TSV 1860 München:Pfiffe und wütende Schreie

Lesezeit: 3 min

Marco Hoeger 37 (SV Waldhof Mannheim), Sascha Moelders 9 (TSV 1860 Muenchen), TSV 1860 Muenchen vs. SV Waldhof Mannheim

Teilweise defensiv überfordert: Mannheims Marco Höger (links) spielt locker vorbei am gestreckten Bein von Münchens Sascha Mölders.

(Foto: Ulrich Gamel/kolbert-press/imago)

Im womöglich letzten Spiel des Jahres vor Zuschauern verliert der TSV 1860 München zu Hause gegen Waldhof Mannheim. Das wirft die Frage auf, ob die Mannschaft für den Kampf um die zweite Liga personell gut genug bestückt ist.

Von Christoph Leischwitz

Womöglich war die Partie am Dienstagabend im Grünwalder Stadion die letzte des Jahres, die in München vor Publikum stattfand. Doch spätestens zum Halbzeitpfiff dürften sich die Sechziger unten auf dem Feld schon ein Geisterspiel herbeigesehnt haben: Pfiffe und wütende Schreie waren da zu hören von drei Seiten, dazu Jubel aus dem Gästeblock.

Es ist schon lange her, dass die Löwen vor heimischem Publikum derart hergespielt wurden wie in diesem Nachholspiel gegen Waldhof Mannheim - ein Spiel, auf dem die Hoffnung gelegen hatte, dass die Sechziger die eigenen Ansprüche in den Tabellenspiegel transferieren würde. Stattdessen stagnieren sie nach der 1:3 (0:2)-Niederlage im Mittelfeld. Zwar konnte sich die Mannschaft in der zweiten Hälfte deutlich steigern, doch die Abwehrleistung warf die Frage auf, ob die Mannschaft für den Aufstiegskampf tatsächlich personell gut genug bestückt ist; und Linksverteidiger Phillipp Steinhart wird zudem am Samstag gegen Tabellenführer Magdeburg wegen seiner fünften gelben Karte fehlen. "Wir haben eine schlechte erste Halbzeit gespielt, wir sind auch mit dem Wind nicht klargekommen", kommentierte Trainer Michael Köllner bei Magentasport.

Mit zunehmender Spieldauer wurde die Verunsicherung der Sechziger immer sichtbarer, erstmals zu sehen war sie aber schon nach einer halben Minute: Da unterlief Innenverteidiger Semi Belkahia sein erster Patzer, den Torwart Marco Hiller aber noch ausbügeln konnte. Abgesehen davon, dass Belkahia einmal einen Ball auf der Linie klärte (17.), war der 22-Jährige völlig von der Rolle, ließ sich mehrmals überlaufen und hatte Abstimmungsprobleme mit Nebenmann Stephan Salger.

Ironischerweise fiel die Mannheimer Führung unmittelbar nach der besten Chance der Sechziger, als Salger in einem Getümmel im gegnerischen Strafraum den Ball nicht voll traf (12.) - auf der Gegenseite zog nur Sekunden später Routinier Marc Schnatterer vom Strafraumrand ab und traf perfekt ins Kreuzeck (13.). Sieben Minuten später erhöhte Dominik Martinovic - ein demütigendes Tor, das Mannheims Marco Höger nach einem Eckball per Hacke am Fünfer stehend auf den Weg gebracht hatte (20.).

Erst zur Pause nimmt Köllner den völlig überforderten Belkahia vom Feld

Angriff um Angriff rollte in den Münchner Strafraum, doch Trainer Michael Köllner sah sich die Hilflosigkeit seiner Mannschaft lange Zeit scheinbar emotionslos an. Erst zur Pause nahm er den völlig überforderten Belkahia vom Feld und ersetzte ihn durch Quirin Moll - angesichts der schnellen Mannheimer Angreifer auch keine Ideallösung, der 30-Jährige gilt weder als sprint- noch als formstark, er saß zuletzt meist auf der Bank.

Allerdings wurden Moll und Salger fortan völlig überraschend kaum gefordert. Sechzig verlagerte das Spiel plötzlich in die gegnerische Hälfte. Zunächst blieben die Abschlüsse noch glücklos - Richard Neudecker verzog knapp (49.), Merveille Biankadi sehr deutlich (62.), spätestens in der 66. Minute aber dürften sich die Löwen unten auf dem Feld gewünscht haben, das Stadion sei bis zum letzten Platz gefüllt. Da zog Neudecker flach und eher harmlos aus der Distanz ab, doch der Ball rutschte Mannheims Keeper Timo Königsmann durch die Beine. Mit dem 1:2 wurde die Partie schlagartig spannend und hitzig, Schnatterer legte sich mit Gegenspielern, Trainer Köllner und den Zuschauern an, ein taktisches Theater, das aber offenbar nur die Mannheimer selbst aus dem Konzept brachte. Jedenfalls verschuldete Anton-Leander Donkor slapstickartig einen Handelfmeter (72.). Den Ball legte sich dann etwas überraschend der eingewechselte Keanu Staude auf den Punkt - und vergab mit einem schwachen Schuss (73.).

"Hinten raus haben wir klare Dinger liegen lassen", ärgerte sich Köllner, man hätte das Spiel durchaus noch drehen können. Doch die verbissenen, aber ungefährlichen Angriffe der Sechziger konterte Mannheim in der Nachspielzeit mit einem Tor nach einer Drei-gegen-eins-Situation, Martinovic überlupfte Hiller zur Entscheidung. Dann wurde es still im Stadion. Wohl für ziemlich lange Zeit.

Zur SZ-Startseite
RB Leipzig - Bayer Leverkusen

Bundesliga
:Bayerns Geister preschen vor

Nach Sachsen will auch Bayern wieder Fußballspiele vor leeren Tribünen anordnen - andere Bundesländer könnten folgen. Manche Bundesligisten fürchten schon jetzt wirtschaftliche Schäden.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB