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1860 München:"So wie wir im Moment drauf sind, ist alles möglich"

Bild in neuer Seite öffnenv.li.: Richard Neudecker (TSV 1860 München, 31) Phillipp Steinhart (TSV 1860 München, 36) mit Torjubel, Jubel, Torjubel

Torschützen unter sich: Richard Neudecker (links) und Phillipp Steinhart.

(Foto: Sven Leifer/foto2press/imago)

Mit dem 3:0 gegen Kaiserslautern rückt der Aufstieg für die Löwen näher. Auf der Tribüne herrscht schon ein wenig Finalstimmung - nur Trainer Köllner bleibt bescheiden.

Von Christoph Leischwitz

Ein paar Minuten nach dem Schlusspfiff, die Spieler waren schon in der Kabine, war im Grünwalder Stadion entferntes Hupen von draußen zu hören, so als ob ein paar Sechzig-Fans versuchten, der Stadt mitzuteilen: Der Aufstieg rückt näher. Tatsächlich hat sich der TSV 1860 München (64 Punkte) am Dienstagabend schon einmal auf den Relegationsrang drei in der dritten Liga gespielt, dank eines souveränen 3:0 (1:0)-Erfolges gegen den abstiegsbedrohten 1. FC Kaiserslautern. Und auch, weil zeitgleich alle anderen Favoriten Punkte liegen ließen: Spitzenreiter Dynamo Dresden (66 Punkte) spielte beim Aufsteiger SC Verl nur 0:0. Der FC Ingolstadt (64) lag dank eines Treffers von Dennis Eckert Ayensa im Spitzenspiel beim Zweiten Hansa Rostock (66) zwar zwölf Minuten lang in Führung; doch John Verhoek glich in der 69. Minute zum 1:1-Endstand aus. Für die Löwen ist drei Spieltage vor Schluss selbst der erste Platz nur noch zwei Punkte entfernt. Trainer Michael Köllner sprach nach der Partie zwar immer noch davon, erst einmal Platz vier (!) abzusichern. Doch Abwehrspieler Phillipp Steinhart, mit zwei Toren Mann des Abends, traute sich bei Magentasport zumindest schon einmal zu sagen: "So wie wir im Moment drauf sind, ist alles möglich."

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Die Fans hatten schon vor dem Spiel Präsenz gezeigt: Wenige Meter vor dem Stadion hielten sie den Mannschaftsbus auf, sangen und klopften gegen die Scheiben. Die Löwen waren im Traditionsduell gegen die Pfälzer von Beginn an überlegen. Und sie hätten nach knapp vier Minuten schon in Führung gehen können. Erik Tallig war nach einer Hereingabe am entfernten Pfosten völlig freistehend an den Ball gekommen, zögerte mit dem Abschluss aber lange, im Nachsetzen schoss Kapitän Sascha Mölders den Ball aus spitzem Winkel knapp über die Latte. Schnell wurde auch deutlich: Die Nervosität auf der Haupttribüne hatte schon ein wenig von Finalstimmung. Jede gute Aktion, jeder Fehler wurde von den Funktionären des Vereins lauthals kommentiert.

So war es auch nicht verwunderlich, dass sich in der neunten Spielminute besonders lauter, lang anhaltender Protest regte: Lauterns Adam Hlousek zog unmittelbar vor dem Tor am Trikot von Stephan Salger. Der Abwehrspieler fiel zu Boden, doch der Elfmeterpfiff blieb aus. Mölders setzte nach Neudecker-Flanke im Zweikampf mit Lauterns Torhüter Matheo Raab einen Kopfball knapp neben das Tor (25.) - Raab ersetzte den erkrankten Stammtorwart Avdo Spahic.

Phillipp Steinhart trifft per Elfmeter - und mit einem abgefälschten Schuss

Wenn Kaiserslautern überhaupt eine Chance hatte, dann wegen Nachlässigkeiten der Sechziger. So klärte Semi Belkahia mit einer gefährlichen Grätsche zur Ecke, als Torwart Marco Hiller den Ball in die Beine des früheren Löwen Marvin Pourié spielte (30.). Es folgten zwei Eckbälle für die Gäste, für einen kurzen Moment schien das Spiel zu kippen - aber dann ging Sechzig nach einem Konter doch in Führung: Merveille Biankadi passte genau in den Lauf von Richard Neudecker, der schirmte den Ball gut gegen seinen Verfolger ab und überwand Raab mit einem Lupfer, der direkt neben dem rechten Pfosten ins Netz fiel (31.).

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Kurz nach Wiederanpfiff bekamen die Sechziger dann einen Foulelfmeter zugesprochen: Mölders legte sich freigespielt den Ball genau so in den Lauf, dass Raab fast gar nicht anders konnte, als zu hechten und den Angreifer am Bein zu erwischen. Steinhart, der zuletzt zwei Elfmeter vergeben hatte, verwandelte mit verzögertem Anlauf souverän (52.). Die Sechziger ruhten sich nicht auf der Führung aus, sondern setzten die Gäste in deren eigener Hälfte permanent unter Druck. Mangelhaft war in dieser Phase lediglich die Chancenverwertung: Mölders etwa scheiterte nach einem Ballgewinn vor dem Tor im Eins-gegen-eins gegen den Ersatzkeeper und schob den Ball knapp vorbei (63.).

Auch wenn das 3:0 ein Zufallsprodukt war - Steinhart traf mit einem abgefälschten Schuss (69.) -, so war die Führung auch in dieser Höhe hochverdient. Kurz nachdem der Lauterer Marvin Senger, von Mölders bedrängt, beinahe zum 4:0 ins eigene Tor geköpfelt hätte, konnte sich Sechzigs Trainer Köllner den Luxus leisten, drei Routiniers vorzeitig vom Platz zu nehmen und neben Dennis Erdmann und dem 18-jährigen Niklas Lang auch dem jungen Lorenz Knöferl zu seiner Volljährigkeit ein paar Drittliga-Minuten zu schenken - Knöferl wurde am Dienstag 18 Jahre alt.

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"Kein Spiel auf Augenhöhe", lobte Köllner seine Mannschaft, "überzeugende Leistung, richtig starkes Spiel". Doch laut wurden am Dienstag nur Funktionäre und Fans, der Trainer blieb bescheiden.

© SZ/lein