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AC Mailand:Hat Milan die Rechung ohne die Konkurrenz gemacht?

Doch jetzt pochen die neuen Milan-Bosse auf Resultate für ihr gutes Geld. Und bereits auf ihrer Tour in China wollen Präsident Li Yonghong und Generaldirektor David Han Li eigentlich eine Blamage vermeiden. Was indes schwierig werden dürfte, denn gegen Dortmund sah man eine ziemlich verstörte Mannschaft, die ganz offensichtlich nicht wusste, wie sie gemeinsam Fußball spielen soll. Der peinliche Auftritt wurde vom Berlusconi-Fernsehen nach Italien übertragen, ebenso wird es dem Match gegen das Team des früheren Milan-Meistertrainers Carlo Ancelotti ergehen. Samstagmittag ist die neue Primetime im Mailänder Fußball. Auch das Derby wird neuerdings um diese Zeit übertragen - wegen China.

Li Yonghong sei ja ganz anders als sein Vorgänger, sagte Geschäftsführer Marco Fassone kürzlich dem Corriere della Sera. Es handele sich nicht um einen Unternehmer mit einer Firma wie weiland Berlusconi, sondern um einen Investor mit vielen verschiedenen Geschäftsbereichen. "Er wird viel weniger präsent sein, als wir es hier gewohnt waren." Er selbst, so Fassone, habe etwa einmal im Monat mit Li Kontakt. "Er hat mir erklärt, dass er wenig von Fußball versteht, aber viel von Business. Er ist davon überzeugt, dass Milan ihn bei seinen Geschäften in China voranbringen kann." Welche das genau sind, weiß man in Italien nicht so recht. Lediglich, dass Li Yonghong eine Phosphat-Mine besitzt, wurde den Aktionären bei der letzten Versammlung im Juni mitgeteilt.

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Woher also kommt das Geld für die spektakulären Einkäufe auf dem Transfermarkt? Nun, Milan gehört de facto weniger dem mysteriösen Li Yonghong als dem US-amerikanischen Hedgefonds Elliott, der dem Chinesen 300 Millionen Euro für die Milan-Übernahme gepumpt hat. Davon 180 Millionen Euro zum stolzen Zinspreis von 11,5 Prozent und weitere 123 Millionen zu 7,7 Prozent, das Gesamtpaket soll bis zum Frühjahr 2018 abgestottert werden. Im Prinzip also vor dem fest einkalkulierten Geldregen der Champions-League-Fernsehrechte - die Qualifikation gilt als Minimal-Saisonziel, aber eigentlich soll schon auch der Meistertitel her.

Klingt genauso größenwahnsinnig, wie es ist, ganz so, als habe Milan die Rechnung völlig ohne die Konkurrenz gemacht. Ohne Juventus Turin, das solide geführte Familienunternehmen des uritalienischen Agnelli-Clans, das gerade den sechsten Titel in Folge eingeheimst hat. Ohne den SSC Neapel, der seit Jahren schwarze Zahlen schreibt und gerade um den Einzug in die Champions League spielt. Der AS Rom ist dafür schon qualifiziert. Und Inter Mailand, ebenfalls in chinesischer Hand, hätte auch noch ein Wörtchen mitzureden. Gerade bemüht man sich um den Spanier Andres Iniesta, den goldenen Oldie vom FC Barcelona, zumindest im Kampf um die Sommermeisterschaft mischt der Lokalrivale also mächtig mit.

Hinter der Internazionale steht der Elektronik-Konzern Suning, der soeben vom chinesischen Staatsfernsehen gerüffelt wurde: Wie denn ein gestandenes Unternehmen der Volksrepublik dazu käme, derart viel Geld in einen hoch verschuldeten europäischen Klub zu pumpen? Die Zeitung South China Morning Post nahm hingegen Milans Li Yonghong aufs Korn, "einen unbekannten Geschäftsmann, der sich 300 Millionen Euro leiht, um einen Fußballklub für 740 Millionen zu kaufen".

Scheint so, als schaue man im Fernen Osten weit wachsamer auf den irren Mailänder Transfermarkt als zu Hause in Italien. "Es ist doch so", schrieb der Corriere della Sera in durchaus beruhigender Absicht: "Wenn Mister Li es bei Milan nicht schaffen sollte, tritt halt der Elliot-Fonds auf den Plan und verkauft den Klub weiter. Natürlich zu einem besseren Preis - mit lauter neuen, tollen Spielern." Die nächste Ära der Fußball-Globalisierung ist in Mailand längst eingeläutet.

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