1860 München: Schockmomente ohne Köllner

Toto Cup SV Burghausen  TSV 1860

Letztlich erfolgreiche Vertretungs-Trainer: Günter Brandl und Oliver Beer (rechts).

(Foto: Stefan Matzke/sampics)

Die Löwen müssen im Toto-Pokal-Achtelfinale Corona-bedingt auf drei Spieler und ihren Cheftrainer verzichten - und siegen beim Regionalligisten Burghausen im Elfmeterschießen.

Von Markus Schäflein

Der erste Schock des Toto-Pokal-Tages ereilte den TSV 1860 München schon am Nachmittag. Um kurz vor 17 Uhr teilte der Fußball-Drittligist mit, dass Rechtsverteidiger Kevin Goden positiv auf Covid-19 getestet worden war und sich daher in Quarantäne begeben hatte. Und damit fiel nicht nur er für das Achtelfinale beim starken Regionalligisten SV Wacker Burghausen aus: "Auch die nicht geimpften Spieler aus dem Löwen-Kader dürfen im Toto-Pokal-Achtelfinale nicht eingesetzt werden und haben sich in Quarantäne begeben", schrieb der TSV 1860. "In Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden dürfen sämtliche Spieler aus dem Profikader, die vollständig geimpft waren, im Toto-Pokal-Spiel gegen Burghausen eingesetzt werden." Es fehlte allerdings auch Cheftrainer Michael Köllner, der die Wartefrist nach der Impfung noch nicht vollständig absolviert hatte.

Neben Goden und Köllner traf es auch Phillipp Steinhart und Yannick Deichmann; Sascha Mölders war zwar nicht dabei, aber nicht in Quarantäne, sondern in Schonung für das anstehende Drittligaspiel am Sonntag in Halle. Somit fanden sich die 16 spielfähigen Spieler auf dem Berichtsbogen, die benötigt wurden, und die Partie fand statt. Diese Regel, die den Löwen beim DFB-Pokal-Erstrundensieg gegen Darmstadt 98 noch von Vorteil war, kam also auch im Toto-Pokal zur Anwendung.

Der zweite Schock des Tages für die Löwen folgte in der zweiten Spielminute: Elfmeter für Burghausen nach einem Foul von Semi Belkahia, der nach langer Verletzungspause ebenso wie Daniel Wein seinen Wiedereinstand gab, an Andre Leipold. Doch der frühere Löwe Nicholas Helmbrecht schoss den Strafstoß vorbei - und leitete den Abend symbolhaft ein: Der TSV 1860 siegte 7:6 (2:2, 1:0) im Elfmeterschießen und zog ins Viertelfinale ein.

Nach dem frühen Elfmeterpfiff nahmen die Münchner das Spiel sofort in die Hand und kamen umgehend zu den ersten Chancen. Ein Schuss von Richard Neudecker strich knapp vorbei (6.), Marcel Bär vermochte einen Fehler von Wacker-Torwart Markus Schöller nicht zu nutzen (9.). Die Löwen-Führung schien nur eine Frage der Zeit zu sein, und sie war es auch: Eine Flanke von Niklas Lang rutschte durch die Burghauser Innenverteidigung an den entfernten Pfosten, wo Bär diesmal wenig Mühe hatte, den Ball ins Tor zu befördern (27.). Auf der Gegenseite machte ein weiterer früherer Sechziger in Reihen der Burghauser auf sich aufmerksam: Felix Bachschmid verpasste per Kopf haarscharf den Ausgleich (30.). Bis zur Pause war dann der Sonnenuntergang über der Wacker-Fankurve das Sehenswerteste.

Wacker kommt durch einen Doppelschlag seiner Torjäger tatsächlich noch zum Ausgleich

Nach dem Seitenwechsel schnupperten die Gastgeber vor den 4100 Zuschauern schon am Ausgleich: Bachschmid kam ungedeckt zum Kopfball, vermochte 1860-Keeper Tom Kretzschmar aber keine Mühe zu bereiten (50.). Und dann jubelten wieder die Löwen: Stefan Lex überlupfte nach einem Steilpass von Neudecker den Torwart zum 2:0. Der Angreifer hatte ja so lange nicht getroffen, dass er bereits den Spitznamen Ladehemmungs-Lex erhalten hatte, dementsprechend impulsiv bejubelte er mit den Teamkollegen seinen Treffer (55.).

Wer nun allerdings dachte, dies sei die Entscheidung zugunsten des Drittligisten beim Regionalligisten gewesen, hatte nicht mit dem dritten Löwen-Schock des Tages gerechnet: Burghausen kam durch einen Doppelschlag seiner beiden Torjäger Christoph Maier (64.) und Robin Ungerath (68.) tatsächlich zum 2:2-Ausgleich. Maier traf nach einem langen Schlag unbehelligt von der Sechzig-Abwehr, Ungerath mit einem Traumschuss aus 22 Metern. Und dann hatte Kretzschmar gegen Leipold auch noch den dritten Wacker-Treffer zu verhindern (76.). Kurz vor Schluss erhielten die Löwen einen Freistoß in aussichtsreicher Position, aber Schöller parierte gegen Neudecker.

Also ging es, wie im Toto-Pokal üblich, ohne Verlängerung ins Elfmeterschießen. Der einzige Schütze, der vergab, war Burghausens Leipold - den entscheidenden Versuch verwandelte Bär. Für die Löwen war es das doch noch gelungene Ende eines irren Tages. Wie es nun mit dem Corona-Fall weitergeht, soll sich an diesem Donnerstag klären. "Über die weitere Vorgehensweise auch im Hinblick auf die Aufgaben in der Liga wird im Zusammenspiel mit den Behörden morgen entschieden", teilte der TSV 1860 mit.

© SZ/toe
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB