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1. FC Köln:Chinesen wollen ihr Ansehen wahren

Der Verein in Tianjin steht seit dieser Woche unter staatlicher Kuratel; wie es mit ihm weitergeht, ist nicht abzusehen. Meldungen, der Klub sei kurzerhand "aufgelöst" worden, hat man im Kölner Geißbockheim zwar gern vernommen, aber mit Recht in Zweifel gezogen. Nicht zuletzt geht es den Chinesen darum, das Ansehen ihrer Super League zu wahren, die mit viel Geld und Getöse in den globalen Fußball-Zirkus eingefallen ist. Zwar hat der Verband zuletzt durch neue Regeln die Wucherungen am Transfermarkt der Liga eingedämmt. Das ändert aber nichts an den hohen Ansprüchen, die sich die Führung des Landes setzt. Am Staatsziel der Partei und ihres Vorsitzenden Xi Jinping, Fußball zum Volkssport und Chinas Nationalelf eines nicht fernen Tages zum Weltmeister zu machen, wird konsequent gearbeitet

Vorfälle wie in Tianjin sind diesem Projekt nicht dienlich, weshalb hier prompt gehandelt wurde. Der Name des entehrten Sponsors ist kurzerhand aus dem Vereins-Titel gelöscht worden, der Klub wird von der regionalen Regierung und vom Sportministerium geführt und heißt ab sofort Tianjin Tianhui. Was nicht getilgt wurde, ist ein Finanzierungsloch in Höhe von 50 Millionen Euro, das jedoch spätestens zum Start der neuen Saison nicht mehr bestehen darf. Es wird bezweifelt, dass die öffentliche Hand die Mittel bereitstellt. Ein neuer Sponsor könnte helfen, dieser müsste allerdings aus der Region kommen.

Was bedeutet das alles aber nun für Anthony Modeste? Während der Franzose mit der Mannschaft im Trainingslager auf Mallorca weilt und auf eine zügige Lösung hofft, bemüht man sich auf der Kölner Geschäftsstelle um verlässliche Neuigkeiten aus China. Zwecks weiterer Verhandlungen wird ein neuer Ansprechpartner gesucht, der das operative Geschäft verantwortet. Die Zeit drängt. Bis zum 31. Januar muss Modeste registriert werden, damit er in der Rückrunde mitspielen darf. Ausnahmen seien möglich, heißt es beim FC, doch dazu müsste man sich dann erneut auf unsicheren juristischen Boden begeben.

Zur notfalls auch vorläufigen Freigabe bräuchte der Klub eine Genehmigung der Fifa, die im Dezember im Rechtsstreit zwischen Modeste und Tianjin allerdings ein zwiespältiges Urteil getroffen hatte. Sie gab quasi beiden Seiten recht: Dem Spieler, der die Kündigung eingereicht hatte, und dem Verein, der die Kündigung nicht akzeptieren möchte. Die Kölner warten noch auf die schriftliche Begründung, um für einen Gang vor den Sportgerichtshof Cas gewappnet zu sein. Diesen zeitraubenden Umweg über die nächste Instanz würde man gern vermeiden. Doch um darüber mit Tianjin Tianhui zu verhandeln, müsste man wissen, mit wem man in China künftig überhaupt sprechen kann.

Die Umstände bleiben anstrengend. Die Hoffnung, mit Modeste ein außerordentlich gutes Geschäft zu machen, hat man in Köln aber noch nicht aufgegeben.

© SZ vom 11.01.2019
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