2. Liga Doppelleben

Schlechte Stimmung beim Tabellenführer: Kölner Topscorer Dominick Drexler.

(Foto: Thomas Eisenhuth/Getty Images)

Zweitliga-Primus Köln muss das nächste Stimmungstief moderieren. Zwar hat der FC als Spitzenreiter acht Zähler Vorsprung auf Relegationsrang drei, doch Trainer Anfang sieht sich wiederholt mit demselben Vorwurf konfrontiert: Er hole nicht das Optimum heraus.

Der Platz an der Sonne wirkte mit einem Mal zugig und ungemütlich. Schwer geschlagen verließ der 1. FC Köln das Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden, der souveräne Tabellenführer flog "mit Enttäuschung und Wut" zurück ins Rheinland, wie Markus Anfang sagte. Dabei dürften nun vor allem den Trainer in der Heimat stürmische Tage erwarten.

Völlig verdient hatten die Kölner bei Dynamo Dresden 0:3 (0:2) verloren, dabei habe "kein Spieler Normalform erreicht", machte Anfang zurecht geltend. Zudem scheint es im Team zu brodeln. So verweigerte Dominick Drexler, einer der Kölner Topscorer in dieser Saison, nach dem Spiel ein Interview mit dem Verweis auf die Kollegen: "Das machen die Stars." Manager Armin Veh sprach am Ostermontag mit Drexler. "Es ist für mich nichts Dramatisches. Er hat mir erklärt, dass er mit der Aussage keine einzelnen Spieler angreifen wollte", sagte Veh im Express. Unbestritten ist, dass der Topfavorit in der zweiten Liga weiter ein Doppelleben führt: Rauschhafte Siegesserien wechseln sich ab mit unerklärlichen Einbrüchen und mieser Stimmung.

Zwar hat der FC als Spitzenreiter (59 Punkte) acht Zähler Vorsprung auf Relegationsrang drei, immerhin sechs sind es auf den ebenfalls strauchelnden Mitfavoriten Hamburger SV. Doch Trainer Anfang sieht sich wiederholt mit demselben Vorwurf konfrontiert: Der 44-Jährige hole aus dem besten Kader der Liga nicht konstant das Optimum heraus. Sieben Spiele verlor der Tabellenführer bereits, anfangs durchaus wirkungsvoller Offensivfußball entfaltete bislang vor allem gegen die personell deutlich schwächer besetzten Teams seine Durchschlagskraft - in der ganzen Saison gab es jedoch keinen Sieg gegen einen Gegner aus dem Kreis der besten Vier in der Tabelle. Auch deshalb fürchtet das Umfeld in Köln Schlimmeres - und bangt nun doch wieder um den Erstliga-Aufstieg.