Munich Mash:Grüne Hintern

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Munich Mash: Eine kleiner Fehler und der mögliche Sieg war weg: Die Kölnerin Julia Rick ist auch mit Platz drei happy.

Eine kleiner Fehler und der mögliche Sieg war weg: Die Kölnerin Julia Rick ist auch mit Platz drei happy.

(Foto: Martin Hangen/Plusphoto/Hangen)

Auf dem Wakeboard wird die deutsche Favoritin Julia Rick Dritte, bei den Männern siegt Publikumsliebling Nico von Lerchenfeld.

Von Ralf Tögel

Gleich im ersten Sprung des Finales gab Julia Rick der Konkurrenz eine Denksportaufgabe. 82 von 100 möglichen Punkten bedeuteten Bestwert in der ersten K.-o.-Runde des Wakeboard-Finales, damit hatte sie Bronze beim Munich Mash sicher. Und schon war die elfmalige Weltmeisterin in den Köpfen der Konkurrentinnen. Am Vortag hatte sie bereits Platz zwei im Teamwettbewerb zusammen mit Landsmann Felix Georgii und John Dreiling (USA) gewonnen, war stark gefahren, aber die Italienerin Claudia Pagnini gewann mit dem Franzosen Loic Deschaux und dem Österreicher Timo Kapl den Wettkampf. Im Finale am Sonntagnachmittag klappte es dann nicht nach Wunsch, nach einem starken ersten Durchgang unterlief ihr ein Leichtsinnsfehler am ersten Hindernis, der resultierende Sturz ließ die Titelverteidigerin auf Platz drei zurückfallen. "Ich hätte gerne einen draufgepackt, bin aber trotzdem sehr happy. Es war ein super Wochenende." So war der Weg frei für Anna Nikstad, die Siegerin von 2018, vor Pagnini.

Dennoch darf man behaupten, dass die Kölnerin, die am Freitag ihren 29. Geburtstag gefeiert hat, derzeit die wohl weltbeste Athletin auf dem kleinen Brett ist. Das liegt nicht nur an ihren vielen Titeln und daran, dass sie vom Weltverband zur Wakeboarderin des Jahrzehnts gewählt wurde. Rick hält auch zwei Guinness-Rekorde, sie hat den weitesten Sprung und die meisten Inverts (wenn der Kopf unter dem Board ist, also eine Rolle) in einer Minute geschafft. Und sie hat eine ganze Anzahl an Tricks als erste Frau gestanden, darunter den KGB 540. Einen Sprung, bei dem am besten die Zeitlupe bemüht. "Das steht für Killer Green Butt", erklärt sie, weil man allzu oft hart auf dem Hintern lande, der sich schon mal grün verfärbe. Dabei katapultiert sie sich durch Verkanten des Boards hoch aus dem Wasser, macht einen Rückwärtssalto mit eineinhalb Drehungen und zweimaligem Handwechsel.

Julia Rick war früher Fußballerin und spielte mit dem 1. FC Köln in der zweiten Bundesliga

Bei all den Erfolgen muss Rick als Spätstarterin gelten: Bis zu ihrem Entschluss, es als Profi-Wakeboarderin zu versuchen, spielte sie für den 1. FC Köln Fußball in der zweiten Bundesliga. Ihre ersten Versuche auf dem Wakeboard landeten zwar im Wasser, aber ihr Ehrgeiz war geweckt. Zwei Jahre später gewann sie erste Juniorinnen-Wettkämpfe, "da war ich schon infiziert". Der Entschluss, vom Fußball-Profi zum Wakeboard zu wechseln war gefallen - zehn Jahre ist das her. Auch am Einzelsport fand sie Gefallen, ihre Stärken sieht sie neben allem Talent, Körpergefühl und Athletik in ihrem unbändigen Willen: "Ich habe schon viel Ehrgeiz und gelernt, mich durchzusetzen." Zudem habe sie zwar Respekt vor dem Sport, der ja reichlich gefährlich sein kann, "aber nie Angst".

Ähnliches lässt sich natürlich für die männlichen Kollegen sagen, die sich im abschließenden Mash-Wettbewerb einen spannenden Kampf lieferten. Publikumsliebling Nico von Lerchenfeld gewann wie nach Drehbuch mit dem allerletzten Run. Zweiter wurde der Franzose Loic Deschaux vor dem erst 16-jährigen Wildcard-Gewinner Gavin Stuckey aus den USA. "Es wird immer schwerer mit diesen Kids", befand der 29-jährige von Lerchenfeld. Das gebe ihm schon zu denken.

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