KSC in der 2. BundesligaKulturwandel in Karlsruhe

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Lässt den KSC gern offensiv spielen - und das mit Erfolg: Trainer Christian Eichner.
Lässt den KSC gern offensiv spielen - und das mit Erfolg: Trainer Christian Eichner. Maximilian Koch/Imago

Es läuft überraschend gut beim KSC: Der Zweitligist spielt sauberen Offensivfußball, sogar das notorisch kritische Publikum ist positiv gestimmt. Doch Trainer Christian Eichner wartet noch auf seinen neuen Vertrag.

Von Christoph Ruf, Karlsruhe

Das 2:2 am Sonntag zwischen dem 1. FC Magdeburg und dem Karlsruher SC in der zweiten Liga war eine spannende, mitunter hochklassige Partie. Und man tut weder den Fußballern des Tabellenzweiten (Karlsruhe) noch denen des Dritten (Magdeburg) unrecht, wenn man feststellt, dass beide Teams nicht so weit oben stünden, wenn sie nicht von zwei Trainern betreut würden, die wissen, was sie tun.

Zumindest deutet in der noch jungen Saison einiges darauf hin, dass es dem Magdeburger Christian Titz und Karlsruhes Christian Eichner gelingt, mit ihren Teams Dinge zu schaffen, die alles andere als selbstverständlich sind: Erstens spielen sie attraktiven Offensivfußball in einer Liga, die dafür nicht unbedingt prädestiniert ist. Und zweitens schneiden sie nach aktuell sechs Spieltagen weit besser ab, als es die jeweiligen Etats eigentlich hergeben. Diese liegen im Ligavergleich sowohl in Magdeburg als auch in Karlsruhe eher im unteren Tabellendrittel.

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Einen Unterschied gibt es allerdings zwischen beiden: Während Titz’ Kontrakt bereits im Januar langfristig verlängert wurde, ziehen sich die Verhandlungen zwischen Eichner und dem KSC seit Monaten hin. Eichner, der seit viereinhalb Jahren beim KSC arbeitet, den Klub in der vergangenen Saison auf Platz fünf führte und bisher 14 Punkte aus sechs Spielen holte, würde den zum Saisonende auslaufenden Vertrag grundsätzlich gerne verlängern, heißt es. Die Vereinsführung behauptet für sich das Gleiche. Die Frage, warum man dann nicht endlich Vollzug vermeldet, stellt sich umso dringender.

Bis in jüngster Vergangenheit lagen beide Parteien hauptsächlich beim Thema Vertragslaufzeit auseinander. Der KSC soll Eichner eine Verlängerung um ein Jahr angeboten haben, dem Trainer schwebt eine längerfristige Laufzeit vor. Und da wäre, neben der Gehaltsfrage, noch jene nach einer möglichen Ausstiegsklausel. In allen drei Punkten scheint man sich allerdings angenähert zu haben, nachdem Eichner im Sommer fast zum FC St. Pauli gegangen wäre. Was damals dem Vernehmen nach nicht jeder auf der Geschäftsstelle so fatal gefunden hätte wie grob geschätzt 99 Prozent der Fans.

Der Klub will die Jugend fördern – doch Eichner ist ein Trainer, der gerne auf bewährte Kräfte setzt

Schon damals schwelte hinter der Trainerfrage ein grundsätzlicher Konflikt: Beim KSC wird seit einigen Jahren strukturierter gearbeitet, das von Präsident Holger Siegmund-Schultze und Geschäftsführer Michael Becker vorgegebene Konzept ist schlüssig und sieht vor, dass der Verein stark auf den eigenen Nachwuchs setzt. Damit sollen die nötigen Ablösesummen verbucht werden, um in die Etat-Dimensionen vorzustoßen, die mittelfristig eine Zukunft in der Bundesliga ermöglichen. Auch der Bereichsleiter Sport, Sebastian Freis, der aus schwer nachvollziehbaren Gründen hierarchisch eine Ebene unter dem Geschäftsführer Becker angesiedelt ist, steht voll hinter dem Konzept.

Beim Cheftrainer könnte man hingegen zu dem Schluss kommen, dass er nicht gerade prädestiniert dafür ist, eine Mannschaft radikal zu verjüngen. Eichner ist ein Übungsleiter, der gerne auf bewährte Kräfte setzt und häufig erst dann jüngere Spieler zum Zug kommen lässt, wenn sie deutlich besser sind als die Altvorderen. So dauerte es in der vergangenen Saison bis zum 21. Spieltag, ehe David Herold, 21, den zwölf Jahre älteren Philip Heise als linken Außenverteidiger ablösen durfte. In dieser Saison ist Stürmer Fabian Schleusener, 32, gesetzt. Ob aus mangelnder Konkurrenz oder weil Eichner ihn tatsächlich so stark findet, wie er behauptet, ist fraglich.

Der 20-jährige Schlussmann Max Weiß genießt das Vertrauen des Karlsruher Trainers.
Der 20-jährige Schlussmann Max Weiß genießt das Vertrauen des Karlsruher Trainers. Robin Rudel/Sportfoto Rudel/Imago

Allerdings konnte Eichner in den vergangenen Jahren meist gut begründen, warum er auf die erfahreneren Profis setzt. Nicht selten hatte das mit deren technischen Fähigkeiten zu tun, die ihn über Tempo- oder Konzentrationsschwächen hinwegsehen ließen. Denn Eichner steht – auch das ist eine Parallele zu Titz – für unterhaltsamen, technisch sauberen Offensivfußball, wie er in dieser Konsequenz auch in der ersten Liga selten zu beobachten ist. In Karlsruhe, wo vordergründig auf den teureren Plätzen mancher Zuschauer über Jahrzehnte hinweg liebend gerne 90 Minuten lang vor sich hinschimpfte, ist mittlerweile etwas passiert, das überraschender ist, als es ein Aufstieg in den nächsten 20 Monaten wäre. Zum einen kommen zu den Spielen 10 000 Zuschauer mehr als im alten, eher unwirtlichen Wildpark. Zum anderen gibt es selbst nach Niederlagen von allen drei Tribünenseiten Applaus – nicht nur von der Fankurve, die seit dem Stadionneubau zu den lautesten der Liga zählen darf.

Freundlich-gelassene Kommentare („aber gut g’spielt hänn se“) sind neuerdings auch aus dem Mund von Menschen zu hören, die noch vor wenigen Jahren im jeweiligen Trainer den größtmöglichen Dilettanten am Werk sahen. Allein schon deshalb, weil er sonst nicht elf solch rettungslos schlechte Spieler nominiert hätte. Wenn der Klub also derzeit glaubwürdig durchblicken lässt, dass man doch auf einem guten Weg sei, dann hat das zwei Gründe.

Erstens den, dass es wirklich so ist. Und zweitens den, dass Eichner zuletzt ein paar für seine Verhältnisse mutige Schritte in Richtung Klubkonzept gemacht hat. Im Tor steht in Max Weiß ein 20-Jähriger, der erst 16-jährige Rafael Pinto Pedrosa kam beim jüngsten 2:0-Sieg gegen Schalke zu seinem ersten Einsatz bei den Profis. Und der Mann, der am Sonntag mit einem schweren Patzer das Magdeburger 1:0 einleitete, ist auch erst 21 Jahre alt: Innenverteidiger Marcel Beifus hat bei Eichner dennoch einen Stammplatz.

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