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Mailand schafft 0:0 gegen Barcelona:Erst wunderlich, dann zäh und zermürbend

Barças Künstlern macht Milans Zerstörungskonzept ordentlich zu schaffen: Nach schwungvollem Beginn besinnt sich der AC Mailand gegen den Favoriten aus Katalonien auf seine Stärken in der Defensive und erkämpft sich ein verdientes Remis. Lionel Messi kommt gegen Milans alte Haudegen nicht immer zur Geltung.

Irgendwann wurde Alessandro Nesta etwas übermütig. Da hatte er gerade mal wieder den Ball erobert, und was tat der Routinier, der dem Gefühl nach schon 36 Jahre für Milan spielt, tatsächlich aber erst 36 Jahre alt ist? Er gab nicht, wie nach all den anderen Balleroberungen zuvor, brav ab, sondern er versuchte sich tatsächlich an einem Dribbling.

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Kampf auf Grasnarbenniveau: Zwischen Milan und Barcelona ging es eng zu.

(Foto: AFP)

Er verlor den Ball natürlich, aber es war ein deutliches Signal: Wenn sich der Nesta schon an einem Dribbling versucht, dann kann es in diesem Spiel gegen den haushohen Favoriten Barcelona ja nicht so schlecht um den AC Mailand stehen. Und tatsächlich gelang es dem Tabellenführer der Serie A, mit seiner zähen Spielweise ein völlig verdientes 0:0 zu erkämpfen.

Vor diesem Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales waren ja alle Fußball-Experten von folgendem Spielverlauf ausgegangen: Milan stellt sich gemütlich hinten rein, Barcelona kreiselt und passt, was das Zeug hält, und muss geduldig auf die wenigen Lücken im italienischen Beton warten. Doch die Partie begann mit ein paar wunderlichen Szenen.

Denn die Mailänder postierten sich keinesfalls tief in der Defensive, sondern pressten so hoch, dass sie Gefahr liefen, die gegnerische Torauslinie zu überqueren - und kamen schon in der zweiten Minute zu einer Doppel-Chance durch Kevin-Prince Boateng (Schuss aus 16 Metern) und Robinho (Volleyversuch völlig freistehend vor Torwart Valdes).

Ibrahimovic vergibt

Und dann? Dann lief es doch eine ganze Weile wie erwartet. Barcelona kreiselte und passte, was das Zeug hielt, und Milan stellte sich gemütlich hinten rein, wobei sie sich teilweise so weit hinten rein stellten, dass sie Gefahr liefen, die eigene Torauslinie zu überqueren. Die Mannschaft von Massimiliano Allegri attackierte erst sehr, sehr spät, meist befand sich die Viererkette auf Höhe der Strafraumgrenze, die Mittelfeldspieler griffen erst 25 Meter vor dem eigenen Tor den ballführenden Gegenspieler an.

Die Mailänder wollten das Gebiet rund um den eigenen Strafraum, wo Iniesta, Messi & Co. sonst ihr bewundernswertes Schnellpassspiel vorführen, mit möglichst vielen Leuten vollstellen, gingen zudem hart, aber keineswegs unfair zu Werke - und entgegen dem Willen aller Fußball-Ästheten ging dieses Konzept sogar bestens auf.

Zwar hätten der aufgerückte Rechtsverteidiger Dani Alves nach einem Patzer von Milan-Torwart Christian Abbiati (9.) oder Xavi nach einer sehenswerten Kombination (26.) das Führungstor für Barcelona erzielen können, und zudem hätten sich die Italiener bei einer Attacke ihres Schlussmannes gegen Alexis Sanchez nicht über einen Elfmeterpfiff beschweren dürfen (15.). Aber die beste Chance der ersten Hälfte hatte Milan. Bei einem der seltenen Konter bediente Clarence Seedorf Zlatan Ibrahimovic, der alleine vor Valdes vergab (20.).

Wer vermutet hatte, dass die Gäste mit neuem Schwung aus der Halbzeitpause kommen würden, der wurde enttäuscht. Im Gegenteil: Den Barça-Künstlern machte Milans Zermürbungskonzept zusehends zu schaffen, und nun schoben sich die Mailänder auch etwas mehr nach vorne, allerdings wirklich nur etwas mehr, um nicht in einen der gefürchteten Konter von Barcelona zu laufen. So entwickelte sich eine Konstellation, die zwar für große Spannung sorgte, aber zugleich weitere Torraumszenen verhinderte.

Mailand dachte sich, dass es um jeden Preis einen Gegentreffer verhindern muss, weil sich eine Heim-Niederlage gegen Barcelona schon so anfühlt wie das endgültige Aus. Und Barcelona dachte sich, dass es beim Rückspiel in einer Woche im Camp Nou vor heimischem Publikum und auf besserem Rasen wohl leichter ist, einen Treffer zu erzielen. Erst wenige Minuten vor dem Abpfiff hatte Barça noch einmal eine große Chance zum Siegtor: Lionel Messi tankte sich im Strafraum durch und scheiterte erst an Abbiati, den Nachschuss von Cristian Tello blockte Luca Antonini ab.

© SZ vom 29.03.2012
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