80 Jahre Bestehen sind fürderhin kein Anlass für größere Festivitäten, allerdings wäre die Feier zum 75. Geburtstag der Basketballer des FC Bayern München in die Corona-Zeit gefallen, zu der solche Zusammenkünfte bekanntermaßen verboten waren. Also baten die Münchner Basketballer am Montagabend eine illustre Schar an Gründern, Wegbegleitern, ehemaligen Spielern und sonstigen Sympathisanten in die Sporthalle an der Säbener Straße, um diesen Anlass würdig zu bedenken. Es war ein launiger und bisweilen nachdenklicher Abend, garniert mit gutem Essen und interessanten Gästen, wie das so üblich ist, wenn der Münchner Promiklub zur Geburtstagsparty lädt.
Nachdenklich deshalb, weil der FC Bayern seiner Klublegende Ernie Butler gedachte, der in der Historie der Basketballer eine tragende Rolle spielte und am vergangenen Sonntag im Alter von 92 Jahren verstarb. Butler war 1965 mit Gießen deutscher Meister, zusammen mit Teamkollege Holger Geschwindner, der später Dirk Nowitzki zum Weltstar formen sollte. Dann siedelte Butler nach München über und war Führungsspieler bei den ersten internationalen Auftritten der Bayern, auch Geschwindner ging seinem Sport mittlerweile in der bayerischen Landeshauptstadt nach, allerdings für den Lokalrivalen USC. Die beiden Spitzenspieler verband aber nicht nur ihre Leidenschaft für den Sport sowie eine tiefe Freundschaft, beide verfolgten einen besonderen Ansatz, wie der passionierte Saxofonspieler Butler hinterließ: Basketball ist Jazz. Marko Woytowicz, früherer Bundesliga-Spieler, der sich dann als Schauspieler und Tenor der Kultur zuwandte und nun wieder Jugendtrainer im Klub ist, erinnerte in einer gefühlvollen Hommage an Butler, dessen Witwe Heidi unter den geladenen Gästen war.
Und er erzählte, dass Butler und Geschwindner seinerzeit vorhatten, München zur Basketball-Metropole zu entwickeln. Dass sich diese Idee derart erfolgreich entwickelt hat, war seinerzeit freilich nicht abzusehen und wurde von einigen visionären Protagonisten getragen. Welche selbstredend anwesend waren und in einer launigen Runde über die Geschehnisse plauderten. Es ist längst Usus der Basketballer, dass sie prominente Fußballer zum Basketballschauen animieren, dass Uli Hoeneß indes an der Feierstunde zu den Hauptdarstellern zählte, hatte einen weitreichenderen Grund. Denn dem Präsidenten und dessen Handlungsstärke war es zu verdanken, dass die Basketballabteilung überhaupt professionalisiert wurde.
Das geschah 2010 nach einer Mitgliederbefragung, die mit 74 Prozent Zustimmung überraschend positiv ausgefallen war, wie Hoeneß erzählte. Bis dahin waren die Basketballer nämlich ein defizitäres Anhängsel des Klubs und von den Fußballern finanziert, fortan erwirtschafteten sie ihr eigenes Geld. Hauptinitiator aber war damals Vizepräsident Bernd Rauch, der nur darauf gewartet hatte, dass Hoeneß ins Präsidentenamt gewählt wurde und folglich für den Gesamtverein zuständig war. Rauch hatte immer wieder „bei Uli angefragt“, nach der Zustimmung der Mitglieder war die Entwicklung „wie eine Lawine“, erinnerte sich Rauch. Als Zweitligist holte der Klub Bundestrainer Dirk Bauermann und die Nationalspieler Steffen Hamann und Desmond Greene, und die Olympia-Eishalle wurde für Basketball umfunktioniert. 2014 war unter Svetislav Pesic der erste Meistertitel in der 1966 eingeführten Basketball-Bundesliga BBL (der FCB war bereits vor der Professionalisierung 1954 und 1955 deutscher Meister) errungen.
Sportdirektor Leibenath ist wichtig, „dass der Funke überspringt, und der springt in aller Regel über, wenn man wahrnimmt, da steht eine echte Mannschaft auf dem Feld“
„Wir hatten immer die richtigen Leute an der richtigen Stelle“, so Rauch, womit er vornehmlich Marko Pesic meinte, der als Sportdirektor und später Geschäftsführer den Klub auch international zu einer Basketball-Größe formte. Pesic hat aufgehört, zu viel Kraft habe ihn sein Job gekostet, gleichwohl erinnerte er daran, wie viel Arbeit sein Team investiert hätte. Mittlerweile lenkt Adrian Sarmiento als Kaufmännischer Geschäftsführer die wirtschaftlichen Geschicke des Klubs, und in Herbert Hainer weiß Hoeneß einen Nachfolger an der Vereinsspitze, der seine Leidenschaft für den Basketball teilt. Im Übrigen sind sich Rauch, Hoeneß und Hainer einig, dass Basketball „die Sportart ist, die optimal zu Fußball passt und entsprechend zu verkaufen ist“. Wie auch in dem Ziel, „europäisch an die Spitze zu kommen“, wie Rauch anmerkte.
Sportlich sind die Basketballer zumindest national in ähnlichen Sphären wie die Kicker, das Double ist der Anspruch, nur international hinken die Basketballer hinterher. Um das zu ändern, wurden in Sportdirektor Thorsten Leibenath aus Ulm und Trainer Anton Gavel aus Bamberg zwei Topkräfte von der Konkurrenz abgeworben, was Hoeneß süffisant kommentierte: „Das ist wie im Fußball, so fängt es an.“ Dem neuen sportlichen Führungsduo sind diese Ansprüche natürlich bekannt, am Dienstagnachmittag saß es auf dem Podium und versuchte, mit dieser Erwartung umzugehen. Der Druck ist groß, nach einer titellosen Saison wurde der Kader aufgemotzt, der Etat der Bayern ist ohnehin etwa viermal so hoch wie der von Meister Berlin.
Leibenath sagte, er „nehme zur Kenntnis, dass unser Präsident klar formuliert hat, was er von der Mannschaft erwartet. Ich halte es durchaus für möglich, unsere Ziele erreichen zu können“. Einen Automatismus gebe es dafür aber nicht, es gehöre vielmehr „eine gehörige Portion Demut, Klarheit und Leidenschaft dazu“. Ihm sei zugleich wichtig, „dass der Funke überspringt, und der springt in aller Regel über, wenn man wahrnimmt, da steht eine echte Mannschaft auf dem Feld“, sagte Leibenath. Und dafür gebe es keinen besseren Trainer als Anton Gavel.
Man sei jedenfalls noch lange nicht fertig, so oder ähnlich formuliert war das Fazit der Beteiligten bei der Feier am Montagabend zu hören. Was passenderweise als Titel des Jubiläums-Buches gewählt wurde: „Never done.“

