Zweite Bundesliga:Alles auf Abwehr

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Zweite Bundesliga: Hartes Ringen im Derby: Regensburgs Benedikt Gimber (links) im Clinch mit seinem früheren Teamkollegen Erik Wekesser.

Hartes Ringen im Derby: Regensburgs Benedikt Gimber (links) im Clinch mit seinem früheren Teamkollegen Erik Wekesser.

(Foto: Wolfgang Zink/Imago)

Regensburg und Nürnberg neutralisieren sich beim 0:0 im Derby dank disziplinierter Defensivleistungen. Der Jahn bleibt Tabellenführer, der Club muss die schwere Verletzung von Tim Handwerker wegstecken.

Von Stefan Galler

Immer wieder das gleiche Bild: Kurze Ballstafetten einer Mannschaft, dann hat der Gegner die nötige Überzahl geschaffen und die Angriffsaktion kommt zum Erliegen. Zweikämpfe voller Leidenschaft, Pressing, Gegenpressing, viel Action zwischen den beiden Strafräumen. Und am Ende? Ein torloses Remis zwischen dem SSV Jahn Regensburg und dem 1. FC Nürnberg, das von den beiden Trainern fast wortgleich eingeordnet wurde: "In Summe müssen und können wir mit diesem Punkt leben", sagte FCN-Coach Robert Klauß in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Und Jahn-Übungsleiter Mersad Selimbegovic befand kurze Zeit später: "Wir müssen mit diesem Ergebnis leben und können das auch."

Es war in letzter Konsequenz ein logisches Resultat in diesem Zweitligaderby, weil die Begegnung ein Musterbeispiel für eine vertraute Trainerphrase gewesen ist: "wenig zulassen". Beiden Mannschaften gelang es, diesem Leitspruch Genüge zu tun. Dabei sah es zu Beginn noch so aus, als würde der Samstagnachmittag nicht nur intensiv, sondern auch spektakulär: Der Club begann wie die Feuerwehr, obwohl Robert Klauß eigentlich die Devise ausgegeben hatte, erst einmal "defensiv stabil zu stehen", weil man vom Jahn ja wisse, dass er gerade zu Beginn viel Druck mache. "Und dann hatten wir gleich am Anfang unsere beste Phase des Spiels", bilanzierte Klauß.

"Tim hat gleich gesagt, dass etwas kaputt ist": Handwerker erleidet einen Kreuzbandriss

Einen Kopfball von Erik Wekesser, der vor der Saison von Regensburg nach Nürnberg gewechselt war, konnte Jahn-Keeper Dejan Stojanovic abwehren (4.), unmittelbar vor dieser Szene hatte sich Club-Linksverteidiger Tim Handwerker ohne gegnerische Einwirkung schwer am linken Knie verletzt. "Tim hat gleich gesagt, dass etwas kaputt ist", erklärte Klauß nach dem Spiel. Später wurde diese düstere Ahnung dann bestätigt: Der 24-Jährige hat sich das Kreuzband gerissen, er wird schon in der neuen Woche operiert und fällt monatelang aus. Ein weiterer personeller Rückschlag für die Franken, bei denen Christopher Schindler wegen muskulärer Probleme erst gar nicht im Kader stand und Mats Möller Daehli beim Aufwärmen einen Schmerz in der Muskulatur gespürt hatte und verletzt passen musste.

Doch selbst den Schock des frühen Wechsels steckte der Club weg, und er hatte durch Zugang Christoph Daferner noch eine gute Gelegenheit (12.), ehe dann auch die Regensburger mitmischten: Nach einem langen Ball von Benedikt Saller leistete sich Nürnbergs Florian Hübner einen Aussetzer, der Ball fiel vor die Füße von Andreas Albers, doch dessen Abschluss misslang (26.). "Ich war überrascht, dass der Ball so hoch geklärt wurde. Dann ist es kein einfacher Ball, du musst ihn sauber, aber trotzdem mit Kraft treffen. Leider ging er genau in die Arme des Torhüters", sagte der Jahn-Stürmer.

Die Gastgeber waren jetzt wacher, es begann die lange Phase der gegenseitigen Neutralisierung. "Wir haben eben vorne zu wenig Geradlinigkeit gezeigt, um hinter die Kette zu kommen. Aber das hat auch immer mit dem Gegner zu tun, und die haben das gut verteidigt", fand Selimbegovic. Dass sein Team nun auch im dritten Ligaspiel ohne Gegentor geblieben ist, sei "wichtig", aber eben auch die logische Konsequenz daraus, dass seine im Vergleich zur Vorsaison personell deutlich veränderte Mannschaft gut gegen den Ball arbeite: "Wir stressen den Gegner, so dass der nicht befreit aufspielen kann. Dazu ist die Bereitschaft von allen nötig." Und genau die werfe beim Jahn momentan eben jeder in die Waagschale.

"Wenn du zu viel Personal nach vorne schickst, kann das schnell in die Hose gehen", sagt Jahn-Coach Selimbegovic

Andererseits fehle es vorne bisweilen an Durchschlagskraft, gegen Nürnberg hatte der Jahn zwar das Spiel in Durchgang zwei unter Kontrolle, jedoch auch nur noch eine einzige weitere Torchance: Abermals Albers scheiterte mit einem Drehschuss an Mathenia (82.). "Insgesamt war es eine ausgeglichene Partie, in der keiner ins Risiko gehen wollte, weil beide wussten: Wenn du aufmachst und zu viel Personal nach vorne schickst, kann das schnell in die Hose gehen", sagte Selimbegovic.

Dass das Bollwerk der Nürnberger, die selbst ebenfalls nur noch einen Abschluss durch Daferner hatten (58.), letztlich standhielt, lag auch am starken Debütanten James Lawrence. Der 29-jährige Waliser, der vom FC St. Pauli an den Valznerweiher wechselte, ersetzte den verletzten Schindler in der Zentrale und holte sich hernach viel Lob ab - namentlich von Trainer Klauß ("Super Spiel, agil im Zweikampf") und von Torwart Mathenia ("Man hat auch gemerkt, wie er sich unter der Woche viel Mühe gegeben hat. Er hat viel Erfahrung auf dem Buckel").

Jetzt gilt beim Club die volle Konzentration dem Heimspiel am Freitag gegen Heidenheim, während man bei den Oberpfälzern den Moment genießt, schließlich konnte die Tabellenführung verteidigt werden. Coach Selimbegovic wagte schon mal den Blick nach vorne: "Wir werden uns jetzt gut erholen, dann nach Hannover fahren und dort am Sonntag einem weiteren Hochkaräter Paroli bieten."

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