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Abstieg von Ilkay Gündogan:Jetlag in der neuen Welt

Der Neu-Dortmunder Ilkay Gündogan ist oft und gründlich gelobt worden im Jahr 2011. Zu Recht - und doch waren es Huldigungen mit Verfallsdatum: Bei der Borussia sitzt er mittlerweile nur noch auf der Tribüne und muss sich über Einsätze in der deutschen U 21 freuen. Selbst Kollegen sparen nun nicht mehr mit Kritik am jungen Deutsch-Türken.

Christof Kneer

Ilkay Gündogan war leider nicht dabei, als Rainer Adrion am Dienstagabend zwei wunderschöne Sätze sagte. Adrion sagte: "Lewis Holtby und Ilkay Gündogan sollen vorangehen. Sie stehen bei uns über den anderen." Gäbe es diese Sätze gedruckt, Gündogan könnte sie sich ausschneiden und einpacken lassen, er würde sie beim Einchecken beschwingt vorzeigen, und er könnte sie auswendig lernen an Bord. Und wenn er in Griechenland aus dem Flieger klettert, wäre er wieder der selbstbewusste, souveräne Ilkay Gündogan.

Ilkay Gündogan

Vorerst spielt Ilkay Gündogan wieder für die U 21 - aber nicht mehr für Joachim Löws A-Nationalmannschaft.

(Foto: dpa)

Gündogan ist oft und gründlich gelobt worden im Jahr 2011, zurecht, aber es war ein Lob mit Verfallsdatum. Es war nur haltbar bis 1. Juli. Die Hymnen endeten, als Gündogan sich zu einem Transfer entschloss, der nach allen Statuten gültig und vollzogen, inhaltlich aber immer noch nicht abgeschlossen ist. In der Stadt Dortmund ist der ehemalige Nürnberger angekommen, beim Ballspielverein Borussia auch. Im Spiel des BVB ist er es noch nicht.

In Adrions U21-Auswahl darf Ilkay Gündogan jetzt endlich wieder die Rolle spielen, die er von sich erwartet. Bei den EM-Qualifikationsspielen in Griechenland (Freitag) und Zypern (Dienstag) soll er der Beste unter vielen Guten sein, aber es sagt alles über Gündogans Halbjahr, dass er sich jetzt von der U21 retten lassen muss. Er hat vor kurzem in Joachim Löws A-Mannschaft debütiert, die U21 war ihm zu klein geworden. Jetzt ist er froh, dass er sie hat.

Er wolle derzeit nichts zu seiner Situation sagen, lässt Gündogan aus dem Lager der U21 ausrichten, er habe Klubtrainer Jürgen Klopp versprochen, sich nur auf Fußball zu konzentrieren. Klopp, das ist dieser Coole, Schlagfertige, der manchmal gar keinen Spaß versteht. Er hat Gündogan auf die Tribüne gesetzt am Wochenende, von dort sah er zu, wie der BVB 5:1 gegen Wolfsburg gewann.

Von oben hatte er freie Sicht auf Klopps neue Hierarchie im defensiven Mittelfeld: Neben dem unverrückbaren Sven Bender stellte der 18-jährige Moritz Leitner sein kostbares Talent zur Schau, später kam noch der gute, alte Sebastian Kehl ins Spiel.

Die Fernsehbilder, die Gündogan auf der Tribüne zeigten, waren mit zwei unsichtbaren Fragen untertitelt. Sie lauteten: Hat hier ein großes Talent ganz normale Eingewöhnungsprobleme? Oder wurde hier etwa ein Talent überschätzt?

Beim DFB haben sie sich für die erste Frage entschieden. Es sei "nicht ungewöhnlich, dass ein junger Spieler nach so einem Wechsel Zeit braucht", sagt Löws Assistent Hansi Flick. Sein Chef und er halten Gündogan unverändert für "einen Mittelfeldspieler moderner Prägung", er habe "alle Qualitäten", um in jenes Rollenbild zu passen, für das Löw in seiner Taktik-Werkstatt extra einen Begriff modelliert hat.

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