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2. Bundesliga:1860 München - Der Zorn verraucht nicht

MSV Duisburg - TSV 1860 München

Haareraufen hilft da auch nicht mehr: 1860 verliert 1:2 gegen Duisburg und taumelt der dritten Liga entgegen. Derzeit steht das Team auf Platz 17.

(Foto: Roland Weihrauch/dpa)
  • 1860 München ist nach der 1:2-Niederlage gegen den MSV Duisburg sauer auf das Schiedsrichtergespann.
  • Sportdirektor Oliver Kreuzer spricht den Unparteiischen die Kompetenz ab und lässt einen Verdacht anklingen.
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Das Grollen begann leise und kam näher. Immer lauter wurde es, es schlich den Kabinengang entlang, und als der Grund dafür sichtbar war, stand ein Servierwagen mit zwei Kästen Bier vor der Kabine des MSV Duisburg. Drinnen war die Stimmung blendend. Die Duisburger feierten.

Wer die Situation in der zweiten Liga nicht im Sinne hatte, hätte nie gedacht, dass hier der Tabellenletzte vier Spieltage vor Saisonende jubelt. Duisburg hatte 1860 München mit 2:1 besiegt, ist jetzt punktgleich mit den Löwen und hat auch nur zwei Zähler weniger als die drittletzten Paderborner, die am Freitag 2:0 in Frankfurt gewannen.

Am anderen Ende des Kabinentrakts hatten unterdessen die Münchner den Schiedsrichter Thorben Siewer beschimpft. Erst Mittelfeldmann Romuald Lacazette, dann Sportdirektor Oliver Kreuzer. Ein Duisburger Tor, das wohl wirklich keines war, und ein zweifelhafter Platzverweis für Milos Degenek hatten die Münchner erzürnt.

"Wenn ich nicht hundertprozentig sicher erkenne, dass der Ball die Linie vollständig überschritten hat, dann kann ich auch nicht auf Tor entscheiden", sagte Kreuzer und beklagte, dass der Linienrichter Fabian Maibaum die Fahne gewedelt hatte, als ein Kopfball von Thomas Bröker vom Innenpfosten abgeprallt und für den Bruchteil einer Sekunde wohl nicht mit vollem Umfang hinter Torlinie war, bevor Torwart Stefan Ortega ihn fortboxte. "So funktioniert Profifußball nicht", urteilte Kreuzer, "dass da draußen einer steht und sagt: 'Ich glaube, der war drin, da heb' ich mal die Fahne.'"

Heimat des Linienrichters liegt nicht weit von Duisburg

Am Tag darauf, nach einer Busfahrt in die Münchner Heimat, die sich bis halb fünf Uhr in der Früh hinzog, war sein Zorn noch immer nicht verraucht. Im Gegenteil. Kreuzer hatte zu diesem Zeitpunkt schon beschlossen, gegen die Genese dieser Niederlage Einspruch bei der DFL zu einzulegen. "Wir werden auf jeden Fall einen Schriftsatz an die DFL schicken, um klar zu signalisieren, dass wir das so nicht akzeptieren", sagte er.

Tattoos von 1860-Fans

Einmal Löwe, immer Löwe

Aller Voraussicht nach wird der Verband die Beschwerde zwar ablehnen, unter möglichst höflichem Verweis auf den Primat der Tatsachen-Entscheidung. Aber wer weiß? "Ich finde es befremdlich, dass die DFL einen unerfahrenen Schiedsrichter ansetzt für dieses Abstiegs-Endspiel", sagte Kreuzer am Samstag. "Und dann noch einen Linienrichter auswählt, dessen Heimatort roundabout 60, 70 Kilometer vom Spielort Duisburg entfernt ist." Maibaum kommt aus Hagen. Kreuzer sagte das natürlich nicht, aber zwischen seinen Sätzen klang doch leise die Möglichkeit an, den Hagener könnte eine nicht nur räumliche Nähe zum MSV im Urteilsvermögen getrübt haben

Wie am Vorabend Ortega, der sogar gefordert hatte, dieses Schiedsrichtergespann dürfe nie wieder zum Einsatz kommen, sprach Kreuzer den Unparteiischen in jedem Fall die Kompetenz ab. "Von uns werden professionelle Leistungen erwartet - und das verlange ich auch von den Schiedsrichtern."