trainierte der 16-Jährige in Unterhaching mit den Drittliga-Profis, im ersten Laufduell mit Kapitän Josef Welzmüller sauste Adeyemi davon und vollendete sicher. Welzmüller ging zu Trainer Claus Schromm und sagte: "So was hab ich noch nie erlebt."