SSV Jahn Regensburg:In die Relegation reingegurkt

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Der SSV Jahn, hier Dominik Kother (links) gegen Calogero Rizzuto, verlor zum Drittliga-Abschluss 0:1 gegen Saarbrücken. (Foto: Sascha Janne/Imago)

Nach einer schwarzen Serie im Saisonfinale muss der SSV Jahn Regensburg gegen Wehen Wiesbaden um den Aufstieg in die zweite Liga kämpfen. Spieler und Trainer versuchen dennoch, Zuversicht zu verbreiten.

Von Linus Freymark, Regensburg

Es ist sechs Wochen her, dass Achim Beierlorzer eine klare Botschaft an seine Mannschaft ausgegeben hat. Sein SSV Jahn Regensburg hatte gerade ein 1:1 gegen den TSV 1860 München erkämpft und stand fünf Spieltage vor dem Saisonende auf Platz zwei. Sechs Punkte Vorsprung galt es auf den Relegationsplatz zu verteidigen, und der Geschäftsführer Sport erklärte im Bayerischen Fernsehen, man müsse im Saisonfinale eine "Endserie" schaffen, um den Aufstieg perfekt zu machen. Denn in der dritten Liga habe sich gezeigt: Nur wer zum Abschluss der Saison eine Siegesserie hinlegt, schafft es in die höhere Spielklasse.

Eine Serie haben die Oberpfälzer seitdem tatsächlich hingelegt - allerdings nicht die, die Beierlorzer im Fernsehstudio im Sinn hatte. Denn dem Jahn ist in den vergangenen fünf Partien kein Sieg mehr gelungen. Den direkten Aufstiegsplatz haben die Regensburger nach einem 0:1 gegen den 1. FC Saarbrücken am letzten Spieltag endgültig an Preußen Münster abgetreten.

Die Rückkehr in Liga zwei ist für den Jahn somit nur noch über die Relegation gegen Wehen Wiesbaden möglich. Und so fällt die Einordnung dieser Spielzeit nicht gerade leicht. Denn nach dem Abstieg aus der zweiten Liga mussten Beierlorzer und Trainer Joe Enochs ein fast komplett neues Team zusammenstellen, lediglich die Außenverteidiger Benedikt Saller und Konrad Faber blieben dem Jahn nach dem Gang in Liga drei als Identifikationsfiguren erhalten.

Zunächst sah alles danach aus, dass die Verantwortlichen mit der Spielerauswahl den Grundstein für den direkten Wiederaufstieg gelegt hätten. Die Jahnelf marschierte von Sieg zu Sieg und überwinterte als Tabellenführer - trotz des Todes von Agyemang Diawusie, der Ende November mit 25 Jahren an einer Herzmuskelentzündung starb. Der Tod des Offensivspielers traf alle in Regensburg schwer, noch immer rufen die Fans seinen Namen, wenn der Stadionsprecher die Aufstellung verliest. Seit der Winterpause konnte die Jahnelf jedoch nicht mehr an den sportlichen Erfolg anknüpfen. Von den zurückliegenden 13 Spielen gewannen die Oberpfälzer nur zwei, den Abschluss dieser Negativserie bildete nun die Heimniederlage gegen Saarbrücken.

In der Rückrundentabelle wird die Jahnelf auf Platz 18 geführt

Unter dieser Bilanz hat die Regensburger Zuversicht zuletzt naturgemäß gelitten. Trainer Joe Enochs hatte vor dem Spiel gegen Saarbrücken zwar erklärt, er sei "unheimlich stolz auf diese Saison". Im vergangenen Sommer habe man von einem Tabellenplatz, wie man ihn nun innehat, "geträumt". Doch bei all dem Optimismus schwingt stets die Enttäuschung darüber mit, dass es nach dem fulminanten Saisonstart nun eben doch nicht für den direkten Aufstieg reicht.

Anstatt sich gegenseitig mit Weißbier zu übergießen, waren Spieler und Trainer am Samstagnachmittag in den Katakomben des Jahnstadions also damit beschäftigt, sich trotz des für alle Beteiligten unerklärlichen Einbruchs in der vielfach beschworenen "Crunchtime" der Saison Mut zuzusprechen für die beiden alles entscheidenden Partien gegen Wiesbaden. Dass auch das letzte reguläre Saisonspiel verloren ging, erschwerte diese ohnehin nicht einfache Aufgabe zusätzlich.

Ein Sieg zum Abschluss wäre schließlich "wichtig gewesen", befanden die beiden Verteidiger Benedikt Saller und Robin Ziegele unisono. Nun sei man in die Relegation "reingegurkt", erklärte Saller, anstatt sich neues Selbstvertrauen für die Partien gegen Wiesbaden zu holen. Einen viel treffenderen Ausdruck hätte der Außenverteidiger an dieser Stelle kaum wählen können: In der Rückrundentabelle wird die Jahnelf auf Platz 18 geführt - punktgleich mit der abgestiegenen Reserve des SC Freiburg.

Gleichwohl versuchte sich Enochs nach der erneuten Pleite am Samstag in Optimismus. Man habe nach wie vor die Gelegenheit, in der kommenden Saison eine Liga höher zu spielen, erklärte er. "Ich sehe halt die nächsten beiden Spiele als Chance", gab der Fußballlehrer zu Protokoll, dem nun qua Berufsbezeichnung die Aufgabe zufällt, seine zuletzt so uninspiriert agierende Mannschaft bis zum Freitag wieder in die Spur zu bringen. Doch auch Enochs konnte nicht über die zuletzt ernüchternden Auftritte hinwegsehen. Ja, er könne die Enttäuschung der Anhänger nachvollziehen, gab er zu - allerdings nicht ohne auf die nach wie vor bestehende Möglichkeit des Aufstiegs hinzuweisen.

Damit das klappt, müssen die Regensburger am Freitagabend sowie am darauffolgenden Dienstag irgendwie zurück zu ihren Automatismen aus der ersten Saisonhälfte finden. Man brauche die "Überzeugung aus der Hinrunde", erklärte Saller. Gelingt das, würde man sich in Regensburg deutlich leichter mit der Bewertung dieser Spielzeit tun. Und die von Beierlorzer ausgemachte Notwendigkeit einer Siegesserie zum Saisonfinale wäre widerlegt. Aber damit könnte der Sportliche Leiter sicher gut leben.

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