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1860 München:Von Löwen und Mähnen

Fußball 3.Liga SG Sonnenhof Großaspach vs. TSV 1860 München v.l. Constantin Frommann (Sonnenhof) / Sascha Mölders (1860

Die Offensivkraft des TSV 1860 München vereint: Sascha Mölders (vorne) und Stefan Lex beschäftigen Großaspachs Torwart Frommann.

(Foto: Volker Mueller/Pressefoto Baumann/imago)

1860-Trainer Michael Köllner wähnt sein Team gegenüber Ingolstadt im psychologischen Vorteil. Die Münchner fühlen sich vor dem finalen Duell in der Rolle des Jägers wohl.

Von Felix Haselsteiner

Die Löwen und ihre passenden Metaphern, das ist schon eine Sache: Eigentlich könnte man von Woche zu Woche Vergleiche aus dem Tierreich hervorholen, um den Zustand beim Drittligisten TSV 1860 München zu beschreiben. Man könnte einmal von müden Löwen sprechen, ein anderes Mal von brüllenden Löwen in ihrem Jubel; seltener spricht man neuerdings hingegen über die Löwenmähnen, das hat aber eher damit zu tun, dass Trainer Michael Köllner genau wie viele seiner Spieler die Haare eher kurz trägt, es wäre ein eher unzulässiger Vergleich (anders als vielleicht bei seinem Vorgänger, dem Bartträger Daniel Bierofka).

Am Freitag, auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den FC Ingolstadt, griff allerdings Sportchef Günther Gorenzel ganz tief in die Kiste mit den Löwen-Metaphern: "Wir Löwen sind morgen die Jäger", sagte Gorenzel mit Blick auf das finale Saisonspiel, in dem es für den TSV ja noch um den Aufstieg geht. 1860 braucht einen Sieg gegen Ingolstadt und Schützenhilfe von Unterhaching (gegen den MSV Duisburg) und Chemnitz (gegen Rostock), um noch auf Platz vier zu springen, der gleichbedeutend mit der Relegation wäre (Bayern II darf ja nicht aufsteigen).

Köllner nahm Gorenzels Jagd-Metapher gleich auf, er sieht gleich seine ganze Arbeit beim TSV seit November als Aufholjagd an: "Vom Abstiegskandidaten haben wir uns so entwickelt, dass wir am letzten Spieltag noch eine Chance haben", sagte Köllner, dem die Vorfreude auf das Spiel am Samstag richtig anzumerken war: "Wir können nur gewinnen, insofern gehen wir mit Freude ran."

Dass in dieser Saison auch der Aufstieg noch möglich wäre, hatte Köllner bereits in seiner Antrittspressekonferenz anklingen lassen, damals hatte man das noch eher als kühnen Anfangsoptimismus gelten lassen können. "Ich hab jedenfalls nicht bei meiner ersten Pressekonferenz die Münchner Presse angelogen, wie man sieht", sagte Köllner lächelnd. Gegenüber dem FC Ingolstadt erkannte er unterdessen einen kleinen psychologischen Vorteil: "Ingolstadt hat seinen Matchball gehabt und nicht verwandelt", sagte Köllner, der Gegner hätte in dieser Saison schon einige Patronen verschossen, anders als der TSV - wobei auch der, soviel sollte man festhalten, des Öfteren Punkte liegen gelassen hat. "58 Punkte hätten uns trotzdem viele nicht zugetraut", sagte Köllner, und es könnten ja noch 61 werden.

Fragen dazu, was ihm ein Relegationsduell mit seinem ehemaligen Verein aus Nürnberg bedeuten würde, wollte der 1860-Trainer erst dann beantworten, wenn es soweit ist - aber: "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass mir das noch gar nicht ins Gedächtnis gekommen ist." Verzichten wird man bei Sechzig am Samstag allerdings auf Verabschiedungen vor dem Anpfiff, immerhin wird eine Vielzahl an Spielern den Verein verlassen. Das würde vor dem wichtigen Spiel nur ablenken, so Gorenzel: "Wir konzentrieren uns voll auf die Jagd".

© SZ vom 04.07.2020

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