2. Liga: FC Augsburg Feiern bis nächsten Sonntag

Nach vielen vergebenen Chancen schafft der FC Augsburg gegen den FSV Frankfurt kurz vor Schluss das Siegtor - und den Aufstieg. Danach geben sich die Spieler selbst frei.

Von Kathrin Steinbichler, Augsburg

Als dieses eine, dieses zum Sieg und damit zum Aufstieg nötige Tor endlich gefallen war, legte auch Jos Luhukay die äußerliche Ruhe ab, die der Trainer des FC Augsburg bis dahin gezeigt hatte. Luhukay rannte vor seiner Trainerbank los, er sprintete in seiner schwarzen Hose und seinem weißen Hemd, das bald Grasflecken bekommen sollte.

Wasserdusche für den Trainer: Kapitän Moritz Leitner schafft es nach einem schönen Sprint, Jos Luhukay Wasser über den Kopf zu kippen.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Meter um Meter wurde er schneller, und als er schließlich nach etwa 120 Metern am anderen Platzende der Seitenlinie angekommen war, wo schon der Rest seines Kaders den Torschützen Stephan Hain unter sich begraben hatte, da hüpfte der sonst so zurückhaltende Niederländer noch obendrauf auf den jubelnden Haufen. Der Treffer des kurz zuvor eingewechselten Hain fünf Minuten vor dem Abpfiff bedeutete an diesem Sonntag das 2:1 (1:1) gegen den FSVFrankfurt.

Der FC Augsburg hat damit vor dem letzten Spieltag drei Punkte und 20 Tore Vorsprung vor dem VfL Bochum (3:1 beim VfL Osnabrück) und steht damit nach Hertha BSC Berlin zum ersten Mal in seiner Klubgeschichte als Bundesliga-Aufsteiger fest. "Das ist der Wahnsinn", meinte Abwehrspieler Axel Bellinghausen: "Das Spiel ging mit einer Katastrophe in der zweiten Minute los, danach haben wir 88 Minuten auf ein Tor gespielt, und dass es dann mit dem gefühlten 164. Standard geklappt hat, ist natürlich Wahnsinn." Genauer gesagt war es der 14. Eckball für den FCA (der FSV verzeichnete einen einzigen).

Luhukay vertraute in diesem wichtigen Spiel den elf Männern, die zuletzt in Cottbus einen Punkt erstritten hatten. Doch schon nach 1:48 Minuten mussten sie zusammen mit den 30.660 Zuschauern in der ausverkauften Augsburger Arena einen Schock verdauen: Kapitän und Innenverteidiger Uwe Möhrle foulte Frankfurts Sascha Mölders, der im Strafraum davonzuziehen drohte. Schiedsrichter Robert Kempter zögerte nicht, auf Strafstoß zu entscheiden, den Jürgen Gjasula zur Frankfurter Führung nutzte.

Der FCA schüttelte sich kurz, dann gab er die Antwort. Erst köpfelte Michael Thurk freistehend neben Gegners Tor (13.), eine Minute später aber lief er begeistert brüllend übers Feld: Das 34-jährige Stürmerschlitzohr nahm ein Zuspiel von Offensivpartner Nando Rafael auf und hämmerte den Ball zum Ausgleich ins lange Eck (14.). Danach spielte der FCA wie eine Eishockeymannschaft im Powerplay auf des Gegners Tor, doch der erlösende Treffer fiel einfach nicht.

Nach etwas mehr als einer Stunde musste sogar Torhüter Simon Jentzsch die Mannschaft im Spiel halten, als er gegen den heranstürmenden Mölders klärte (64.). Die Mannschaft der Schwaben trug gegen den FSV Frankfurt extra und ausschließlich für dieses Spiel angefertigte Sondertrikots, auf denen die Namen aller bis zum 27. April 2011 registrierten Mitglieder des FC Augsburg aufgedruckt waren. Dazu ließ der Verein 30.000 Fahnen in den rot-weißen FCA-Farben an die Fans verteilen.

"Augsburg muss an diesem Sonntag beben", hatte FCA-Geschäftsführer Andreas Rettig vorab gefordert, und die sonst oft als genügsam und sparsam beschriebenen Schwaben kamen der Aufforderung nach: Mitte der Woche hatte der vereinseigene Fanshop in der Bahnhofstraße gemeldet, die FCA-Fahnen seien ausverkauft, auch bei Mützen und Schals leerten sich die Bestände.

Vor einigen Jahrzehnten noch galt Augsburg als eine der großen Fußball-Talentschmieden in Deutschland. Da gab es Helmut Haller, den WM-Zweiten von 1966, nach dem inzwischen der Platz vor dem Haupteingang der 2009 eröffneten neuen Arena des FCA benannt ist. Oder Karl-Heinz Riedle, der Weltmeister von 1990, oder Bernd Schuster, der nach dem EM-Sieg 1980 erst beim FC Barcelona und dann bei Real Madrid zum blonden Engel wurde.

Mit dem ersten Bundesliga-Aufstieg gelingt nun dem Klub selbst der Schritt auf das große nationale Parkett. Mit Hilfe des langjährigen Investors und Vorstandsvorsitzenden Walther Seinsch klappte erst 2006 der Sprung in die zweite Liga, in der vergangenen Saison dann scheiterte der Traum vom Aufstieg noch am 1. FC Nürnberg, der den damaligen Zweitligadritten in der Relegation in die Schranken wies.

"Wie das jetzt in der Bundesliga wird", krähte ein heiserer Thurk, "da habe ich keine Ahnung. Aber heute Nacht, da ziehen wir durch die Kneipen der Stadt und trinken eine nach der anderen leer." Das vorerst letzte Ziel der Saison, erklärte Rettig, ist klar: "Nächsten Sonntag um 13.30 Uhr müssen wir bei der Hertha in Berlin auf dem Platz stehen. Bis dahin wird wohl gefeiert."