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3. Liga:Rechnung abgelehnt

Der Deutsche Fußball-Bund und die abbruchwilligen Drittligisten streiten sich weiter: In Magdeburg ist im Testlabor kein Kurierfahrer abkömmlich, Mannheim fordert vom Verband 21 000 Euro für Masken und Desinfektionsmittel.

Rede und Widerrede, Wortklaubereien, Androhung juristischer Schritte - die Schlammschlacht zwischen einem Teil der Fußball-Drittligisten und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) hat auch am Tag vor dem virtuellen Bundestag des DFB am Montag kein Ende gefunden. Der Riss, der durch die Liga hinsichtlich einer Fortsetzung beziehungsweise eines Abbruchs der Saison geht, wird tiefer und so schnell nicht zu kitten sein. Er gipfelte am Wochenende in der Aussage von Magdeburgs Sportlichem Leiter, Mario Kallnik, die Saison nur unter Vorbehalt zu Ende zu spielen. Ungeachtet dessen haben alle Vereine trotz der unterschiedlichen Verfügungslagen der regionalen und kommunalen Politik in den Bundesländern die Vorbereitungen auf den Neustart aufgenommen. Ob der wirklich am Pfingstwochenende stattfindet, vermag vor dem Bundestag am Montag aber niemand zu sagen.

Mit Unverständnis hatte Kallnik am Samstagabend auf die Veröffentlichung und den Tonfall einer DFB-Erklärung vom Samstagvormittag reagiert. Er sagte, einige DFB-Worte gehörten "da nicht hinein" und begründete, warum der Verein am Freitag sowie am Mittwoch keine der vorgeschriebenen Corona-Tests machen ließ beziehungsweise machen konnte. Zum einen sei am Freitag kein vom Test-Labor zu stellender Kurierfahrer abkömmlich gewesen, zum anderen habe der Klub für Mittwoch keinerlei Sinn in einem Test gesehen, da der Verband am Dienstag per Mail den Wiederbeginn auf unbestimmte Zeit ausgesetzt hatte. Den Verzicht auf diesen Test hatte der DFB den Magdeburgern in scharfem Ton vorgehalten.

"Wenn wir jetzt in ein Hotel gehen, wissen wir nicht: Ist einer infiziert oder nicht?"

Kallnik verbat sich die Aussage, die Magdeburger Interpretation des Hygienekonzeptes des DFB sei ein "Irrtum". Man habe sich daran orientiert, wie es bei den Erst- und Zweitligaklubs gelaufen sei. Diese hatten zwei Testreihen, bevor sie ins Quarantäne-Trainingslager einzogen. "Allein das Wort Quarantäne sagt doch, dass ich etwas schütze oder beschütze. Wenn wir also jetzt in ein Hotel gehen, wissen wir nicht: Ist einer infiziert oder nicht? Also ist es ein normales Trainingslager und kein Quarantäne-Trainingslager", sagte Kallnik. Er forderte für einen Neustart der dritten Liga einigermaßen vergleichbare Bedingungen für alle Klubs. Diese seien nur gegeben, wenn auch der 1. FCM zwei bis drei Wochen Mannschaftstraining absolvieren könne. "Das ist weit und breit nicht in Sicht, sondern nur ein paar Tage. Das kritisieren wir und werden uns weitere juristische Schritte vorbehalten", sagte Kallnik.

Auch die von Waldhof Mannheim ausgestellte Rechnung über 21 000 Euro für Desinfektionsmittel, Masken und Arbeitszeit des Hygienebeauftragten kanzelte der Fußball-Bund ab. Am 15. Mai sei nach Abstimmungen zwischen dem baden-württembergischen Kultus- und Sozialministerium seitens beider Behörden bestätigt worden, dass die Kosten der mit dem Hygienekonzept verbundenen Maßnahmen von den einzelnen Vereinen zu tragen sind, hieß es vom Verband am Samstag. Zur Begleichung dieser Kosten würden den Klubs der dritten Liga auch die Unterstützungsgelder der DFL zur Verfügung gestellt.

Der Hinweis zum Hygienekonzept von Benjamin Koppe (CDU), Leiter des Krisenstabes der Stadt Jena, prallte beim DFB ebenso ab. Koppe hatte der Ostthüringer Zeitung gesagt, dass "die Regeln während einer Pandemie Regierungen und Gesundheitsbehörden aufstellen, nicht der DFB". Er habe diesen Fakt "in keinerlei Weise" angezweifelt, erklärte der Verband. Aber er sei für die Regelung des Spielbetriebs in der dritten Liga zuständig. "In den Statuten ist dabei - unabhängig von der Corona-Krise - festgelegt, dass Klubs, deren Stadion nicht zur Verfügung steht, eine Ausweichspielstätte zu benennen haben."

In Jena ist das Mannschaftstraining erst wieder ab dem 5. Juni erlaubt. Carl Zeiss zieht nun vor der geplanten Wiederaufnahme des Spielbetriebs gegen den Chemnitzer FC (31. Mai, 17 Uhr) eine Verlegung der Partie auch nach Nordrhein-Westfalen in Betracht. Wie die Thüringer mitteilten, haben sie bei allen westdeutschen Drittligisten angefragt. Damit solle auch dem nächsten Spielort Rechnung getragen werden, Jena muss am 3. Juni beim MSV Duisburg antreten. An diesem Montag bezieht der Klub in Leipzig zunächst sein Quarantäne-Trainingslager.

© SZ vom 25.05.2020 / dpa, sid

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