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1860 München:Zu lange Wege

02 02 2019 Fussball 3 Bundesliga 2018 2019 22 Spieltag TSV 1860 München VfL Osnabrück im Grü; Prince Osei Owusu 1860 München

Präsenter Zugang: Gegen Magdeburg zieht Prince Osei Owusu die Aufmerksamkeit der Gegenspieler auf sich und macht so auch den zwischenzeitlichen Ausgleich von 1860 durch Sascha Mölders möglich.

(Foto: Renate Feil/imago/MIS)

Sechzig verpasst einen wichtigen Punkt gegen Osnabrück. Schlimmer wiegen jedoch die Ausfälle von Aaron Berzel und Quirin Moll. Einzig Zugang Prince Osei Owusu macht Hoffnung.

Der Mann mit der Nummer acht auf dem Rücken, die wegen des Drecks kaum noch zu lesen war, stand am Zaun und feierte mit seiner Schwester und ein paar Freunden den Sieg im sehr vertrauten Grünwalder Stadion. Ulrich Taffertshofer hatte auch genau so gespielt, wie es sich Fans des TSV 1860 München immer wünschen: wie einer, der aus einem Rasen gerne einen Acker macht. Allerdings trug er das gelbe Trikot des Gästeteams von VfL Osnabrück, ein Sechziger ist der gelernte Löwe Taffertshofer schon seit fast sieben Jahren nicht mehr. Einmal warf er seinem Gegner Sascha Mölders nach einem Zweikampf eine sarkastische Kusshand zu, er foulte und wurde gefoult. Spielerisch waren die Gäste den Sechzigern ohnehin überlegen, sein Job war es, die Partie auch kämpferisch ausgeglichen zu gestalten. Das gelang ihm. Und so trug der 26-jährige Ex-Löwe maßgeblich zum 2:1 (1:0)-Erfolg des VfL bei.

Einen hart erkämpften Punkt gegen den Favoriten hätte die Mannschaft des TSV 1860 sowohl fürs Selbstvertrauen als auch für einen größeren Abstand zum Tabellenende der dritten Liga gebrauchen können. Noch schlimmer als die Niederlage dürften mittelfristig aber die Ausfälle zweier Spieler wiegen. Allen voran jener von Quirin Moll: Für den Mittelfeldspieler ist die Saison beendet, aus einem Verdacht auf Innenbandriss am Samstag wurde am Sonntag ein Kreuzbandriss. Verletzt hatte sich Moll bei einem Pressschlag mit Taffertshofer (50.), bei einer fairen Aktion, wie Sechzigs Trainer Daniel Bierofka hernach betonte. Wie sehr Moll fehlen wird, hatte er zuvor gezeigt: Ohne ihn wäre gegen die beste Abwehr der Liga das meist fantasielose Angriffsspiel der Sechziger, beruhend auf langen Bällen und Kontern, noch durchschaubarer gewesen.

Aaron Berzel hingegen wird nicht so lange fehlen wie Moll und war zudem selbst schuld gewesen. Als der Schiedsrichter ihm in der 57. Minute die Karte entgegenhielt, sah der Abwehrspieler schon gar nicht mehr nach, welche Farbe diese hatte, er ging einfach frustriert vom Platz. "Selbst verschuldet", befand Bierofka. Berzel hatte sich den Ball zu weit vorgelegt, war danach hinter dem Angreifer Benjamin Girth hergelaufen und hatte die Arme zu Hilfe genommen, um ihn zu stoppen. Girth übrigens wurde zum Matchwinner der Partie. Der in der Winterpause von Kiel nach Osnabrück gewechselte Angreifer erzielte beide Tore für die Gäste (7./80.). "Besonders bitter" war laut Bierofka, dass das 1:2 nach einem Standard fiel, wo man doch sonst in Unterzahl so gut verteidigt hatte. Gegen Ende gelang es den Löwen zwar, die Partie noch mal spannend zu machen - aber es reichte nicht.

Sechzig scheiterte kräftemäßig an dem enormen Aufwand vor den gefährlichen Abschlüssen

Der Winterzugang der Sechziger war dann so ziemlich der Einzige, der an einem weitgehend verkorksten Tag Hoffnung machte, dass sich irgendetwas zum Besseren wenden könnte. Etwas früher als geplant kam Prince Osei Owusu für Moll ins Spiel. "Ossi hat das sehr ordentlich gemacht, vor allem für das erste Spiel", sagte Bierofka. Er sei sehr präsent gewesen und habe die Bälle gut abgelegt. Besonders gut in der 61. Minute, als er zwei Spieler auf sich zog und dann der Ball für Sascha Mölders für den Schuss zum Ausgleich frei lag.

Owusu übrigens darf sich nach so kurzer Zeit im Verein noch nicht öffentlich äußern. Aber Ex-Löwen dürfen natürlich sprechen. "Ich denke schon, dass er ihnen weiterhilft", sagte Taffertshofer über Owusu. Simpel gesagt: Der 22-Jährige fällt dank seiner Robustheit in den vielen Luft-Zweikämpfen, die das Löwen-Spiel mit sich bringt, nur selten um. Umgekehrt hatte der von Arminia Bielefeld verpflichtete Offensivspieler dem Routinier Taffertshofer kurz vor dem 1:1 per Ellenbogencheck zu Boden gestreckt und dafür bei seiner Premiere Gelb gesehen.

Der Ausgleich so kurz nach Berzels Platzverweis weckte noch einmal die Lebensgeister des Außenseiters. "Wir haben das in Unterzahl gut gemacht, deswegen ist das bitter und ärgerlich", sagte Mölders über das Endergebnis. Er selbst war so weite Wege gegangen, dass er in den Schlussminuten nicht mehr auf dem Platz stand; letztlich scheiterten die Sechziger kräftemäßig an dem enormen Aufwand, den sie betreiben mussten, ab und zu gefährliche Abschlüsse zu generieren. Und die Wege dürften beim Auswärtsspiel am Samstag beim hochambitionierten KFC Uerdingen kaum kürzer werden.