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TSV 1860 München:Wende nach dem Böllerschuss

26.02.2021, xemx, Fussball 3.Liga, TSV 1860 Muenchen - Svpgg Unterhaching emspor, v.l. Sascha Moelders (TSV 1860 Muench

Kunst im Getümmel: Sascha Mölders' akrobatischer Treffer in der 66. Minute.

(Foto: Eduard Martin/Jan Huebner/Imago)

Der TSV 1860 München entscheidet das Drittliga-Derby gegen Unterhaching 3:1 für sich. Höhepunkte des Abends: ein Fallrückzieher von Sascha Mölders.

Von Christoph Leischwitz

Es war dann doch mal wieder voll geworden in der Westkurve des Grünwalder Stadions, wenngleich es dort so leise blieb wie immer: Für das Drittliga-Derby gegen die SpVgg Unterhaching hatten Dutzende Fangruppen ihre Banner als legale Abgesandte an die Wellenbrecher gehängt. Pünktlich zur 60. Spielminute, die in normalen Zeiten im Stadion mit Gesängen eingeläutet wird, wurde es dann sogar auch noch laut: Rund ums Stadion gingen Böller hoch, Blitze zuckten durch den Abendhimmel. Davor hatte sich der klare Favorit in diesem Spiel schwergetan, nach den Böllern aber lief es: Mit einem Fallrückzieher von Sascha Mölders (66.) und einem raffinierten Treffer von Stefan Lex (80.) siegten die Löwen 3:1 (1:0).

Die Sechziger sind damit dran an den Aufstiegsrängen, für Haching wird ein Nichtabstiegsplatz nach dem nun eingeböllerten 26. Spieltag wohl noch ferner rücken. Die Hachinger ärgerten sich nach ordentlicher Leistung noch mehr als bei den sechs Niederlagen zuvor: "Wenn ich an die Gegentore denke, könnte ich hier ins Gitter reinbeißen", sagte Hachings Kapitän Markus Schwabl nach dem Spiel.

Die Sechziger hatten umgestellt: In einer Dreierkette gab der 18-jährige Niklas Lang sein Drittliga-Debüt. Kurzfristig fiel Daniel Wei aus, der sich beim Aufwärmen verletzt hatte, für ihn stand Erik Tallig in der Startelf. Gemessen an früheren Derbys zwischen diesen beiden Teams zeigte Haching aber über weite Strecken eine couragierte Leistung. Es dauerte zwar fünf Minuten, ehe die etwas schüchternen Hachinger überhaupt einmal in der Hälfte der Sechziger auftauchten, dann aber sah das Spiel der Vorstädter zielstrebiger aus. Luca Marseiler setzte mit Sololäufen auf der linken Angriffsseite sich selbst und seine Mitspieler immer wieder in Szene.

So kam es auch zur ersten guten Gelegenheit, als Felix Schröter volley vom Strafraumrand abzog, Sechzigs Torwart Marco Hiller lenkte den Ball mit beiden Fäusten über die Latte (5.). Kurze Zeit später vergab Felix Schröter, erstmals seit Wochen wieder in der Startelf, aus guter Position, ihm war vor dem Schuss der Ball versprungen (12.). Für die Gastgeber vergab Erik Tallig die Führung, als er mit einem 30-Meter-Schuss versuchte, Hachings Keeper Jo Coppens zu überlupfen, der Ball setzte aber neben dem Tor auf (28.).

Für Unterhaching sind die Aussichten nach einer weiteren Niederlage wenig erfreulich

Wieder einmal spielte Haching also gut mit, wieder einmal geriet die Mannschaft von Arie van Lent in Rückstand: Bei einem Freistoß von der linken Seite behinderten sich mehrere Hachinger gegenseitig, Coppens faustete den Ball direkt zu Dennis Erdmann, der mit einem strammen Schuss zum 1:0 versenkte (38.). Gleich nach der Pause hätte Tallig nachlegen können, als Christoph Greger einen fatalen Querpass durch den eigenen Strafraum spielte, der 21-Jährige jagte aber den Ball ans Lattenkreuz (51.). Trotz der regelmäßigen individuellen Fehler dem war der zwischenzeitliche Ausgleich für Unterhaching durchaus verdient. Ähnlich wie bei der Führung der Sechziger stand erneut ein Abwehrspieler genau richtig, um einen Abpraller im Netz zu versenken, diesmal war es Robert Müller aus kurzer Distanz (57.).

Dann aber riss der Favorit das Spiel an sich, Sechzig wirkte in der Schlussphase frischer. Mölders Fallrückzieher war eine erneute Unsicherheit Coppens vorausgegangen, der sich bei einer hohen Flanke verschätzte - Sechzigs Angreifer legte sich das sehenswerte Tor selbst mit dem Kopf auf. Das entscheidende 3:1 war ein Abspielfehler in der Sechziger Spielhälfte von Stephan Mensah. Phillipp Steinhart scheiterte zunächst an Coppens, beim zweiten Versuch hielt Lex genau im richtigen Moment seinen Fuß in einen Schuss von Mölders.

"Es war ein sehr intensives Spiel, kurz stand es Spitz auf Knopf, deshalb sind wir glücklich", sagte Torschütze Mölders. Auf der Tribüne jubelte seine Ehefrau. Mölders wies bei Magentasport darauf hin, dass sie zum letzten Mal beim Hinspiel in Unterhaching dabei gewesen war - und da hatte er beim 2:0-Sieg auch getroffen.

© SZ/bkl
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