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2. Bundesliga: Vorschau:Willkommen in der Risiko-Liga

Die zweite Liga überrascht mit neuen Gesichtern und Geschichten: einem frühen Starttermin, zwei ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönigen - und mit einem massiven Gewaltproblem. Sogar dem Oktoberfest droht ein "Hochrisiko-Spiel". Zehn Episoden zum Saisonstart der zweiten Liga.

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Eintracht Braunschweig - Neuzugänge

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Die zweite Liga überrascht mit neuen Gesichtern und Geschichten: einem frühen Starttermin, zwei ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönigen - und mit einem massiven Gewaltproblem. Sogar dem Oktoberfest droht ein "Hochrisiko-Spiel". Zehn Episoden zum Saisonstart der zweiten Liga. Von Jonas Beckenkamp

Für alle, die es nicht mehr wissen: Eintracht Braunschweig war einst eine große Nummer im deutschen Fußball. 1967 holten die Niedersachsen die Meisterschaft - da war der heutige Trainer Torsten Lieberknecht (2. v. li.) noch gar nicht auf der Welt. Der 37-Jährige ist eine der interessanteren Figuren der zweiten Liga. Als Coach arbeitete der ehemalige Bundesliga-Profi zunächst im Jugendbereich der Eintracht und übernahm Mitte 2008 überraschend den Trainerposten des zurückgetretenen Benno Möhlmann. Unter seiner Regie rettete sich der Verein in die damals neu gegründete dritte Liga. Im dritten Anlauf klappte es nun endlich wieder mit dem Aufstieg in Liga zwei - dort hatte der Traditionsklub zuletzt 2007 gespielt. Den Abstieg konnte damals auch ein solider Mittelfeldakteur namens Torsten Lieberknecht nicht verhindern. Vielleicht gelingt es ihm jetzt als Trainer.

DFB verhängt harte Strafen nach Krawallen in Essen

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Ein Dauerthema könnte in dieser Zweitliga-Saison die Sicherheit werden. Nach dem Abstieg des FC St. Pauli sowie den Aufstiegen von Hansa Rostock und Dynamo Dresden stehen dem Ligabetrieb einige hochbrisante Duelle bevor. Probleme gab es in der Vergangenheit genug: Randale zwischen Hamburger und Rostocker Fans oder rechtsradikale Übergriffe einiger ostdeutscher Ultras - gerade bei Hansa und Dynamo Dresden scheint man die Gewalt nicht kleinzukriegen. Hinzu kommt mit Eintracht Frankfurt ein Verein, der eine große Ultra-Szene beherbergt und wegen Ausschreitungen der eigenen Fans zuletzt nur knapp einer Platzsperre entging. "Wer das erhöhte Sicherheitsrisiko nicht sieht, macht die Augen zu", sagte deshalb Holger Hieronymus, stellvertretender Geschäftsführer der DFL, bei der Vorstellung des Spielplans. Hessens Innenminister Boris Rhein hatte sogar ein Alkoholverbot in den Stadien gefordert - entschieden ist jedoch noch nichts.

Digitalfunk auf dem Oktoberfest

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Als in München die Ersten davon hörten, wankte die Reaktion zwischen Entsetzen und Galgenhumor. Die DFL hat für das letzte Oktoberfest-Wochenende die Partie TSV 1860 München gegen Dynamo Dresden angesetzt. Die Vorstellung, dass 20.000 Dresdner Fans, darunter durchaus einige mit problematischem Gedankengut, über das größte Volksfest der Welt ziehen, sich einen ordentlichen Rausch ansaufen und womöglich auf Anhänger des TSV 1860 treffen, ruft ein Grausen in der Stadt hervor. Und die Polizei auf den Plan. Denn die fragt sich, wie sie mit einer solchen Situation klarkommen und die Sicherheit garantieren soll. Auf seiner ersten Sitzung beschloss demnach der neugegründete "Münchner Ausschuss für Sport und Sicherheit", bei der DFL vorstellig zu werden.

1. FC Nuernberg - TSG 1899 Hoffenheim

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Zwei ehemalige Torschützenkönige der Bundesliga in der zweiten Spielklasse - wann hat es das schon gegeben? Marek Mintal (2004/05) und Theofanis Gekas (2006/07) verleihen dieser Saison ein wenig Promi-Flair. Der Slowake Mintal (im Bild) lief zuletzt in Nürnberg immer langsamer und vor allem seltener über den Platz, weshalb er beim Club keinen neuen Vertrag mehr bekam. Bei Hansa Rostock hoffen sie nun, dass das "Phantom" wieder regelmäßig aus dem Nichts auftaucht und trifft. Auch an Gekas richten sich in Frankfurt ausgiebige Erwartungen, doch der Grieche könnte zu Saisonbeginn wegen der großen Konkurrenz bei der Eintracht erst mal auf der Bank sitzen. Ob er sich das lange antut, bleibt abzuwarten.

Eintracht Frankfurt - Bayer 04 Leverkusen

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Ein weiterer Grieche hat in Frankfurt ein ganz anderes Problem: Ioannis Amanatidis verdient mit knapp drei Millionen pro Jahr zwar so viel wie kein anderer Zweitligaspieler, doch sein neuer Trainer Armin Veh hat den ehemaligen Kapitän aussortiert - Vertrag bis 2012 hin oder her. Am Freitag nun verkündete der 29-Jährige, vor Gericht sein vertraglich zugesichertes Recht auf "professionelles Training" einzuklagen. "Ioannis Amanatidis will mit den Profis trainieren, denn professionelles Training ist eben nur bei den Profis möglich. Zudem ist er Spieler der Eintracht Fußball AG. Eine zweite Mannschaft gibt es dort nicht. Die U23 ist dem Verein Eintracht Frankfurt unterstellt, mit dem Amanatidis kein Vertragsverhältnis hat", heißt es auf der Homepage des Spielers.

FSV Frankfurt Eintracht Frankfurt

Quelle: imago sportfotodienst

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Und gleich noch mal Frankfurt: Erstmals seit vielen Jahren kommt es in dieser Saison wieder zu einem richtigen Frankfurter Derby - am fünften Spieltag empfängt der FSV die Eintracht. Auch wenn die Rivalität des Bundesliga-Absteigers zu Kickers Offenbach oder Darmstadt 98 sogar noch größer ist, bleibt die Begegnung gegen den kleinen Stadtnachbarn ein brisantes Aufeinandertreffen - das ganz nebenbei zweimal ein ausverkauftes Stadion garantiert. Beim FSV dürften sie inständig hoffen, dass die Spiele gegen die Eintracht nicht so enden, wie die beiden letzten Partien zwischen beiden Teams: In der Oberliga Süd der Spielzeit 1961/62 siegte der große Frankfurter Klub gegen den kleinen 5:0 und 4:0.

TSV 1860 München - Hasan Ismaik

Quelle: Frank Leonhardt/dpa

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Um es noch einmal klarzustellen: Der neuer Investor des TSV 1860 München, Hasan Abdullah Ismaik (li.), ist kein Scheich. Der Jordanier firmiert offiziell als "Geschäftsmann", der sein Geld mit Immobilien verdient. Mit Spannung ist zu erwarten, wie sich das erste Investorenprojekt in der 2. Liga bewährt. Kritik am plötzlichen Engagement zur Rettung des chronisch klammen Klubs gab es nicht nur im eigenen Verein, sondern beispielsweise auch von Hans-Jürgen Boysen, dem Trainer des FSV Frankfurt. "Für mich ist das ein klarer Fall von Wettbewerbsverzerrung", sagte der 53-Jährige in einem Interview der Frankfurter Rundschau. Mit rund 33 Millionen Euro will der vermeintliche Retter 1860 wieder aufpäppeln und in den nächsten Jahren den Aufstieg in die Bundesliga schaffen - schließlich soll sich sein Investment für ihn auch lohnen.

Mannschaftsvorstellung MSV Duisburg

Quelle: dapd

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Zwischenzeitlich schien es gar nicht mehr so sicher, dass der MSV Duisburg für die kommende Saison überhaupt eine halbwegs konkurrenzfähige Mannschaft an den Start kriegen würde. Insgesamt 15 Weggänge hatte der Klub in diesem Sommer zu verzeichnen - zuletzt ging auch noch Torhüter David Yelldell zu Bayer Leverkusen, während sich andere etablierte Kräfte wie Stürmer Stefan Maierhofer nach England (zu den Wolverhampton Wanderers) verdrückten. Die vielen Abwanderer galt es zu kompensieren und so holte der Verein stolze 14 Neue: Darunter für Zweitligaverhältnisse prominente Namen wie Torhüter Florian Fromlowitz (kam aus Hannover) oder der Bulgare Waleri Domowtschijski (aus Berlin).

Bayern Muenchen v Qatar - Pre-Season Friendly

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Was die Einkäufe betrifft, gibt man sich in der zweiten Liga eher sparsam. Zu den teuersten Verpflichtungen zählen die Neu-Frankfurter Gordon Schildenfeld (kam für eine Million Euro von Sturm Graz), Karim Matmour (500.000 Euro, Gladbach) und Matthias Lehmann (500.000 Euro, St. Pauli) sowie der Neu-Berliner Silvio (500.000 Euro, FC Zürich). Dafür sackten einige Klubs mit ertragreichen Verkäufen richtig Geld ein: Cottbus trat Nils Petersen (im Bild) für 2,8 Millionen an die Bayern ab, Frankfurt bekam für Timo Ochs drei Millionen aus Wolfsburg und der FSV Mainz bezahlte 1,8 Millionen an den VfL Bochum für Christian Fuchs. Und Stanislav Šesták? Der wechselt für stattliche 2,8 Millionen von Bochum zu Ankaragücü.

VfL Osnabrueck v VfL Bochum - 2. Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Dass die Liga bereits Mitte Juli startet, ist ein Novum. Die DFL bestimmte den vorverlegten Saisonbeginn, um zu testen, wie sich der Zweitligafußball in den schönsten Sommerwochen ohne die Konkurrenz aus Liga eins positionieren kann. Außerdem findet wegen der anstehenden EM 2012 auch der Erstligaauftakt etwas verfrüht (5. bis 7. August) statt - so bleibt nach Saisonende noch genug Zeit für die Relegationsspiele. Der Unmut über die neue Regelung ließ nicht lange auf sich warten: "Der frühe Start ist scheiße! Niemand kann das verstehen. Normalerweise braucht ein Spieler fünf Wochen Urlaub und sechs Wochen Vorbereitung. Wir haben jetzt drei Wochen Urlaub und vier Wochen Vorbereitung", sagte etwa Bochums Trainer Friedhelm Funkel der Sport Bild - und brachte damit drastisch zum Ausdruck, was viele seiner Kollegen in der Liga heimlich denken.

© sueddeutsche.de/jbe/hum

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