SpVgg Greuther FürthWetterfeste Kleeblättler

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Rehabilitiert: Erst ist Nahuel Noll beim Trainer in Ungnade gefallen, nun sicherte er seiner Mannschaft den besten Start in die Saison seit elf Jahren.
Rehabilitiert: Erst ist Nahuel Noll beim Trainer in Ungnade gefallen, nun sicherte er seiner Mannschaft den besten Start in die Saison seit elf Jahren. Wolfgang Zink/Imago

Nach der öffentlichen Kritik seines Trainers Alexander Zorniger hält der Fürther Torwart Nahuel Noll beim Kantersieg in Regensburg vorzüglich. Und verhilft seiner Mannschaft damit auch zum stärksten Saisonstart seit elf Jahren.

Von Johannes Kirchmeier, Regensburg

Ein Blick, ein kurzes Vergewissern, dann stürmte der Fürther Fußball-Torwart Nahuel Noll instinktiv dem Regensburger Angreifer Dominik Kother entgegen, verkürzte den Winkel bei dessen Abschluss geschickt und machte die wohl größte Chance des SSV Jahn Regensburg in der Zweitliga-Partie gegen die SpVgg Greuther Fürth zunichte. Zum perfekten Zeitpunkt war er dem eigentlich treffsicheren Kother entgegengekommen, stoppte den Schuss erst mit seinem Körper und sprang dann blitzschnell auf den weghoppelnden Ball: Gefahr gebannt. Wie das gesamte Spiel im Übrigen, es war eine von allein sieben Paraden in der ersten Halbzeit, mit denen Noll die SpVgg im oberpfälzisch-mittelfränkischen Duell hielt. „Es war eine ganz starke Leistung, woran wir auch grundsätzlich keinen Zweifel haben“, sagte Trainer Alexander Zorniger über Noll. Die Fürther gewannen dank einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit am Ende 4:0 (1:0), ihr höchster Zweitliga-Auswärtssieg seit 2019.

Doch dafür brauchte es „ein bisschen Glück“ gegen die überraschend spielstarken Jahn-Akteure – und ebendiesen Nahuel Noll, wie Zorniger eigens betonte. Man darf davon ausgehen, dass ihm nach diesem souveränen Auftritt des 21-jährigen Torwarts, der in seinem vierten Zweitligaspiel erstmals ohne Gegentor blieb, auch selbst ein wenig wohler war. Im Grunde war so auch eine andere leise Gefahr im Fürther Umfeld gebannt.

Schließlich hatten die Paraden eine kleine Vorgeschichte. Zorniger hatte Noll noch eine Woche zuvor heftig kritisiert, nachdem der mit einem Ballverlust im Spielaufbau kurz vor Abpfiff die SpVgg um den Sieg im Duell mit dem SC Paderborn (1:1) brachte. „Ich war schon lange nicht mehr so geladen auf einen einzelnen Spieler“, wütete Zorniger bei Sky. Den Fehler solle der Torwart „nicht noch einmal machen“, erklärte der Trainer weiter: „Sonst kann sein Berater gern bei mir anrufen, warum er nicht spielt.“ Sogar Sven Ulreich, Ersatzkeeper beim FC Bayern, verteidigte den in München aufgewachsenen Noll in den sozialen Medien, der 2017 aus der Jugend des TSV 1860 nach Hoffenheim wechselte.

Zorniger entschuldigte sich beim getadelten Torhüter, der zahlte es mit einer Topleistung zurück

Am Tag nach dem Tadel entschuldigte sich Zorniger in einem über die Vereinskanäle verbreiteten Video beim aus Hoffenheim geliehenen Noll und der Mannschaft. Trotzdem war ja nicht abzusehen, wie der junge Torhüter auf die harsche Kritik reagieren würde.

Nun bleibt festzuhalten, dass Noll souverän mit Zornigers Zorn umging. Auch wenn die Aktion ob der Schärfe pädagogisch fragwürdig bleibt, was auch der Coach eingestand, war sie vielleicht wertvoll. Dieses Mal verstand sich Noll nicht nur im Torvereiteln vorzüglich, sondern auch im Spielaufbau. „Überdurchschnittlich lang und überdurchschnittlich genau“ könne er die Bälle schlagen, lobte Zorniger. Diese Abschläge sind ligaweit gefürchtet, Noll kreiert daraus Torchancen. „Diese Qualität hat er. Dazu kann er auch Bälle halten – ich glaube, viel mehr brauchst du eigentlich nicht mehr, um ein richtig guter Keeper zu werden“, sagte der Coach nun.

Ätsch, ich bin der neue Torschütze: Zugang Noel Futkeu zeigt Freude und Zunge.
Ätsch, ich bin der neue Torschütze: Zugang Noel Futkeu zeigt Freude und Zunge. IPA Photo/Imago

Wie gefährlich die langen Bälle werden können, zeigte sich schon in der dritten Spielminute. Die Großchance ließ Dennis Srbeny zwar ungenutzt, in deren Folge wurde Fürth jedoch eine Ecke zugesprochen. Und die wiederum flankte Kapitän Branimir Hrgota auf Marco Meyerhöfer, der nach einer einstudierten Variante per Direktabnahme zur Führung traf. „Im Training haben wir das schon versucht, da waren schon zwei, drei Luftlöcher dabei“, sagte er hinterher. Sommer-Zugang Noel Futkeu (49. Minute) sowie die langjährigen Fürther Hrgota (77.) und Julian Green (88.) schossen die weiteren Tore. Aufsteiger Regensburg steht auf Rang 14, das Kleeblatt hüpft auf Tabellenplatz drei, hat acht Punkte aus vier Partien erwirtschaftet – und zudem seit April nicht mehr verloren. Besser waren die Fürther zuletzt 2013 direkt nach dem Bundesliga-Abstieg in eine Spielzeit gestartet.

Was zu einem Teil auch an den Zugängen um Noll liegt, die dem Verein sofort weiterhelfen. Noll selbst ersetzte den starken, aus Köln geliehenen Jonas Urbig, im Sturm macht der 21-jährige Futkeu den nach Mainz in die Bundesliga abgewanderten Armindo Sieb und seine zwölf Tore zumindest schon ein wenig vergessen, auch Roberto Massimo hat sich einen Stammplatz erkämpft. Und ein Sonderlob hatte Zorniger für den erst vor einer Woche hinzugestoßenen Mittelfeldspieler Sacha Bansé übrig, der nach seiner Einwechslung in der zweiten Hälfte die Lücken schloss, die seine Mitspieler in der ersten Halbzeit offen ließen.

Sport-Geschäftsführer Rachid Azzouzi und Zorniger haben sich also trotz der üblichen Weggänge von Leistungsträgern direkt wieder ein Team zusammenstellen können, das den Verein wetterfest für eine weitere Zweitliga-Saison macht. Nach den ersten Eindrücken stellt sich in Fürth sogar die leise Frage: Ist dieses Mal mehr möglich? Da die beiden Siege gegen die Aufsteiger Münster und Regensburg gelangen, werden darauf aber wohl erst die Duelle mit den Liga-Topklubs im Laufe der Spielzeit eine Antwort geben.

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SpVgg Greuther Fürth
:„So ein Fehler darf einem Torwart nicht passieren“

Weil Fürths Torhüter Nahuel Noll beim 1:1 gegen Paderborn ein schweres Missgeschick unterläuft, übt Trainer Alexander Zorniger ungewöhnlich scharfe Kritik – und verärgert damit sogar Sven Ulreich. Tags darauf entschuldigt er sich.

Von David Kulessa

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