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Bundesliga:Die Elf der hässlichsten Trikots

Manche Trikots treiben Fußballfans die Tränen in die Augen. Vor Freude, aus Wehmut oder aber auch: aus blankem Entsetzen über so viel Hässlichkeit. Der Hamburger SV in Rosa, der SV Werder mit roten Streifen oder der VfL Bochum im Regenbogen-Look. Die SZ hat eine Rangliste erstellt - stimmen Sie ab!

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50 Jahre Bundesliga:VfL Bochum

Tomasz Waldoch im Regenbogen-Trikot des VfL Bochum.

Quelle: Getty Images

Manche Trikots treiben Fußballfans die Tränen in die Augen. Vor Freude, aus Wehmut oder aber auch: aus blankem Entsetzen über so viel Hässlichkeit. Der Hamburger SV in Rosa, der SV Werder mit roten Streifen oder der VfL Bochum im Regenbogen-Look. Die SZ hat eine Rangliste erstellt - stimmen Sie ab!

1. VfL Bochum: Der Sündenfall der Bochumer Trikotgestaltung fällt in die Saison 1997/98, da war Faber Lotto schon länger Sponsor, drehte aber in jener Spielzeit nochmal gewaltig an der Farbskala. Das Unternehmen, Firmensitz in Bochum, warb sehr offensiv für seine organisierten Tippgemeinschaften. Fernsehspots, Plakatwände, Sponsoring von Boris Becker und eben dem VfL. Da war es konsequent, das vielfarbige Firmenlogo auch im Bochumer Trikot leuchten zu lassen. Die Bochumer, ein verdientes Mitglied der Bundesliga ohne jede Aussicht auf die Meisterschaft, spielten nicht länger in Blau und Weiß, sie spielten in Blau-Lila-Grün-Gelb-Orange-Rot. Und Weiß. Die graue Maus war jetzt eine bunte Maus. Für Promotion-Fotos wurde das Regenbogentrikot getragen von einem Königspudel, der wie ein entfernter Verwandter der Hunde von den Jacob Sisters rüberkam. Mittelfeld-Wusler Dariusz Wosz war ein Freund der Regenbogen-Trikots. Sie halfen ihm, auf dem Platz seine Mitspieler schneller zu finden.

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50 Jahre Bundesliga:SV Werder Bremen

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Quelle: imago sportfotodienst

2. SV Werder Bremen: Das Bremer Trikot der Saison 1971/72 war längsgestreift in Rot und Weiß. Die grünweißen Bremer, verkleidet als Bayern. Was war passiert? Die Bremer waren damals ein eher notleidender Verein, aber dann hatten die Klubchefs eine Art Deal mit der Stadt Bremen und vor allem der Bremer Industrie vereinbart. Es ging um Geld. Werder wollte die letzte Gelegenheit nutzen, Topleute zu verpflichten: Bald darauf sollte die Ablösesummengrenze wegfallen, und von da an würden sie gar nicht mehr mitbieten können. Die Wirtschaft war großzügig, und die Stadt Bremen erließ dem Verein Vergnügungssteuer, beteiligte ihn an den Werbeeinnahmen im Stadion. Im Gegenzug warb Werder für Bremen. Rot und Weiß sind die Farben der sogenannten Speckflagge, dem Hoheitszeichen der Freien Hansestadt. Es sei besser, für Bremen Reklame zu machen als für Salamiwurst, sagte der damalige Sportchef des Bremer Weser-Kurier. Erst 1974, nach der Weltmeisterschaft, war Werder wieder Grün und Weiß.

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50 Jahre Bundesliga:Hamburger SV

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3. Hamburger SV: In Hamburg gab es Mitte der Siebziger rosa Trikots, der Manager Peter Krohn hatte die Idee dazu gehabt. Krohn war Generalmanager bei den Hamburgern, er holte Kevin Keegan und Ivan Buljan und Felix Magath. Den hatte er in der ARD-Sportschau entdeckt, Magath spielte da noch für Saarbrücken, in Schwarzblau. Schließlich gewann Magath, schweinchenrosa, mit seinem Team sogar den Europapokal. Manager Krohn führte unter anderem ein Showtraining ein, zu dem eine Blaskapelle spielte. Die Journalisten schrieben vom Circus Krohn, die Trikots waren eine Attraktion dieses Circus, eine Nummer im Programmablauf. Mit den rosa Trikots, so hatte Krohn kalkuliert, sollte mehr weibliches Publikum ins Stadion gelockt werden. Ob die Maßnahme Erfolg hatte, lässt sich en Detail schwer nachweisen.

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50 Jahre Bundesliga:Hertha BSC

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4. Hertha BSC: Die Elefanten - Den Begriff "Mampe" ausgerechnet auf dem Bauch zu tragen, ist ein Wagnis, hier wird eine klangliche Verbindung zur Wampe hergestellt, die im Profibetrieb unangebracht erscheint. Wenn Trikotwerbung allerdings einen Bezug zur Stadt hat, dann diese hier, aus den wilden Siebzigern. Spirituosen von Mampe waren mal so populär in Berlin, dass sie in eigenen "Mampe-Stuben" verkostet wurde. Der Elefant auf dem Etikett fand seinen Widergänger im echten Leben, im Berliner Zoo lebte ein Elefant, der Mampe genannt wurde, nicht weit entfernt vom Flusspferd Knautschke. Good old days. Der Elefant Mampe ist längst tot, der Mythos Mampe lebt. Und der Slogan galt die meiste Zeit auch für die Darbietungen der Hertha: Sind's die Augen, geh' zu Mampe, gieß' Dir einen auf die Lampe!

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50 Jahre Bundesliga:FC Bayern München

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5. FC Bayern München: Die Brasilianer - Es war der 26. November 1983. Ewig hatten die Bayern nicht in Kaiserslautern auf dem Betzenberg gewonnen, da kam Uli Hoeneß auf die Idee, sie als Brasilianer zu verkleiden. Kanariengelbes Trikot, himmelblaue Hose. Um die Verwirrung komplett zu machen, verkleidete sich auch Lautern, die roten Teufel spielten ganz in Grün. Was von weitem aussah wie Brasilien gegen Algerien, war sehr deutscher Fußball. Bayern siegte 1:0, durch einen unberechtigten und abgefälschten Freistoß von Klaus Augenthaler.

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50 Jahre Bundesliga:SV Werder Bremen

SV Werder Bremen v VfL Wolfsburg - Bundesliga

Quelle: Joern Pollex/getty

6. SV Werder Bremen: Die Bratwürste - Gegen Ende der Horror-Saison 2012/2013 musste Werder Bremen zur Strafe zwei Heimspiele in sogenannten Sondertrikots bestreiten, mit Bratwurstreklame. Motto: Drin steckt, was drauf steht. Die Bremer warben für die Würste, indem sie wie Würste spielten. So kann man es natürlich auch machen.

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50 Jahre Bundesliga:Tasmania Berlin

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Quelle: imago sportfotodienst

7. Tasmania Berlin: Die Kleinkinder - Die Tasmanen sind bis heute die harmloseste Fußballmannschaft der Bundesliga, aber wer weiß schon, wie die Trikots dieser Mannschaft aussahen? Tasmania spielte ja in den Sechzigern, also noch in schwarz-weißen Zeiten. Ein Blick ins bereits farbige Bergmann-Sammel- album bringt es an den Tag: Tasmania trug harmloses Himmelblau und liebliches Lämmchenweiß, ein Fähnchen war das Wappen. Eine Fußballkluft wie ein Kinderschlafanzug.

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50 Jahre Bundesliga:Eintracht Frankfurt

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Quelle: imago sportfotodienst

8. Eintracht Frankfurt: Die Hypnotiseure - In den Neunzigern waren die wilden Designer am Werk und steckten die Fußballer in Klamotten, die aussahen wie Fruchtsaftpackungen oder das früher sehr beliebte Dolomiti-Eis. Beabsichtigt war eine hypnotisierende Wirkung auf die Gegner, ein psychedelischer Effekt. Weil aber irgendwann fast alle Mannschaften aussahen, als hätten sie im Tuschkasten übernachtet, hob sich der Effekt gegenseitig auf.

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50 Jahre Bundesliga:Borussia Dortmund

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Quelle: imago sportfotodienst

9. Borussia Dortmund: Die Eisverkäufer - Als die Dortmunder noch mittelmäßig waren, in den Tiefen der Siebziger und Achtziger, trugen sie Werbeaufdrucke, die ihr Image nicht gerade veredelten. Die Borussia warb für Drehtabak, für Spachtelmasse, für Klebstoff und schließlich für eine Firma mit dem braven Namen Artic, von der es hieß, es handle sich um einen Hersteller von Speise-Eis. Das sorgte schon damals für einige Verwirrung: Viele Menschen vermuteten, es müsse Arctic heißen, das klinge eisiger. Artic-Eis ist inzwischen fast so vergessen wie der Mampe-Elefant, und bei Dortmund klappte es erst dann mit der Champions League, als unartige Menschen wie Kohler, Sammer und Julio Cesar kräftig dazwischenkloppten.

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50 Jahre Bundesliga:FC Bayern München

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Quelle: imago sportfotodienst

10. FC Bayern München: Die Herrenausstatter - Es war der 27. 10.2001, als die Bayern in Köln antreten mussten, jedoch sahen Gast- geber und Gäste sehr ähnlich aus, rot nämlich. Also sollten die Bayern ihre Ausweichtrikots überstreifen, aber die hatte der Zeugwart zuhause vergessen. Auf dem Bolzplatz hätten die Jungs jetzt gesagt: Spielen wir halt oben nackt. Immerhin hatte der Zeugwart zwar die Ersatztrikots vergessen, an die Schere aber gedacht. Die Bayern trennten die Ärmel von ein paar Trainings-Shirts, das so entstandene Leibchen zogen sie über ihre Trikots. Sah beschissen aus, die Bayern siegten trotzdem 2:0, zu der Zeit hätten sie auch oben nackt in Köln gewonnen.

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50 Jahre Bundesliga:VfL Bochum

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Quelle: imago sportfotodienst

11. VfL Bochum: Die Gewerkschafter - Die Bochumer sind immer harte Arbeiter gewesen, Grasfresser, Wühlmäuse, Knochenbieger und Schweißtreiber. Als das Fußballspiel immer mehr zu einer intellektuellen Disziplin emporgeredet wurde, entschlossen sich die Bochumer, ihr Image trotzig auf ihren Trikots festzuschreiben: Aufbegehren war schon immer ein klassischer Reflex des kleinen Mannes, um nicht übersehen zu werden. Mit den sogenannten Schmutztrikots - die Kampf- spuren waren ein eingedrucktes Element des Designs - sahen sie Ende der Neunziger bereits bei Spielbeginn so aus wie Arbeiter, Grasfresser, Wühlmäuse, Knochenbieger und Schweißtreiber (im Bild eine neuere "Version" jener Leibchen aus der Saison 2009/10). Dazu die Werbung für Produkte eines Discounters aus dem untersten Preissegment: herrlich erdig.

© SZ vom 04.05.2013/mane

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