Abschied von Real Madrid Mourinhos Platz ist frei

Zum Saisonende ist Schluss: Real Madrid gibt die Trennung von seinem Trainer José Mourinho bekannt. Das hat Folgen für die ganze Branche - besonders aber für Carlo Ancelotti, der Paris unbedingt verlassen möchte.

Von Oliver Meiler, Barcelona

Innige Liebe war es nie, nun aber droht eine Kampfscheidung. Carlo Ancelotti möchte weg vom französischen Hauptstadtklub Paris Saint-Germain, den er eben zum ersten Meistertitel seit 19 Jahren geführt hat, dem dritten in der Klubgeschichte. Es ist mehr ein Losreißen, eines voll stiller Ranküne, ein Jahr vor Ende des Vertrags. "Ich möchte gehen", sagte der 53-jährige italienische Trainer am Sonntag bei einer Preisverleihung mit dunkler Miene, "wenn mich der Verein denn gehen lässt." Doch der will offenbar nicht. Nicht einfach so jedenfalls, wie man einen Provinzverein verlässt. Man gehört jetzt auch im Gehabe zu den Granden.

Ancelotti steht im Zentrum eines größeren europäischen Trainerkarussells, das manch prominente Person im Trainerfach an einen neuen Ort versetzen dürfte. Am Montagabend warf Florentino Pérez, der Präsident von Real Madrid, das Karussell an, er verkündete bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz vor rund 200 Reportern, was ohnehin als offenes Geheimnis galt: Real Madrid und Trainer José Mourinho trennen sich zum Saisonende, trotz Vertrags bis 2016, selbstverständlich "in beiderseitigem Einvernehmen", wie Pérez betonte.

Mourinho gewann in drei Jahren mit Real nur einmal den nationalen Pokal, einmal die Meisterschaft und einmal den Supercup - in der jüngeren Vereinshistorie hat kein Real-Trainer eine schlechtere Bilanz erreicht.

Mourinho zieht es zurück zum FC Chelsea, wo wiederum Rafael Benítez auf eine Offerte aus Paris wartet. Wer Mourinhos Nachfolger wird, sagte Pérez nicht, aber es ist klar, wer sein Favorit ist: Ancelotti hat ein Angebot von Real, wie der Italiener zugibt: "Ja, Real ist eine meiner Optionen."

Verunglückt am Elfmeterpunkt

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Um Geld allein geht es nicht. Die katarischen Besitzer von PSG ließen sich den früheren Meistertrainer vom AC Mailand und dem FC Chelsea viel kosten. Es heißt gar, netto sei Ancelotti der bestbezahlte Coach im Weltfußball, knapp vor Mourinho. Er stieß im Winter 2011 zu den Parisern, die Scheichs brauchten einen Namen, der ihrem Projekt ein prominentes Antlitz geben würde. Mehr als 200 Millionen Euro investierten sie ins spielende Personal, darunter Zlatan Ibrahimovic und Thiago Silva, und alle tragen stattliche Saläre heim. Ancelotti sollte PSG beibringen, guten und erfolgreichen Fußball zu spielen, endlich.

Der immer etwas phlegmatisch wirkende Italiener mit dem Hang zum Bonvivant war aber auch deshalb eine Traumbesetzung, weil er bekannt ist als "Starzähmer", als Trainer, der mit den großen Egos stolzer Selbstdarsteller umgehen kann. Das hat er auf allen seinen Stationen bewiesen. Und in Ibrahimovic erwuchs ihm in Paris ja eine große Herausforderung auf diesem Gebiet. "Ibra" ist nun voll des Lobes, wie alle Spieler. Auch die Fans mögen Ancelotti, sie skandieren seinen Namen. Doch etwas lief schief in Ancelottis Beziehung zur Vereinsspitze: zum katarischen Präsidenten Nasser al-Khelaifi, und zum Sportdirektor, dem Brasilianer Leonardo.