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Abschied von Gerald Asamoah:Dass er nicht übermütig wurde, dafür sorgte Huub Stevens

"Krass, mit 21 bin ich schon Meister", dachte Asamoah, aber dann kam er mit einem Bier in die Kabine und erfuhr: Es gibt Freistoß für die Bayern. Asamoah sah nicht auf den Fernsehschirm - aber im nächsten Moment auf schreiende Kollegen, die Trikots, Schuhe, Flaschen und Stühle durch die Gegend warfen.

Der große Titelgewinn ist Asamoah versagt geblieben, zwei Pokalsiege mit Schalke mussten ihn über vier zweite Ligaplätze hinwegtrösten, mit der Nationalelf verlor er das WM-Finale 2002 gegen Brasilien. Aber er kann sich auf ganz andere Erfolge und Verdienste berufen. 2001 hatte ihn Rudi Völler erstmals zur DFB-Auswahl eingeladen, zwei Tage nach dem Andersson-Desaster. Asamoah, geboren in Mampong, hätte auch für Ghana spielen können, er war "geschockt", dass ihn Völlers Anruf nun vor die Wahl stellte. Er sagte dann spontan zu und wurde der erste deutsche Nationalspieler mit schwarzer Hautfarbe. Er wusste, dass ihn einige wegen seiner Herkunft und Hautfarbe ablehnten, aber er wollte sich zu dem Land bekennen, das ihn als Zwölfjährigen aufgenommen hatte. Und bald merkte er, dass er das Richtige getan hatte. "Auf einmal", so hat er später erzählt, "bin ich auf der Straße ständig angesprochen worden. Es waren Farbige, Afrikaner, junge Leute, sogar Kinder wollten mich sehen und mit mir sprechen. Sie haben gesagt: ,Danke Bruder, dass Du das gemacht hast. Dank Dir werde ich auf der Arbeit akzeptiert.'" So hat Asamoah gelernt, sein sorgloses Fußballerdasein um eine Aufgabe zu erweitern. Der immer gut gelaunte Asa wurde ein ernster und ernst zu nehmender Kämpfer gegen Rassismus.

Dass er als stolzer Nationalspieler nicht übermütig wurde, dafür sorgte in Schalke ein strenger Huub Stevens. Einmal kam er von einem Länderspiel zurück, da ließ ihn Stevens unter brutalen Kommandos Überstunden machen. Laufen und noch mehr laufen musste er, Asamoah dachte: "Der hasst mich. Aber warum?" Später ging er in die Trainerkabine und stellte den Coach zur Rede. "Ich habe gefragt: ,Trainer, was habe ich gemacht?' Er sagte: ,Nichts. Du brauchst das einfach.' Später lag ich dann mal im Krankenhaus, ich war gerade operiert worden. Er hat kurz gefragt, wie es mir geht - und dann hat er mir sämtliche Fehler der Hinrunde aufgezählt. Aber ich habe geweint, als er gegangen ist, denn ich habe gemerkt: Der meint es gut mit dir."

Nun wird Huub Stevens den Abschiedsspieler Asamoah ein letztes Mal laufen lassen. Und diesmal wird's für alle ein Vergnügen sein.