26 Jahre Ferguson bei Manchester United:Als der Torwart noch Rückpässe aufnahm

26 Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Während Ferguson Manchester United coachte, wurde der Weltfußball umgekrempelt: Die Zwei-Punkte-Regel abgeschafft, Investoren enterten die Klubs, Peter Neururer trainierte 15 Klubs. Beobachtungen aus 26 Jahren.

Von Carsten Eberts

1986 war ein bewegendes Jahr. Nicht nur, weil Manchester United einen kauzigen Schotten als neuen Trainer vorstellte. Argentinien wurde Fußball-Weltmeister, Silvio Berlusconi erwarb die Aktienmehrheit beim AC Mailand, Boris Becker gewann zum zweiten Mal Wimbledon, Reinhold Messner bestieg den letzten fehlenden Achttausender. Bayer Uerdingen und Dynamo Dresden lieferten sich das "Wunder von der Grotenburg" (7:3 für Uerdingen). Ach ja, der Kauz bei Manchester United hieß Alex Ferguson. Und er blieb. 26 Jahre lang.

Viele hatten weniger Durchhaltevermögen:

  • 26 Jahre bei einem Klub, darüber kann Peter Neururer natürlich nur lachen. Peter, der Große, schaffte seit 1986 immerhin 15 Teams. Neururers Stationen zum Genießen: Westfalia Weitmar 09, Rot-Weiss Essen, Alemannia Aachen, FC Schalke 04, Hertha BSC Berlin, 1. FC Saarbrücken, Hannover 96, 1. FC Köln, Fortuna Düsseldorf, Kickers Offenbach, LR Ahlen, VfL Bochum, Hannover 96, MSV Duisburg, VfL Bochum.
  • Andere Klubs leisteten sich deutlich mehr Trainer als Manchester United. Die BBC hat nachgerechnet: Real Madrid benötigte 24 Übungsleiter, Inter Mailand 19, der FC Chelsea 18, die Bayern immerhin 14.
  • Auch nett: Gleich neun Präsidenten hatte der TSV 1860 München in dieser Zeit. Karl Heckl, Liselotte Knecht, Karl-Heinz Wildmoser, Karl Auer, Alfred Lehner, Albrecht von Linde, Rainer Beeck, Dieter Schneider, Hep Monatzeder. Letzterer bleibt auch nur noch ein paar Monate.

Der Fußball hat sich verändert:

  • Gleich mehrere Klubs galten für kurze Zeit als stilbildend. Ende der Achtziger der AC Mailand mit seinem Offensivspiel unter Arrigo Sacchi, Anfang der Neunziger Ajax Amsterdam, im neuen Jahrtausend dann der FC Barcelona mit Guardiolas Tiki Taka. Als stilbildend galt Ferguson nie. Und doch ist er der erfolgreichste Vereinstrainer der Welt.
  • Auch die Regeln des Fußballs haben sich verändert. Als Ferguson bei Manchester United begann, wurde nach der Zwei-Punkte-Regel gespielt. Pro Team durfen zwei Spieler ausgewechselt werden, Torhüter nahmen Rückpässe noch ungeniert mit der Hand auf. Auch die gelb-rote Karte gab es noch nicht. Das Golden Goal hat Ferguson miterlebt, auch das Silver Goal. Beides wurde schnell wieder abgeschafft.
  • 1986 hatte Manchester United noch keine Aktie. Auch gab es keine Investoren, die sich mal eben so einen Klub kauften. Heute ist das anders, vor allem in England: Chelsea, Manchester City, FC Arsenal, FC Liverpool, Aston Villa - all diese Klubs sind in der Hand von mächtigen Investoren. Auch ManU befindet sich seit 2005 im Besitz des amerikanischen Geschäftsmanns Malcolm Glazer.

Was in Deutschland geschah:

  • 1986 spielten der FC Homburg (heute Regionalliga), Waldhof Mannheim (ebenfalls Regionalliga) und Blau-Weiß Berlin (aufgelöst) in der Elite-Liga. Auch gab es in Deutschland vier echte Bundesliga-Dinosaurier: Hamburger SV, 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt, 1. FC Kaiserslautern. Köln, Frankfurt und Kaiserslautern stiegen anschließend immer wieder auf- und ab, nur der Hamburger SV hielt sich schadlos. Meister der Saison 1986/87 wurde - wie langweilig - auch damals schon der FC Bayern.
  • Trotzdem ist es fast ein anderer Sport, der in Deutschland mittlerweile betrieben wird. Mit einigen Jahren Verspätung wurde der Libero abgeschafft, deutsche Fußballer sind technisch so gut, dass sie mit Flanken schlagen und köpfen unterfordert sind. Im Sommer 2013 stehen sogar zwei deutsche Teams im Champions League Finale. Mehr Revolution geht kaum.
  • Auch das größte Experiment im deutschen Fußball durfte Ferguson aus der Ferne mitbeobachten. 1998 wurde plötzlich Erich Ribbeck, flankiert von Uli Stielike, neuer Teamchef der Nationalmannschaft. Der hatte nicht halb das Charisma von Ferguson, war auch nicht ein Fünfzigstel so erfolgreich. Ribbeck scheiterte bei der EM 2000, dem deutschen Fußball wurde eine Generalüberholung verordnet. Zum Glück, sagt der Fußballfan heute.

Immerhin:

  • Eines hat sich nie verändert: 1990, 1996, 1998, 2004, 2006, 2012 - immer schied die englische Nationalmannschaft bei großen Turnieren im Elfmeterschießen aus. Schön, wenn es wenigstens eine Konstante gibt. Neben dem kauzigen Sir Alex aus Manchester.
© Süddeutsche.de/gba
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