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2. Fußball-Bundesliga:Der TSV 1860 igelt sich ein

TSV 1860 München

TSV 1860 München Präsident Peter Cassalette (l) und Investor Hasan Ismaik.

(Foto: dpa)

Sechzig erteilt den Journalisten Hausverbot - dabei sind viele Fragen offen: Armin Veh, als Trainer-Kandidat gehandelt, sagt ab.

Am Freitagabend hat Hasan Ismaik, Investor des TSV 1860 München, eine seiner berüchtigten Facebook-Botschaften verbreitet. Darin prangert er die Berichterstattung an, die ihn bewusst in ein schlechtes Licht rücken würde. In seiner Nachricht erklärt er: "Ich respektiere die Pressefreiheit in Deutschland, aber das geht eindeutig zu weit." Der Klub kündigte am Freitag an, dass bis auf Weiteres kein 1860-Vertreter für Interviews zur Verfügung stehen werde. Am Samstag folgte ein Hausverbot. Die Löwen igeln sich ein, setzen in Zeiten der Unruhe auf Abschottung. Ruhig waren die Zeiten bei 1860 gefühlt noch nie. Doch so unruhig wie in den vergangenen Tagen war es doch selten.

Am Dienstag entließ der Klub auf einer denkwürdigen Pressekonferenz den glücklosen Trainer Kosta Runjaic, der mit einem teuer verstärkten Kader in 13 Spielen nur zwölf Punkte sammelte. Zu wenig für die hohen Ambitionen des Investors. Auf derselben Pressekonferenz wurde Thomas Eichin, bis dato interimsmäßiger Geschäftsführer, zum Sportdirektor degradiert und Anthony Power an dessen Stelle platziert.

Die DFL interessiert sich für die Vorgänge beim TSV 1860

Ismaik verkündete, dass über die zentralen Personalfragen der Aufsichtsrat der KGaA allein entschieden hätte. Da Investor Ismaik in diesem Gremium bei Stimmgleichheit entscheiden darf, würde dieser Vorgang gegen die 50+1-Regel der Deutschen Fußball-Liga (DFL) verstoßen, sie soll Vereinen die Hoheit bei derart wichtigen Personalentscheidungen sichern. Die DFL beschäftigt sich nun mit den Vorgängen beim TSV 1860. Wie genau, das wollte ein Sprecher am Samstag auf SZ-Anfrage nicht definieren.

Schuld an der Darstellung des Klubs sind aus Ismaiks Sicht auch die Medien, die, so ließ er auf seiner Facebook-Seite verlauten, "ein dreckiges Spiel" spielen und die Fans manipulieren würden. Von einer "Lügenkampagne" war die Rede. Der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) bat Ismaik und die 1860-Verantwortlichen anschließend, "Medienkritik doch bitte sachlich zu äußern".

Bierofka wünscht sich, dass sein Team sich nicht zu sehr mit dem Umfeld beschäftigt

Unabhängig von der ungeschickten Formulierung war auf der Pressekonferenz deutlich zu erkennen, wer bei den Löwen die Entscheidungen trifft: Der Investor Ismaik gab den Wortführer, Vereinspräsident Peter Cassalette saß passiv daneben. Zur Personalrochade sagte er nur: "Das soll am besten Hasan beantworten. Ich bin Präsident des e.V."

Die nächste Frage, die einer Antwort bedarf, ist die nach einem neuen Trainer. Armin Veh, zuletzt in der Vorsaison bei Eintracht Frankfurt beschäftigt, galt als favorisierter Kandidat. Doch Veh ist nicht interessiert. "Ich möchte diese Saison Pause machen, und dabei bleibt es", sagte er am Samstag der SZ. Wenn die Löwen am Sonntag (13.30 Uhr) bei Tabellenführer Eintracht Braunschweig antreten, wird Daniel Bierofka an der Seitenlinie stehen. Erst im vergangenen April hatte Bierofka, Trainer der zweiten Mannschaft, Cheftrainer Benno Möhlmann übergangsweise abgelöst. Ihm ist das Chaos natürlich nicht entgangen, er sagt aber: "Mich persönlich tangiert das überhaupt nicht, ich will mich nur auf das Tagesgeschäft konzentrieren." Und seiner Mannschaft gab er mit auf den Weg: "Sie soll sich nicht zur sehr mit dem Umfeld beschäftigen."

© SZ vom 27.11.2016 / SZ/ebc
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