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Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga:Der Bus im Schalker Stadion

11. Juni 1989, ein Sonntagnachmittag: Als die Mannschaft anderthalb Stunden vor dem Anpfiff der Partie gegen Blau-Weiß 90 Berlin aufs Parkstadion zusteuerte, gab Neururer dem Busfahrer den Befehl, geradewegs durchs Marathontor in die prall besetzte Arena hineinzufahren und auf der Tartanbahn zu parken. "Du bist verrückt", sagte der Fahrer. "Mach, sonst schmeiß ich dich raus", sagte Neururer. Für die Spieler wurde das Manöver zum erhebenden Moment, wie Ingo Anderbrügge neulich auf einem Nostalgieabend berichtete: "Auf die Gegengerade geguckt - voll. Auf die Südkurve geguckt - auch voll. Nordkurve - sowieso voll." Die Ansprache des Trainers hat daher nicht lang gedauert: "Macht es für die Fans", sagte er, "schaut euch diesen Wahnsinn an."

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"Die Glückshormone kann man gar nicht mehr zählen, wenn man es geschafft hat", weiß Friedhelm Funke

Trotzdem hätte die Sache schief gehen können. Nach 27 Minuten gingen die Berliner in Führung, und Neururer schwört, dass damit die leisesten Minuten seines Lebens begonnen hatten. "72 000 Menschen im Stadion, aber du hörtest nichts - nur das Klackern der Stollen und die Tritte gegen den Ball. Bis einer, ein einziger Mann, in der Nordkurve ganz leise anfing zu rufen: Schaaalke. Und auf einmal ging das durchs ganze Parkstadion. Alle haben gemerkt: Wenn nicht jetzt, dann nie mehr." Schalke gewann 4:1, es wurde ein langer Tag. Das Spiel hatte um drei begonnen, "aber abends um zehn", versichert Neururer, "waren noch 20 000 im Stadion".

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Möglicherweise ist das eine großzügige Berechnung, aber für Daten und Fakten hat man als Geretteter nicht mehr viel Sinn. "Die Glückshormone kann man dann gar nicht zählen", weiß Friedhelm Funkel, "wenn man es geschafft hat, ist es eine wahnsinnige Erlösung." Drei Erstligisten, die am Wochenende zwischen Hamburg und Hoffenheim spielen werden, stehen also frohe Pfingsttage bevor. Die Anderen werden weinen.