bedeckt München 30°

2. Bundesliga:Auf den HSV ist Verlass

1. FC Heidenheim - Hamburger SV

Nach dem 1:0 noch das 1:2 kassiert: Hamburgs Timo Letschert liegt enttäuscht auf dem Rasen in Heidenheim

(Foto: dpa)

Konsequent wie im Vorjahr scheint der Hamburger SV seine Aufstiegschancen zu verspielen: Nach dem 1:2 in Heidenheim ist fremde Hilfe nötig.

Der Hamburger SV ist in dieser Saison wieder eine Mannschaft der großen Unwägbarkeiten, das war in Fußballdeutschland schon lange die gängige Erzählung. Einige Szenekenner müssen sich nun aber revidieren, spätestens nach diesem Nachmittag in der 50 000 Einwohnerstadt Heidenheim an der Brenz, der die Hamburger Aufstiegsträume entscheidend zertrümmert haben könnte. Auf den HSV ist Verlass. Aber nur wenn es darum geht, die eigenen Saisonziele konstant und immer wieder selbst zu torpedieren.

Wo soll man anfangen? Zum wiederholten Male - die HSV-Fans dürften inzwischen aufgehört haben zu zählen - verspielte ihr Klub eine Führung, zum wiederholten Male kassierte ihr Klub in der Nachspielzeit den entscheidenden Gegentreffer, zum wiederholten Male konnte oder wollte die Ereignisse auf dem Feld keiner der Beteiligten schlüssig erklären. Am Ende stand es 2:1 für den 1. FC Heidenheim, der sich mit diesem Heimsieg sogar vorbei auf den Relegationsplatz geschoben hat, mit zwei Punkten Vorsprung und der Magie des Moments im Rücken.

Weil parallel der Aufstiegskonkurrent VfB Stuttgart den 1. FC Nürnberg auswärts mit 6:0 aus dem Stadion fegte und seinen Vorsprung damit auf vier Punkte ausbauen konnte, hat der HSV nichts mehr selbst in der Hand. Derweil weiß mann, dass der VfB nach Arminia Bielefeld fast sicher in die erste Liga hoch geht. Von jener Arminia und deren Leidenschaften im finalen Saisonkick gegen Heidenheim ist der HSV nun abhängig. Reicht es doch noch wenigstens zum Relegationsduell gegen die Erstligisten Düsseldorf oder Bremen?

"Wir hoffen, dass die Arminia am letzten Spieltag noch einmal alles raushaut", sagte HSV-Trainer Dieter Hecking. Er fügte hinzu: "Klar, so ein Spielverlauf macht keine Freude. Aber eine kleine Chance ist noch da." Bei einem Arminia-Sieg hat der HSV die Chance auf Relegationsplatz drei, Voraussetzung ist dann mindestens ein Untentschieden der Hamburger gegen den SV Sandhausen. Sollten Heidenheim und Bielefeld unentschieden spielen, muss der HSV gewinnen.

Aber zunächst werden die Hamburger das erneute Drama verarbeiten müssen. Es lief längst die Nachspielzeit, Heidenheims Schnatterer erlief noch mal einen Ball und knallte ihn diagonal in den Strafraum. Dort legte Schimmer quer zum ebenfalls eingewechselten Kerschbaumer - und der Joker traf durch die Beine von HSV-Mann Jung zum wegweisenden Siegtor.

Wenn man jetzt also irgendwo anfangen möchte, dann am besten mit dem Blitzstart des HSV in die zweite Hälfte. Keine 20 Sekunden war es her, dass Schiedsrichter Deniz Aytekin die Partie wieder angepfiffen hatte, da nahm sich der Finne Joel Pohjanpalo eine Kopfballverlängerung mit in den Lauf, mit Tempo ging's vorbei an einem Heidenheimer Verteidiger, der finnische Stürmer streckte die Schulter raus und knallte den Ball ins linke Toreck. Das 1:0 für den HSV sah nach dem nötigen Willen und nach der nötigen Effizienz aus, die man in solchen Duellen benötigt.

In der ersten Hälfte hatte der HSV immerhin optisch dominiert, doch hinter den kleinen Chancen war keine größere Idee zu erkennen, es waren Möglichkeiten, die sich nun einmal ergeben, wenn eine individuell überlegene Mannschaft gegen einen Gegner spielt, der auf Konter lauert.

Und genau das tat der HSV nach Pohjanpalos Tor dann selbst - er zog sich zurück. Nach chaotischem Gewühl im HSV-Strafraum bekam Verteidiger Jordan Beyer den Ball ans Bein geschossen, von dort sprang dieser zum 1:1 (80.) ins Netz. Von da an taumelten die Hamburger - wie schon in Fürth (2:2), in Stuttgart (2:3), gegen Kiel (3:3) - und fielen am Ende wieder um.

© SZ vom 22.06.2020/ska

Meinung
Abstiegskampf
:Viele Menschen werden mit Werder leiden

Ausgerechnet in einer Geisterspielsaison droht Bremen der Abstieg - einem Klub, der so sehr von seinen Fans lebt. Das hat etwas Zynisches und etwas Symptomatisches.

Kommentar von Sebastian Fischer

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite