Zweite BundesligaGeburtstagsschnulze bei Hertha, verhaltener Jubel beim Club

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Hertha-Trainer Stefan Leitl erhielt ein Ständchen der besonderen Art.
Hertha-Trainer Stefan Leitl erhielt ein Ständchen der besonderen Art.
Swen Pförtner/dpa

Die Berliner und die Nürnberger grüßen von der Spitze. Heidenheims Trainer Frank Schmidt ist erleichtert, Wolfsburgs Angreifer Fabian Reese fühlt sich verletzt: Geschichten aus dem Unterhaus.

Von Javier Cáceres und Markus Schäflein

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In der Spur

Erging in den vergangenen Jahren in der zweiten Liga der Appell „Cherchez la femme!“, so dauerte es meist, bis man fündig wurde. Hertha BSC, vulgo „Alte Dame“ genannt, stand zumeist unten in der Tabelle. Nicht so in dieser Saison: Hertha fuhr am Freitag in Braunschweig den dritten von drei möglichen Dreiern ein, siegte dort nach 0:2-Rückstand mit 5:3. Anderntags hieß „Cherchez la femme!“ in Bezug auf Hertha freilich: Such’ Mirjana! Denn so heißt die Ehefrau von Hertha-Coach Stefan Leitl, und sie machte von sich reden. Aus Anlass des 49. Geburtstags des Gatten veröffentlichte Mirjana Leitl, eine fernsehgartenkompatible Schnulzensängerin, ein Video, das sie im Auto aufgenommen hatte und sogleich das Herz der härtesten Herthaners schmelzen ließ. Wegen des Textes („Happy birthday, love of my life“). Und weil sie den Gatten so lange an Knie und Nacken kraulte, bis er, den Kopf zur Seite geneigt, den Schlafzimmerblick ins erste Lächeln der Saison verformte. Hach! Wundere sich keiner, wenn die Hertha-Ultras schon bald ein Lied aus dem Mirjana-Repertoire klauen, das gut zur neuen Hertha-Lage passt: „Ich glaube nicht an Wunder/ich glaube nur/Ich bin schon lange auf der richtigen Spur“.

Frank Schmidt.
Frank Schmidt.
Harry Langer/dpa

Nicht lustig

Das Unvorstellbare war plötzlich vorstellbar: dass aus dem ewigen Trainer Frank Schmidt beim 1. FC Heidenheim der ehemalige Trainer Frank Schmidt werden würde, und zwar unfreiwillig und unehrenhaft. Ob Schmidt nach dem peinlichen 2:5 im Pokal beim Viertligisten Jeddeloh eine dritte Niederlage in Serie gegen Dresden noch ohne Entlassung überstanden hätte, war jedenfalls fraglich, und dann mussten seine Heidenheimer in der 73. Minute auch noch in Überzahl das 1:2 hinnehmen. Oh shit, Herr Schmidt. Doch die Heidenheimer Mannschaft zeigte, dass sie mit ihrem Langzeitfußballlehrer weitermachen will, und drehte das Spiel spektakulär durch Tore in der 77., 87., 90. und 92. Minute – Endstand: 5:3. Sein Team habe „die Arbeitsmoral gezeigt, die ich gefordert habe“, resümierte Schmidt zufrieden. Man habe gesehen, dass es nicht einfach war, die zuvor „zwei ganz schwachen Auftritte aus den Klamotten zu schütteln“. Am Ende hatten sie dann aber lange genug geschüttelt: „Wir haben die drei Punkte, das ist erst mal wichtig.“ Die süffisante Anmerkung des lachenden TV-Reporters („Unter drei Gegentoren macht ihr’s nicht“) konterte Schmidt so: „Das finde ich heute, ehrlich gesagt, gar nicht so lustig.“

Mohamed Ali Zoma.
Mohamed Ali Zoma.
Daniel Marr/Zink/Imago

Jubelfragen

Nach dem 4:1 gegen Arminia Bielefeld ist der 1. FC Nürnberg Tabellenführer der Zweiten Bundesliga, doch nach dem Schlusspfiff wurde vor allem darüber diskutiert, weshalb Mohamed Ali Zoma nach seinem Treffer zum 1:0, wie es der Kicker formulierte, „extrem verhalten gejubelt“ habe. „Ich weiß jetzt nicht, wie er gejubelt hat“, sagte Club-Sportvorstand Joti Chatzialexiou bei Sky. Was Chatzialexiou hingegen wusste: „Wir werden ihn nicht weggeben, diese Entscheidung haben wir getroffen.“ Zoma, der vergangene Saison 14 Tore in 29Spielen erzielte und nun bereits wieder vier in den ersten drei Partien erzielt hat, war im vergangenen Sommer aus der dritten italienischen Liga von UC Albino Leffe nach Nürnberg gewechselt. Zoma, 22, erklärte, dass er nun „viele Angebote“ erhalten habe: „Aber sie haben entschieden, dass es besser ist, ein weiteres Jahr hierzubleiben. Wir haben das akzeptiert. Das ist alles.“ Das mache ihm aber nichts aus, denn mit den Nürnbergern sei einiges möglich. Schließlich habe der Club eine „gute Mannschaft und eine tolle Kabine“. Was damit möglich ist, darüber kann man nach diesem Saisonstart mir drei Siegen in drei Spielen und einem Torverhältnis von 11:3 in der Tat nachdenken.

Fabian Reese.
Fabian Reese.
Jan Prihoda/Eibner/Imago

Freund und Feind

Es gibt eine Reihe von Wendungen aus antiken Strategiebüchern, die ansatzweise erklären, was Fabian Reese, 28, gerade widerfährt. „Amicus meus, inimicus inimici mei“, sagten schon die Lateiner („Mein Freund, der Feind meines Feindes“); die Weisheit verwandelt im Umkehrschluss den „Feind meines Freundes“ in „meinen Feind“. Reese gereichte das am Samstag beim 5:2 des VfL Wolfsburg beim Karlsruher SC zum Nachteil. Weil die Fanfreundschaft zwischen Hertha und dem KSC zu den engsten des Landes gehört. Und die Herthaner Reese gram sind, weil er ihnen ewige Liebe geschworen hatte und sein Herz dann nach Wolfsburg umzog (was das nicht nur ihm, sondern auch Hertha viel Geld einbrachte). Die KSC–Fans hinterbrachten das Reese stellvertretend für die Berliner Freunde durch Pfiffe und Schmähungen. Reese verlor sich danach in einem einerseits-andererseits: Die Pfiffe verletzten ihn, er nehme es aber „sportlich“, wenn sie den Menschen zum Ventil gereichten. Reese betonte auch, dass er dafür sei, die Vergangenheit ruhen zu lassen und in die Zukunft zu schauen. Wenn nicht, werde er sich damit arrangieren. Zum Beispiel am ersten November-Wochenende, wenn Hertha Reeses VfL empfängt.

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