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3. Liga:Zurück nach dem Zoff

Fußball 3. Liga 28. Spieltag SV Waldhof Mannheim - KFC Uerdingen am 30.05.2020 im Carl-Benz-Stadion in Mannheim Kevin G; Mannheim

Stand in Mannehim auf dem Platz: Kevin Großkreutz im Trikot des KFC Uerdingen.

(Foto: imago images/Brauer-Fotoagentur)

Die Vereine der 3. Liga hatten sich heillos über die Frage zur Saisonfortsetzung zerstritten. Vor allem Waldhof Mannheim war dagegen - und startet prompt mit einer Niederlage.

Von Michael Wilkening, Mannheim

Es musste ausgerechnet der KFC Uerdingen sein. Mit einem Spiel gegen den Klub des russischen Mäzens Michail Ponomarew hatte die Mannheimer Malaise im Mai 2018 angefangen. Das Aufstiegsspiel zwischen dem SV Waldhof und dem KFC wurde beinahe auf den Tag genau vor zwei Jahren wegen Zuschauerausschreitungen abgebrochen und die Waldhöfer, die bis dahin schon keinen guten Leumund beim Deutschen Fußball-Bundes (DFB) besaßen, sind seither beim Verband so etwas wie das Schwarze Schaf. Seit zwei Jahren schwelt der Streit. Aber die Mannheimer hatten vor einem Jahr einen beachtlichen Etappensieg errungen, als sie vor einem Zivilgericht erfolgreich gegen den Abzug von drei Punkten geklagt hatten, das Verfahren ist inzwischen vor der nächsten Instanz anhängig.

An diesem Samstag trafen die Mannheimer wieder im Carl-Benz-Stadion auf Uerdingen und schon wieder war das Spiel ein besonderes. Mit ein paar Mitstreitern hat der SV Waldhof wochenlang mit dem DFB um die Saisonfortsetzung in der Dritten Liga gestritten, die der Verband über den Willen der Mannheimer hinweg entschied. Wenngleich nicht ausgeschlossen ist, dass erneut Zivilgerichte bemüht werden, um rechtliche Klarheit zu schaffen.

Der SV Waldhof, vor der Saisonunterbrechung gerade auf den zweiten Tabellenlatz geklettert, machte bei der Premiere keine guten Erfahrungen, denn er verlor 1:2 gegen die Uerdinger. Der Kampf um den Aufstieg wird deshalb noch ein bisschen spannender. Zwischen dem Tabellendritten Mannheim und -elften Uerdingen sind jetzt nur noch zwei Punkte Differenz.

So eng die Mannschaften im Rennen um den ersehnten Sprung in die Zweite Liga beieinander liegen, so weit waren die Fraktionen im Streit um die Fortsetzung des Spielbetriebes voneinander entfernt. Während die Bundesliga und die Zweite Liga Geschlossenheit demonstrierten, um weiterzumachen und die für viele Klubs überlebenswichtigen Einnahmen aus der TV-Vermarktung zu erhalten, bildeten sich in der Dritten Liga schnell zwei Lager. Allerdings war an der Tabelle abzulesen, auf welcher Seite der jeweilige Verein stand. Die Abstiegskandidaten und der Tabellenzweite Mannheim waren für einen Abbruch, weil der wohl bedeutet hätte, dass es keine Absteiger gegeben hätte und der SVW als Zweiter hätte aufsteigen dürfen. Die vielen Verfolger der Waldhöfer wollten weitermachen.

Eine Diskussion auf Sachebene gab es nur ein paar Tage, anschließend wurden gegenseitige Vorwürfe erhoben und die Meinungsverschiedenheiten in der Öffentlichkeit ausgetragen. An die Spitze der Abbruch-Befürworter setzte sich der Mannheimer Geschäftsführer Markus Kompp. Ihn störte nicht, dass ihm die Konkurrenz vorwarf, seine ethischen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Bedenken bezüglich eines Re-Starts hätten einen direkten Bezug zum Tabellenplatz. Der Waldhof-Boss ist Streit gewohnt, seit er den Klub nach dem Spielabbruch 2018 in einen Rechtsstreit mit dem DFB führte.

Der für den Ligabetrieb verantwortliche DFB tat wenig, um die streitenden Parteien zu vereinen. Der Verband fiel vielmehr durch schlechtes Krisenmanagement und eine oftmals unglückliche Kommunikation auf. Der größte Sportfach-Verband der Welt ließ sich auch von den Landesregierungen in Sachsen-Anhalt und Thüringen nicht stoppen, die ihren Mannschaften ein Wettkampfverbot verordneten.

Der DFB übe "einen unerträglichen Druck auf Politik und Vereine" aus, schimpfte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff zwischendurch. Täglich nahm die Kontroverse an Schärfe zu, ehe der Verband am vergangenen Montag einen außerordentlichen Bundestag nutzte, um mit einer Mehrheit von knapp 95 Prozent zu beschließen, die Saison fortzusetzen. Das klare Resultat täuschte über die Zerstrittenheit in der Liga hinweg, bis zuletzt waren mindestens sieben Klubs gegen eine Aufnahme des Spielbetriebs.

Auf dem Rasen war von dem vorangegangenen Streit in Mannheim nichts zu spüren. Es gab schließlich nie einen Disput der Mannschaften, sondern einen Konflikt der Funktionäre. Die Spieler hatten sich öffentlich dazu bekannt, grundsätzlich gerne aufs Spielfeld zurückkehren zu wollen - ganz unabhängig davon, wie die jeweilige Vereinsspitze argumentierte. "Am Anfang war es schon schwierig, die Atmosphäre war eher wie bei einem Testspiel", sagte der Mannheimer Marco Schuster nach seiner Premierenerfahrung: "Aber es ist schön, dass wir wieder spielen können."

Fußballer wollen Fußball spielen - und das dürfen sie in den kommenden Wochen ganz ausgiebig tun. Elf Spieltage hat der DFB in fünf Wochen gepresst, bis zum 4. Juli soll die reguläre Saison beendet werden, anschließend die Relegation des Tabellendritten mit dem 16. der Zweiten Liga durchgezogen werden.

© Sz.de/schm

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