bedeckt München 21°
vgwortpixel

1860-Präsident Dieter Schneider:Botschaft an die Putschisten

Schneider 1860

Unter Druck: 1860-Präsident Dieter Schneider.

(Foto: imago sportfotodienst)

Gezielte Indiskretionen im Umfeld machen 1860-Präsident Dieter Schneider nach der Auseinandersetzung mit Investor Hasan Ismaik sichtlich zu schaffen. Seine Gegner wittern die Chance, Schneider zu isolieren - doch der Präsident hat Unterstützer.

Am Donnerstag verfolgte Dieter Schneider in Belek, was in der Heimat über ihn berichtet wurde. Was er las, konnte ihm nicht gefallen. Von "Intrigen gegen den Präsidenten", wurde geschrieben, dass es "einsam" um den "Ober-Löwen" werde, dass er den Kompromiss mit 1860-Miteigentümer Hasan Ismaik "mit seiner Blockadehaltung beinahe zum Scheitern gebracht" hätte. Zudem wurde das Aus von Sportchef Florian Hinterberger zum Saisonende vermeldet. "Ich kommentiere das nicht", sagte Schneider im Trainingslager telefonisch, hielt aber fest: "Ich bin mehr als überrascht, dass nicht das eingehalten wird, was im Aufsichtsrat beschlossen wurde: dass keine Informationen, welcher Art auch, nach außen gehen."

So muss er es über sich ergehen lassen, dass nach dem im e.V. abgenickten Kompromiss mit Löwen-Investor Hasan Ismaik wieder scharf geschossen wird. Denn dass vor allem der Präsident diskreditiert werden soll, ist offensichtlich. Das, was da abläuft, ist als ein Putschversuch aus dem Hinterhalt zu werten. Absender? Sie gehen nicht aus der Deckung. Er sei "nicht mehr tragbar" - so etwas wird nun von Klubkollegen gestreut. Willkommen bei 1860.

Neu ist nicht, dass sich Schneider als Gesicht des Mehrheitsgesellschafters 1860 und Ismaik als Gesicht des Minderheitsgesellschafters seit Beginn ihrer Partnerschaft aneinander reiben. Neu ist auch nicht, dass die Investorenseite Schneider gerne los wäre. Bisher konnte der 65-Jährige Versuche des Geschäftsmanns aus Abu Dhabi abwehren, der schon zwei Mal auf den Rücktritt seines Gegenspielers hinarbeitete. Zuletzt eskalierte die Lage wieder, Ismaik drohte mit Zahlungsstopp zugesagter Darlehen, sollten Forderungen (Schneider weg, Sven-Göran Eriksson als Trainer, kostspieliger Strategiewechsel) nicht erfüllt werden. Um der abgesicherten Zukunftsplanung willen gestand die Klubseite Ismaik einiges zu, etwa Eriksson als Trainer (Verhandlungen laufen immer noch); der einst beschlossene Business Plan bis 2015 soll dafür wieder greifen. Rücktritte verlangt Ismaik offiziell nicht mehr.

Doch wer dachte, es wird ruhig, täuscht sich. Offenbar wittern interne Gegner die Chance, im Sog des Dauertheaters Schneider zu isolieren. Und es ist offenkundig nicht nur eine Sache, die sich im e.V. abspielt. Auch Hamada Iraki, der Ismaik zu 1860 brachte, ihn vertrat und als Löwen-Aufsichtsrat zurücktrat, ist wieder aktiv. Als eine Art Vermittler, der aber dem Investorenlager zuzuordnen ist. Mit Ismaik besitzt Iraki, der auch mal mit Schneider über Kreuz lag, die 1860-Vermarktungsagentur H.I. Squared.

TSV 1860 München

Gefangen zwischen Tradition und Chaos

Als Vorlage der Kritik erweist sich immer mehr jene schicksalhafte Aufsichtsratssitzung des e.V. vom Montag. Aufgrund seiner sturen Haltung zu Forderungen Ismaiks hätte Schneider fast eine Einigung platzen lassen, wird lanciert. Auch dazu wollte Schneider keine Stellung nehmen, er wirkte angeschlagen nach dem Vorwurf, er sei "der Blockierer" und nur von Vize Franz Maget flankiert. "Dann sollte man mich auch zu den Blockierern zählen", bekundet nun der zweite Vizepräsident Wolfgang Hauner und bricht eine Lanze dafür, dass Schneider in dem Verhandlungsmarathon genervt habe. "Es gibt wegen der 50+1-Regel viel zu beachten, das kann man nicht so durchwinken", erklärte er. Die Regel der Deutschen Fußball Liga soll Klubs vor kompletter Fremdbestimmtheit etwa durch Investoren schützen.