3. Liga:Kaninchen ohne Kraft

1. FC Magdeburg v Wuerzburger Kickers - 3. Liga

Es herbstelt: Torsten Ziegner steht bei den Würzburger Kickers zumindest infrage.

(Foto: Ronny Hartmann/Getty Images)

Würzburg unterliegt Wiesbaden mit 0:4 Toren. Das Projekt Wiederaufbau ist damit so gut wie gescheitert.

Von Sebastian Leisgang

Da wäre man ja schon ganz gerne dabei gewesen. Wie war es wohl, als sich Sebastian Schuppan am Samstag in sein Auto setzte und sich nach dem 0:4 gegen den SV Wehen Wiesbaden auf den Heimweg machte? Hat der Sportvorstand der Würzburger Kickers die Tür vor lauter Wut zugehauen? Hat er dann, als er auf der Straße war, sicherheitshalber schon mal ein paar Trainernummern gewählt, um in Erfahrung zu bringen, wer denn infrage käme, falls es möglicherweise eventuell vielleicht und unter gewissen Umständen nicht mehr weitergehen sollte mit Torsten Ziegner? Oder hat Schuppan bloß ein bisschen Radiomusik gehört, um auf andere Gedanken zu kommen?

Besonders gut, zumindest das steht fest, war Schuppan jedenfalls nicht gelaunt. Die Kickers hatten ein derart ernüchterndes Drittligaspiel abgeliefert, dass auch Ziegner nichts anderes mehr einfiel, als den Vortrag seiner Mannschaft "total unerklärlich" zu nennen. Wozu sein Team eigentlich imstande ist, hatte es ja gerade einmal sieben Tage zuvor gezeigt. Beim 2:1 in Magdeburg feierten die Kickers zwar erst ihren ersten Saisonsieg, sie spielten aber so gut, dass Schuppan auf dem Heimweg allen Grund gehabt hätte, zur Radiomusik aus voller Kehle mit einzustimmen.

Nur eine Woche später kommt man nicht mehr umhin, laut über Ziegners Position nachzudenken. Miserable Stimmung, gerade einmal sieben Punkte aus den ersten zehn Spielen und Leistungen, die der dritten Liga nicht würdig sind: Die Kickers sind an einem Punkt angelangt, an dem sie in der jüngeren Klubgeschichte viel zu oft angelangt sind.

In Würzburg wird schon fast traditionell im Herbst der Trainer gewechselt, es wird eng für Torsten Ziegner

In den vergangenen Jahren hat man sich ja fast schon daran gewöhnt, dass Würzburg im Herbst den Trainer austauscht. Eine schöne Tradition ist das, man weiß dann immer, dass es bald wieder Zeit ist für die kuscheligen Pullover und dass es nicht mehr lange dauert, bis in den Autoradios Weihnachtslieder gespielt werden. Vor zwölf Jahren war es Dieter Wirsching, der im Herbst an den Dallenberg kam und den Kickers später in seiner zweiten Amtszeit mit dem Aufstieg in die Regionalliga den Weg in den professionellen Fußball bereitete. Im Herbst vor vier Jahren war es dann Michael Schiele, der auf Stephan Schmidt folgte und die Kickers zu einem Zweitligisten machte, ehe er selbst, wie könnte es anders sein, im Herbst gehen und seinen Posten Marco Antwerpen überlassen musste, der den Kickers anstelle eines Weges bloß eine Menge Chaos bereitete.

Die Frage, ob sich Ziegner in diese Riege einreiht, ist noch nicht beantwortet, seit Samstag ist sie aber drängender denn je. "Wir müssen uns schleunigst darüber unterhalten, wie es sein kann, dass wir von der Art und Weise her so auftreten", sagte Ziegner und fühlte sich beim Spiel seiner Mannschaft an ein "Kaninchen vor der Schlange" erinnert. Ohne Körpersprache, ohne Konzept, ohne Kraft, so präsentierte sich Würzburg gegen Wiesbaden. Obwohl es zur Halbzeit noch 0:0 stand, musste man ernsthaft bezweifeln, dass die Kickers noch Luft nach unten haben - nach den 90 Minuten wusste man, dass diese Zweifel nicht berechtigt waren.

Das Versprechen eines Neuanfangs, das Versprechen attraktiven Fußballs, das Versprechen besserer Tage, es ist auch nach drei Monaten mit Ziegner noch nicht eingelöst. Im Gegenteil, das Projekt Wiederaufbau ist schon jetzt so gut wie gescheitert. Nun muss sich Schuppan der einen oder anderen Grundsatzfrage stellen. Die erste lautet: Geht's noch mit Ziegner?

© SZ/toe/lib
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