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2. Bundesliga: Gewalt in den Stadien:Die Problemklubs der 2. Liga

Krawalle und kein Ende: In Deutschlands zweithöchster Spielklasse beginnt an diesem Wochenende die Saison - und alles dreht sich um die erheblichen Sicherheitsrisiken bei einigen Klubs. Fans zwischen Hamburg und Cottbus gelten als gewaltbereit. Ein Überblick.

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Eintracht Braunschweig Fans

Quelle: imago sportfotodienst

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Krawalle und kein Ende: In Deutschlands zweithöchster Spielklasse beginnt an diesem Wochenende die Saison - und alles dreht sich um die erheblichen Sicherheitsrisiken bei einigen Klubs. Fans zwischen Hamburg und Cottbus gelten als gewaltbereit. Ein Überblick.

Ende 2009 überfielen etwa 30 Vermummte einen Regionalzug in Weddel bei Braunschweig. Neben Familien und Kindern befanden sich darin Fans von Hannover 96. Die Angreifer kamen mit Latten und Eisenstangen, schlugen die Fenster ein und warfen Rauchbomben in den Zug. Sie trugen blau-gelbe Sturmhauben - ebenso wie dies Hooligans von Eintracht Braunschweig zu tun pflegen. Ohne ersichtlichen Grund traktierten zwei Männer in Braunschweig im Jahr 2008 zwei Syrer. Die Polizei sprach von Verbindungen zur örtlichen Hooligan-Szene. Über diese gab es im vergangenen Jahr sogar einen Kinofilm. Er trägt den Titel "66/67" - nach der die Saison, in der die Eintracht das einzige Mal Meister wurde.

Energie Cottbus v Arminia Bielefeld - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Die Fangruppe mit dem martialischen Namen "Inferno Cottbus" will man bei der Energie seit einigen Jahren nicht mehr im Stadion der Freundschaft haben. Probleme machte die Gruppierung unter anderem, als sie ein Banner mit der brennenden Skyline von Berlin zeigen wollte. Aber auch Fans, die erlaubterweise auf der Tribüne der Energie Platz nehmen, bereiten zuweilen Anlass zur Sorge. 2005 hielten Fans ein meterlanges Spruchband, auf dem "Juden" stand. Das D wurde ersetzt durch das Emblem von Dynamo Dresden, der Schriftzug war flankiert von zwei Davidsternen. Ein Schlachtruf, der etwa zur gleichen Zeit wiederholt Schlagzeilen machte, heißt: "SS, SA. Die Cottbuser sind da."

VfL Osnabrueck - SG Dynamo Dresden

Quelle: Joerg Sarbach/dapd

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Eine Legende der Fans von Dynamo Dresden, noch aus DDR-Zeiten, geht so: Vor einem Uefa-Cup-Spiel gegen Spartak Moskau erklärten sie an der Kasse vor Lenins Mausoleum in gespieltem Ernst, dass sie den Herrn Lenin jetzt mit ins Stadion nehmen werden - das Mausoleum wurde daraufhin tatsächlich geschlossen. Die Ultras aus der sächsischen Landeshauptstadt sind aber nicht nur lustig. Sie skandieren schon mal: "Wir sind alle rechtsradikal", oder sie prügeln sich wie 2007 nach einem Pokalspiel gegen Lokomotive Leipzig zu Hunderten mit der Polizei. Vorsicht ist geboten, wenn manch ein Ultra das orangefarbene Futter seiner Bomberjacke nach außen trägt: Das signalisiert Gewaltbereitschaft.

Karlsruher SC - Eintracht Frankfurt

Quelle: dpa

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Frankfurter Ultras stimmten in der vergangenen Saison mit einem Film auf das Spiel gegen den Rivalen aus der Pfalz ein. Der trug den Titel "Platzüberfall 2010 - Schlachtfest in Kaiserslautern" und zeigte einen Metzger, der mit der Axt ein Schwein bearbeitete. Die Axt stand für die Eintracht, die Sau für den FCK. Dem Motto eines Spruchbands folgend ("Kein Kick ohne Randale"), so traten manche Ultras zuletzt im Stadion auf. Im Spiel gegen Köln stürmten Vermummte den Rasen und zertraten eine Kamera im Wert von 600.000 Euro. Im Spiel gegen Dortmund, der vorerst letzten Partie der Eintracht in der ersten Liga, trösteten sich Ultras dann mit einem neuen Banner: "Deutscher Randalemeister 2011".

FC St. Pauli v SC Paderborn - 2. Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Glatzen, zumindest im politischen Sinne, finden sich unter den Fans des FC St. Pauli nicht. Eher schon Irokesen. Die Ultras haben sich den Schutz jeglicher Minderheiten zu ihrem Selbstverständnis geschrieben und nehmen regelmäßig Flüchtlinge mit ins Stadion. Doch kann dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch unter den linken Fußballfans Militante gibt, die auch mal mit Steinen oder Flaschen werfen - vorwiegend wenn es gegen den Lokalrivalen HSV oder gegen Hansa Rostock geht. Das erste Spiel in der 2. Bundesliga muss St. Pauli in Lübeck bestreiten, obwohl es eigentlich ein Heimspiel wäre - die Strafe für einen Vorfall in der vergangenen Saison: Ein Pauli-Fan hatte seinen Becher nach dem Schiedsrichterassistenten geworfen.

Auseinandersetzungen vor Fussballspiel FC St. Paui - FC Hansa Rostock

Quelle: ddp

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Ein Schlachtruf der Ultras von Hansa Rostock, den "Supras", lautet: "Für Verein und Hafenstadt / machen wir die Bullen platt." Und die Anhänger setzen ihn auch in der Praxis um. In der vergangenen Spielzeit verletzten sich mehr als 200 Polizisten beim Einsatz im Stadion. Auch sonst war man in Rostock in der Vergangenheit nicht zimperlich. Wohl als rassistische Anspielung auf die Hautfarbe des Spielers Gerald Asamoah von Schalke 04 war zu werten, als Hansa-Fans vor einigen Jahren einmal in einem Pokalspiel bei jeder Ballberührung Asamoahs in Affengebrüll ausbrachen. Und vor gut einem Jahr bewarfen Rostocker Hooligans in Düsseldorf den eigenen Torwart mit Feuerwerkskörpern.

© SZ vom 13.07.2011/jbe
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