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Dritte Liga:"Elf Spiele in so kurzer Zeit sind in Deutschland sehr, sehr neu", sagt Köllner

Dass die Anhänger mit pochenden Herzen vor den Bildschirmen sitzen werden, ändert allerdings nichts daran, dass die sportliche Ungewissheit nach der langen Pause bei Sechzig - wie bei allen anderen Klubs - groß ist. "Ich hoffe, dass wir annähernd wieder an das Niveau herankommen, das wir vor der Corona-Krise gespielt haben - aber ich weiß es nicht", sagte Köllner, dessen Mannschaft vor der Zwangspause 14 Spiele in Serie unbesiegt geblieben war und auf Rang sechs nur zwei Punkte Rückstand zu den Aufstiegsplätzen hat. "Auf meiner einen Schulter sitzt ein Teufelchen und will mir einreden: Das reicht noch nicht ganz, ihr seid noch nicht bereit", berichtete Köllner: "Auf der anderen Schulter sitzt ein Engelchen und sagt: Ihr seid gut unterwegs, ihr werdet richtig gut aufspielen." Er versuche nun, "das Teufelchen immer weiter nach unten zu drücken, damit es am Ende irgendwann mal die Klappe hält".

Wenn das Teufelchen so richtig fies ist, könnte es auch darauf hinweisen, dass allein der Spielrhythmus die gewohnten Machtverhältnisse in der 3. Liga durcheinanderwirbeln könnte. "Elf Spiele in so kurzer Zeit sind in Deutschland sehr, sehr neu, das kennt noch keiner", sagte Köllner: "Das ist eine Menge Holz, da brauchen wir einen breiten Kader und viele Optionen." In dieser Hinsicht sieht der Trainer sein Team aber im Vorteil, der Kader ist relativ groß, und zudem trifft es sich gut, dass bis auf Verteidiger Aaron Berzel alle Spieler zur Verfügung stehen.

Viele im Umfeld rechnen mit einer überaus erfolgreichen Restsaison. Weil die Löwen vor der Pause eine derartige Erfolgsserie hingelegt hatten. Weil sie schneller und fokussierter in den Trainingsbetrieb eingestiegen sind als die meisten Konkurrenten. Und auch bloß wegen der Euphorie des Restarts. Ähnlich optimistisch ist die Gefühlslage allerdings beispielsweise auch in Unterhaching oder in Ingolstadt. "Alle setzen einen Sieg voraus", hat Köllner vor dem Spitzenspiel gegen Duisburg festgestellt, "aber den kann ich nicht garantieren." Schlimmer noch: "Ich kann auch keinen Aufstieg garantieren." Er könne nur "garantieren, das die Mannschaft ans Limit geht".

Das hörte sich dann plötzlich doch wieder so an wie vor einem ganz normalen Fußballspiel. Doch der größte Sieg des TSV 1860 München ist bereits, dass das Spiel beginnt.

© SZ vom 30.05.2020/tbr
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